Private Wachdienste in Kasernen : Die Bundeswehr auf dem Weg in die Abhängigkeit

Private Wachleuten dürfen gern Bundeswehr-Kasernen sichern. Aber Vorsicht: Die steigenden Kosten signalisieren eine drohende Abhängigkeit. Ein Kommentar.

Gelöbnis von Rekruten eines Feldjägerbataillons
Gelöbnis von Rekruten eines FeldjägerbataillonsFoto: imago stock&people

Die Bundeswehr schützt ihre Kasernen nicht selbst – sondern lässt sie schützen, und zwar von privaten Sicherheitsdiensten. Das mag auf den ersten Blick wie ein Schildbürgerstreich wirken. Doch es macht Sinn.

Das liegt in erster Linie an der Verkleinerung der Truppe – und der damit einhergehenden Spezialisierung. Und, natürlich, an der Aussetzung der Wehrpflicht. Im Jahr 2000 hatte die Bundeswehr noch etwa 317 000 Soldatinnen und Soldaten, etwa ein Drittel von ihnen Wehrpflichtige. Inzwischen sind es nur noch etwa 184 000, etwa 8700 davon leisten freiwillig Wehrdienst.

Die Gründe für die private Bewachung laut Bundeswehr:

  • Reduzierung des eigenen Personals
  • Konzentration der Streitkräfte auf ihre „Kernaufgaben“
  • Fokussierung der Streitkräfte auf Auslandseinsätze
  • Aussetzung der Wehrpflicht

Der Bundeswehr fehlt somit schlicht das nötige Personal, um selbst Wache zu schieben und zugleich die rechtlichen Vorgaben bei den Arbeitszeiten einzuhalten. Setzte man die eigenen Leute dafür wieder ein, würden weit mehr als die 8000 Wachleute gebraucht, die derzeit privat engagiert werden. Zudem haben die Soldatinnen und Soldaten weitreichendere und wichtigere Aufgaben, als einschläfernde Stunden im Wachhäuschen zu verbringen.

Daher ist es verständlich, dass sich das Verteidigungsministerium auf die heutigen Kernaufgaben der Bundeswehr besinnt. Und das sind nun mal die Auslandseinsätze, sei es in Afghanistan, dem Kosovo oder Mali. Selbstverständlich ist die Truppe dort vor Ort in der Lage, sich selbst schützen.

Mit Feindbeschuss ist nicht zu rechnen

Um dort aber wirklich einsatzfähig zu sein, muss dafür zu Hause genügend Zeit zum Üben bleiben. Das heimische Tor sichern können stattdessen auch private Wachdienste, wenn sie denn ordentlich ausgebildet sind. Mit Feindbeschuss ist hier nicht zu rechnen.

Das Problem ist eher, zu welchem Preis sich die Soldatinnen und Soldaten zu Hause schützen lassen. Die Ausgaben für die Sicherung sogenannter Liegenschaften durch gewerbliche Wachunternehmen hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf etwa 430 Millionen Euro verdoppelt.

Ein Grund mag die Anhebung der mitunter sehr niedrigen Löhne sein. Doch die Bundeswehr hat ihre Strukturen so umgebaut, dass sie inzwischen auf die privaten Sicherheitsdienste angewiesen ist. Ohne sie geht es nicht mehr.

Daher ist sie zunehmend abhängig von einigen wenigen Firmen. Denn für diese spezialisierten Aufgaben gibt es nur ganz wenige Anbieter. Sie sind es, die den lukrativen Markt jetzt unter sich aufteilen können.

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