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Sachsen geht als erstes Bundesland voran : Fast die Hälfte der Bundesbürger ist für eine Maskenpflicht

Merkel und die Ministerpräsidenten „empfehlen“ das Tragen von Masken. Sachsen macht es jetzt zur Pflicht. Jena schon seit zwei Wochen – mit verblüffendem Ergebnis.

Sachsen ordnet als erstens Bundesland eine eingeschränkte Pflicht zum Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit an.
Sachsen ordnet als erstens Bundesland eine eingeschränkte Pflicht zum Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit an.Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild

Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ordnen als erste Bundesländer eine eingeschränkte Pflicht zum Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit an. „Verpflichtend ist das Tragen einer Mund-Nasenbedeckung bei der Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs und beim Aufenthalt in Einzelhandelsgeschäften“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung der sächsischen Landesregierung.

Es wird „dringend“ empfohlen, im öffentlichen Raum und insbesondere bei Kontakt mit Risikopersonen eine Mund-Nasenbedeckung zu tragen, um für sich und andere das Risiko von Infektionen zu reduzieren.

Wenige Stunden später verkündet Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in Schwerin, dass Nutzer von Straßenbahn, Bus oder Taxi künftig einen Mund- und Nasenschutz tragen müssen.

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Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern gehen damit den Weg der thüringischen Stadt Jena, die bereits eine Maskenpflicht angeordnet hatte. Bei der Bund-Länder-Besprechung am Mittwoch hatten Kanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder dagegen nur vor einem „Gebot“ gesprochen. Merkel sagte aber, dass später geprüft werden könne, ob weitere Schritte nötig seien.

Eine landesweite Maskenpflicht würde bei den Bundesbürgern allerdings auf ein geteiltes Echo stoßen, wie eine Civey-Umfrage für den Tagesspiegel ergibt: Der Umfrage zufolge wäre fast jeder Zweite in Deutschland für eine Maskenpflicht, aber ein großer Teil der Bevölkerung ist auch dagegen.

Konkret: 46,2 Prozent halten den Verzicht auf eine solche Pflicht für falsch, 14,1 Prozent sind unentschieden, und 39,7 Prozent halten eine verpflichtende Maskennutzung für falsch.

Die Maskenpflicht bezieht sich nicht auf das Tragen medizinischer Schutzmasken, sondern sogenannte Community-Masken. Diese gewähren keinen Schutz wie professionelle Masken, können aber das Infektionsrisiko für sich und andere zumindest abmildern.

Gute Zahlen in Jena allein ein Ergebnis der Maskenpflicht?

Jena hingegen geht den Weg des verpflichtenden Maskengebrauchs schon länger: Seit knapp zwei Wochen müssen in Bussen, Bahnen und Supermärkten, seit einer Woche auch an der Arbeitsstätte Masken getragen werden. Die Ergebnisse sind überraschend gut.

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Die Stadt teilte mit, man habe bereits seit acht Tagen schon keine Neuinfektionen mehr gezählt. Aktuell gibt in Jena bei 108.000 Einwohnern 155 Infizierte. 103 sind bereits genesen.

Ob die positive Entwicklung sich tatsächlich einzig der Maskenpflicht verdankt, ist noch nicht klar. Festlegen will sich Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) nicht, ist sich aber sicher, dass die Pflicht beim Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hilft.

Neben der Maskenpflicht gilt in Jena ein Veranstaltungsverbot, Reiserückkehrer müssen sich sofort in Quarantäne begeben, für den öffentlichen Raum gilt für sie ein strenges Betretungsverbot  – alles deutlich vor dem Land Thüringen, sagte Nitzsche nach Angaben der "Bild"-Zeitung. Masken-Muffel, die gegen die städtische Verfügung verstießen, würden mit bis zu 50 Euro Bußgeld belegt, hieß es.

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Die Bundesregierung hatte zunächst einen zögerlichen Kurs in der Debatte verfolgt, weil es zum einen nicht genügend Masken auf dem Markt gab und zum anderen befürchtet wurde, dass der Gebrauch von Alltagsmasken ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittele.

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