Rettung im Mittelmeer : Hilfsorganisation will libysche Küstenwache anzeigen

Weil die libysche Küstenwache ihr Boot zerstörte, musste die Migrantin Josefa stundenlang im Wasser ums Überleben kämpfen. Eine spanische Hilfsorganisation will jetzt Strafanzeige stellen.

Josefa bei ihrer Rettung.
Josefa bei ihrer Rettung.Foto: REUTERS/Juan Medina

Ende einer dramatischen Rettung: Josefa, die am Dienstag von spanischen Helfern aus dem Mittelmeer gezogen worden war, kam am Samstag mit dem Schiff „Open Arms“ auf Mallorca an. Die 40-Jährige war nach ihrem stundenlangen Überlebenskampf im Wasser auch am Samstag immer noch schwach. Während Josefa in einem Krankenhaus in Palma versorgt wurde, erneuerten ihre Retter auf einer Pressekonferenz schwere Vorwürfe gegen Libyen. Danach soll die libysche Küstenwacht das Flüchtlingsschiff, auf dem sich Josefa und weitere Migranten befanden, versenkt haben.

Òscar Camps, der Gründer der spanischen Hilfsorganisation „Proactiva Open Arms“, teilte mit, dass seine Organisation deswegen Strafanzeige gegen Libyens und Italiens Küstenwacht wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung gestellt habe. Italien trage eine Mitverantwortung, weil das Land seinen internationalen Verpflichtungen bei der Rettung Schiffbrüchiger nicht nachgekommen sei und die Bergung der Migrantenschiffe der libyschen Küstenwacht überlasse.

Vorwürfe gegen Libyen

Josefa, die Frau aus Kamerun, hatte vor Libyens Küste stundenlang im Wasser um ihr Leben gekämpft und nur überlebt, weil sie sich an ein Stück Holz klammern konnte. Nach ihren Angaben hatte die libysche Küstenwacht das Boot, in dem vermutlich mehr als 100 Migranten reisten, gestoppt. Die meisten Flüchtlinge seien danach an Bord des libyschen Patrouillenschiffes geholt worden, um sie nach Libyen zu transportieren. Nur Josefa und einige weitere Migranten wollten das Küstenwachtschiff nicht besteigen. Offenbar aus Angst, wieder in das Bürgerkriegsland Libyen gebracht zu werden. Daraufhin, so der Vorwurf, hätten die Libyer das Flüchtlingsschiff zerstört und die dort verbliebenen Migranten ihrem Schicksal überlassen.

Zusammen mit Josefa waren in diesem Moment noch mindestens zwei weitere Menschen an Bord des Gummischiffs: Eine Frau und ein kleiner Junge, vermutlich Mutter und Kind, deren Leichen ebenfalls von der „Open Arms“ geborgen und nach Mallorca gebracht wurden.

Beim Rettungseinsatz dabei war der spanische Basketball-Weltstar Marc Gasol. Er nannte das Vorgehen der Libyer „unmenschlich“ und „kriminell“. Er ist sicher: „Wenn wir 15 oder 20 Minuten später gekommen wären, dann wäre Josefa jetzt tot.“

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