Religion im öffentlichen Raum : Bayerische Ämter müssen Kruzifixe aufhängen

Für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist es ein Bekenntnis zur Identität des Bundeslandes. Ein Problem mit dem Neutralitätsgebot sieht er nicht.

Markus Söder beim Aufhängen eines Kreuz in der bayerischen Staatskanzlei.
Markus Söder beim Aufhängen eines Kreuz in der bayerischen Staatskanzlei.Foto: dpa/Peter Kneffel

Das bayerische Kabinett hat am Dienstag in München das Aufhängen von Kreuzen in Dienstgebäuden des Freistaats beschlossen. So soll ab dem 1. Juni jeweils im Eingangsbereich ein Kreuz als „sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland“ angebracht werden, wie die Staatskanzlei mitteilte.

Die Kreuze sollen laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kein religiöses Symbol des Christentums sein, sondern ein „Bekenntnis zur Identität“ und zur „kulturellen Prägung“ Bayerns. Das Kreuz sei kein Zeichen einer Religion und kein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot, sagte er nach der Kabinettssitzung.

Zeremonie in der Staatskanzlei

Das Kreuz, das Söder anschließend in der Eingangshalle der Münchner Staatskanzlei anbrachte, hat aber durchaus religiösen Hintergrund: Es hing bis 2008 im Kabinettssaal, war ein Geschenk des früheren Münchner Kardinals Friedrich Wetter und wurde nach Söders Worten auch von diesem geweiht.

Die Verordnung gilt ausschließlich für die Ämter des Freistaats, nicht für die Behörden der Kommunen und des Bundes in Bayern - über diese hat die Staatsregierung keine Verfügungsgewalt. Bisher schrieb die Staatsregierung Kreuze nur für die Klassenzimmer der bayerischen Schulen und die Gerichtssäle vor. Kreuze hängen zwar auch in manchen anderen bayerischen Behörden, bislang aber in Eigenregie. (dpa/AFP)

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