Klaus Landowsky trat gestern zurück. Mit ihm verliert Berlin einen begnadeten Redner und Zwischenrufer.
Helmut Kohl
Sandro Veronesi, Romancier und Essayist, wurde 1959 in Florenz geboren. Sein jüngster Roman "Die Macht vergangener Zeiten" erscheint im Sommer bei Bertelsmann.
Es waren eigentlich alle da, die man zu diesem Anlass auch erwartet hätte - und noch viel mehr. Der Park der am Mittwoch offiziell eröffneten israelischen Botschaft in der Grunewalder Auguste-Viktoria-Straße an der Ecke Reinerzstraße quoll fast über vor Gästen und wird wahrscheinlich einige Wochen brauchen, bis er sich von den Besuchermassen - die nur wenig Respekt für das junge Grün zeigten - wieder erholt hat.
Für die meisten Eltern in Deutschland war es ein gutes Wochenende, doch aus der Union kam am Montag heftige Kritik: Über eine "Verlotterung der Sitten" klagte der sächsische Finanzminister Thomas de Maizière am Montag laut, weil sich der Bundeskanzler ohne die unionsgeführten Länder mit den SPD-Ministerpräsidenten über die Finanzierung der Kindergelderhöhung geinigt hatte. Die Länderchefs der Union hätten nur aus den Medien von den Zusagen des Bundesfinanzministers erfahren, beschwerte sich der Minister aus Dresden.
Wahrscheinlich im Wahljahr 2002 kommt Helmut Kohl zumindest bei der ARD wieder als Kanzler ins Fernsehen. Das Erste plant einen Film-Zweiteiler über ihn, schreibt der "Spiegel".
Spontaneität reüssiert nicht immer. Die positiven Ausnahmen wurden zu historischen Legenden.
Wir sehen ein Lehrstück über den Verfall der Macht. Überheblichkeit und auch Sturheit verbinden sich mit Realitätsverlust und Hilflosigkeit: Kurt Biedenkopf hat den Zeitpunkt verpasst, in allen Ehren sein Amt als Ministerpräsident in Sachsen aufzugeben.
Moderation, Management und Moral - aus diesen drei Elementen speist sich die Macht der CDU-Vorsitzenden.Das Moderieren - das modernste Form der Macht-Camouflage - beherrscht Angela Merkel.
Was haben Fußball und Politik miteinander zu tun? Wenig, auf den ersten Blick.
Berti Vogts ist ein Mensch, der seine Wurzeln nicht vergisst. Als er noch für Borussia Mönchengladbach die Kapitänsbinde trug und den Rasen des Bökelbergstadions mit seinen Puma-Stollenschuhen beackerte, erreichte ihn eines Tages ein lukratives Angebot von Ajax Amsterdam.
Noch fremdelt die Republik gegenüber dem neuen Machtzentrum - die Zweifel an der Größe des Kanzleramts betreffen nur vordergründig das Gebäude selbst. In Wahrheit geht es um die Frage, wie das vereinte Deutschland von Berlin aus seine Macht ausüben wird.
Augsburg, 4. November 1999.
Der Orang Utan ist Konrad Adenauer ziemlich auf den Nerv gegangen. Die Giraffe auch, und die Elefanten.
Die Aussage von Sozialminister Walter Riester (SPD) war eindeutig: "In fast allen Lebenslagen hat bis 1998 die Ungleichheit in Deutschland zugenommen", sagte er, als er am Mittwoch in Berlin den ersten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vorstellte. Bis 1998.
Und noch eine Prognose. Es ist nicht überraschend, dass auch die Europäische Union nun ihre Wachstumsaussichten für Deutschland nach unten korrigiert hat.
Bei der Bahn hatte die Teilung Deutschlands die Hauptverkehrsströme total umgelenkt. Bis nach dem Krieg waren die Ost-West-Verbindungen von und nach Berlin die wichtigsten Strecken, danach wurden in der Bundesrepublik und in der DDR die Nord-Süd-Verbindungen zu den Hauptachsen.
Sie sollten die Einheit beschleunigen und vor allem die Verbindungen von und nach Berlin verbessern, die 17 Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, die das Bundeskabinett unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) vor zehn Jahren, im April 1991, beschlossen hatte. Das mit Kosten in Höhe von inzwischen 69 Milliarden Mark veranschlagte Programm war 1991 ein Schnellschuss.
In den Streit um die Stasi-Abhörprotokolle von Helmut Kohl kommt doch noch Bewegung. Der Altkanzler will seine Stasi-Akten noch einmal einsehen.
Kennen Sie den Berliner Cha-Cha-Cha, den Modetanz der hauptstädtischen Kulturpolitik? Der Grundschritt ist ganz einfach: Seit-Seit-Rück-Ran.
Das geflügelte Wort vor der Wiedervereinigung, die Bundesrepublik sei wirtschaftlich ein Riese, politisch jedoch ein Zwerg, hat schon damals kein Partner im Ausland den Deutschen abgenommen. Mancher interpretierte es nicht als lobenswerte Bescheidenheit, sondern als Ausflucht davor, größere Verantwortung zu übernehmen.
Auf die Hochschulen kommen einschneidende Veränderungen zu: Die Professoren sollen abhängig von ihrer Leistung bezahlt werden. Ein Viertel bis ein Drittel ihrer Bezüge würden sie dann im Schnitt nach dem Engagement in Forschung, Lehre und Hochschulleitung bekommen.
