Sinkende Spenderzahlen : Länder fordern neue Debatte über Organspenden

Die Zahl der Organspender ist in Deutschland 2017 weiter gesunken. Die Gesundheitsminister der Länder wollen die Debatte neu anstoßen.

Die Zahl der Spender sank 2017 auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren.
Die Zahl der Spender sank 2017 auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren.Foto: Soeren Stache/dpa

Angesichts des Mangels an Spenderorganen in Deutschland wollen die Bundesländer die Debatte über eine verpflichtende Entscheidung zur Organspende anstoßen. „Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, um den Negativtrend in Deutschland umzukehren“, sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) zum Abschluss der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) am Donnerstag in Düsseldorf. Der Bundestag solle sich nach dem Willen der Länder erneut mit dem Thema befassen.

2017 war die Zahl der Organspender in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken – bundesweit gab es nur 797 Spender, 60 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der gespendeten Organe ging um 9,5 Prozent auf 2594 zurück.

In Deutschland gilt die Entscheidungslösung

Aktuellen Umfragen zufolge stehen 84 Prozent der Bürger dem Thema Organspende grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Allerdings haben derzeit nur 36 Prozent einen Organspendeausweis. In Deutschland gilt bei Organspenden die Entscheidungslösung. Jeder, der älter als 16 Jahre ist, wird von seiner Krankenkasse in regelmäßigen Abständen aufgefordert, eine freiwillige Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben. Wird dies nicht dokumentiert, werden im Todesfall die Angehörigen befragt, ob sie im Sinn des Verstorbenen einer Spende zustimmen oder nicht.

Nötig sei eine „breite gesellschaftliche, politische, parlamentarische Debatte“, ob nicht die sogenannte Widerspruchslösung oder eine verbindliche Entscheidungslösung eine Option wären, sagte Prüfer-Storcks. Bei der auch von der Ärzteschaft geforderten Widerspruchslösung wird eine Zustimmung zur Organspende vorausgesetzt, wenn ein Mensch dem nicht aktiv widerspricht.

Schleswig-Holstein hatte sich bei der GMK für eine verpflichtende Entscheidungslösung eingesetzt, wonach die Entscheidung zur Organspende auf einem offiziellen Dokument wie Führerschein oder Ausweis dokumentiert werden soll. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte, es müsse über die persönliche Organspendebereitschaft „grundsätzlicher“ diskutiert werden. Die Widerspruchslösung lehnt er bislang ab. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) begründet die sinkende Spendenbereitschaft unter anderem mit Defiziten bei der Arbeit in den Kliniken.

In Spanien ist die Zahl deutlich höher

Ärzte würden bei der Behandlung unheilbar kranker Menschen bisher nicht systematisch genug die Möglichkeit einer Organspende ansprechen, um potenzielle Spender zu gewinnen. Das Problem sind der DSO zufolge „organisatorische Schwachstellen“ in Kliniken.

In anderen Ländern wie Österreich, Spanien, Italien und Tschechien gilt die Widerspruchslösung bereits. Je nach Land haben die Angehörigen das Recht, einer Organentnahme bei der verstorbenen Person zu widersprechen, sollte keine Entscheidung der verstorbenen Person vorliegen. Den Angaben von Eurotransplant zufolge, die die Organvergabe in einigen EU-Ländern regelt, ist die Spendenbereitschaft dort höher, wo die Widerspruchslösung gilt. In Spanien spenden im Schnitt sechs Menschen täglich ihre Organe, jeden Tag werden durchschnittlich 14 Organe transplantiert. Damit liegt das Land weit über dem europäischen Durchschnitt. (hew/AFP)

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