Hat Angela Merkel eine Chance? Die Frage ist heute mindestens so spannend wie vor einem Jahr in Essen, als die CDU das Experiment wagte, die Frau aus dem Osten zu ihrer Vorsitzenden zu wählen.
Im Gegensatz zur Bundesregierung sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung keine Chance mehr, das selbst gesteckte deutsche Klimaschutzziel bis 2005 zu erreichen. Eine Senkung des Kohlendioxidausstoßes um 25 Prozent unter das Niveau von 1990 sei selbst mit einschneidenden Gesetzen unmöglich, sagte DIW-Energieexperte Hans-Joachim Ziesing nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Für so manchen Arbeitslosen könnte es bald enger werden. Wurde Helmut Kohls Satz vom "kollektiven Freizeitpark Deutschland" Anfang der 90er Jahre von der SPD noch einhellig kritisiert, hat sich die Stimmung in der Partei unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Gerhard Schröder gedreht.
Das Politikerdasein stellt höchste Ansprüche an den Charakter. Ehrlich sollen die Volksvertreter sein, aufrichtig, verantwortungsbewusst und rechtschaffen.
Die Union frohlockte. Sie glaubte, im Untersuchungsausschuss zur CDU-Spendenaffäre am Donnerstag einen wichtigen Punkt gemacht zu haben.
Nicht alles, was typisch deutsch ist, ist auch gleich falsch. Beispielsweise das Deutscheste vom Deutschen: der Konsens.
Angela Merkel dürfte sich auf dem Perleberger CDU-Landesparteitag an eine herbe Niederlage aus den Anfängen ihrer politischen Kariere erinnert haben: Vor zehn Jahren hatte Merkel im nahen Kyritz selbst einmal für den märkischen CDU-Landesvorsitz kandidiert - und war glatt durchgefallen. Obwohl die damalige Bundesfrauenministerin von Bundeskanzler Helmut Kohl favorisiert wurde, machte damals der aus dem Westen stammende Sozialpolitiker Ulf Fink das Rennen.
Sehr geehrter Herr Chefredakteur, es ist mir bei der Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit etwas zu Ohren gekommen, welches in mir starke Zweifel weckt, ob ich meine berufliche Tätigkeit noch weiterhin in der bisherigen Weise werde ausüben können.Im Spenden-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages hat dieser Tage die Zeugin Ingrid Ehlerding erläutert, warum sie und ihr Mann der CDU des Helmut Kohl kurz vor der Bundestagswahl 1998 fünf Millionen Mark gespendet haben.
Einer, der auch außerhalb der Wahlkampfzeiten viel durch das Land reist, um seinem Anspruch gerecht zu werden, weiß, wie es um die Befindlichkeit seiner Bürger bestellt ist. Und so lag der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) vor dieser Landtagswahl denn auch ganz richtig mit seiner Prognose, dass die Grundstimmung in Rheinland-Pfalz nicht auf Wechsel ausgerichtet sei.
Es hätte ein Wunder geschehen müssen. Aber Wunder sind selten in der Politik, und so bleibt in Rheinland-Pfalz nach der Wahl alles wie gehabt: SPD und FDP regieren gemeinsam in Mainz, die Grünen dürfen froh sein, im Landtag zu sitzen, und die CDU leckt wieder einmal ihre Wunden.
Marianne Birthler kommt nicht aus den Schlagzeilen. Noch immer tobt der Streit der Akten-Hüterin mit Innenminister Otto Schily (SPD) und Alt-Kanzler Helmut Kohl um die Veröffentlichung von Stasi-Abhörprotokollen, da brechen neue Konflikte auf.
Es muss Rezzo Schlauch gefallen haben. Der Grünen-Parteitag in Stuttgart hatte die heikelsten Tagesordnungspunkte abgehakt, die mutmaßlich aufmüpfige Basis war in der Castor-Debatte besänftigt worden - und die alt gewordene grüne Prominenz konnte sich beim Parteiabend im Szeneclub "Zapata" ganz locker geben.
"Die Akte über geflossene Parteispenden und auch über die jeweiligen Empfänger schwillt an (..
Es war am 26. Oktober 1996 im Deutschen Bundestag, dem ich als Präsidentin vorsaß.
Ist es Wolfgang Gerhardt? Peter Struck?
Marianne Birthler geht im Streit um den Umgang mit Stasi-Abhörprotokollen auf Helmut Kohl zu. Die Akten-Hüterin schrieb einen Brief an den Altkanzler, in dem sie ihm die neuen Behörden-Richtlinien darlegt.
Das Auswärtige Amt wird 50, und schon geht die Suche los nach prägenden Figuren eines halben Jahrhunderts, entscheidenden Daten und Begriffen. Da ist es hilfreich, dass die gute alte deutsche Ostpolitik immerhin zu den Wörtern gehört, die Eingang gefunden haben in die englische Sprache - neben der Weltanschauung, dem Kindergarten und der Schadenfreude.
Helmut Kohl drohte mit dem Gericht, Otto Schily mit einem neuen Gesetz. Die frisch gekürte Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, stand unter Dauerbeschuss, weil sie Stasi-Akten über den Altkanzler an Journalisten weitergeben wollte.
Eigentlich ist Helmut Kohl an allem schuld. Seit Monaten rechtet Marianne Birthler, die Bundesbeauftragte für die Stasi-Akten, mit Bundesinnenminister Otto Schily, ob Unterlagen herausgegeben und veröffentlicht werden dürfen.