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Thema

Helmut Kohl

Es waren eigentlich alle da, die man zu diesem Anlass auch erwartet hätte - und noch viel mehr. Der Park der am Mittwoch offiziell eröffneten israelischen Botschaft in der Grunewalder Auguste-Viktoria-Straße an der Ecke Reinerzstraße quoll fast über vor Gästen und wird wahrscheinlich einige Wochen brauchen, bis er sich von den Besuchermassen - die nur wenig Respekt für das junge Grün zeigten - wieder erholt hat.

Für die meisten Eltern in Deutschland war es ein gutes Wochenende, doch aus der Union kam am Montag heftige Kritik: Über eine "Verlotterung der Sitten" klagte der sächsische Finanzminister Thomas de Maizière am Montag laut, weil sich der Bundeskanzler ohne die unionsgeführten Länder mit den SPD-Ministerpräsidenten über die Finanzierung der Kindergelderhöhung geinigt hatte. Die Länderchefs der Union hätten nur aus den Medien von den Zusagen des Bundesfinanzministers erfahren, beschwerte sich der Minister aus Dresden.

Von Hans Monath

Wir sehen ein Lehrstück über den Verfall der Macht. Überheblichkeit und auch Sturheit verbinden sich mit Realitätsverlust und Hilflosigkeit: Kurt Biedenkopf hat den Zeitpunkt verpasst, in allen Ehren sein Amt als Ministerpräsident in Sachsen aufzugeben.

Berti Vogts ist ein Mensch, der seine Wurzeln nicht vergisst. Als er noch für Borussia Mönchengladbach die Kapitänsbinde trug und den Rasen des Bökelbergstadions mit seinen Puma-Stollenschuhen beackerte, erreichte ihn eines Tages ein lukratives Angebot von Ajax Amsterdam.

Von Stefan Hermanns

Noch fremdelt die Republik gegenüber dem neuen Machtzentrum - die Zweifel an der Größe des Kanzleramts betreffen nur vordergründig das Gebäude selbst. In Wahrheit geht es um die Frage, wie das vereinte Deutschland von Berlin aus seine Macht ausüben wird.

Die Aussage von Sozialminister Walter Riester (SPD) war eindeutig: "In fast allen Lebenslagen hat bis 1998 die Ungleichheit in Deutschland zugenommen", sagte er, als er am Mittwoch in Berlin den ersten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vorstellte. Bis 1998.

Sie sollten die Einheit beschleunigen und vor allem die Verbindungen von und nach Berlin verbessern, die 17 Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, die das Bundeskabinett unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) vor zehn Jahren, im April 1991, beschlossen hatte. Das mit Kosten in Höhe von inzwischen 69 Milliarden Mark veranschlagte Programm war 1991 ein Schnellschuss.

Das geflügelte Wort vor der Wiedervereinigung, die Bundesrepublik sei wirtschaftlich ein Riese, politisch jedoch ein Zwerg, hat schon damals kein Partner im Ausland den Deutschen abgenommen. Mancher interpretierte es nicht als lobenswerte Bescheidenheit, sondern als Ausflucht davor, größere Verantwortung zu übernehmen.

Hat Angela Merkel eine Chance? Die Frage ist heute mindestens so spannend wie vor einem Jahr in Essen, als die CDU das Experiment wagte, die Frau aus dem Osten zu ihrer Vorsitzenden zu wählen.

Von Robert Birnbaum

Im Gegensatz zur Bundesregierung sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung keine Chance mehr, das selbst gesteckte deutsche Klimaschutzziel bis 2005 zu erreichen. Eine Senkung des Kohlendioxidausstoßes um 25 Prozent unter das Niveau von 1990 sei selbst mit einschneidenden Gesetzen unmöglich, sagte DIW-Energieexperte Hans-Joachim Ziesing nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Für so manchen Arbeitslosen könnte es bald enger werden. Wurde Helmut Kohls Satz vom "kollektiven Freizeitpark Deutschland" Anfang der 90er Jahre von der SPD noch einhellig kritisiert, hat sich die Stimmung in der Partei unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Gerhard Schröder gedreht.

Von Bernd Hops

Das Politikerdasein stellt höchste Ansprüche an den Charakter. Ehrlich sollen die Volksvertreter sein, aufrichtig, verantwortungsbewusst und rechtschaffen.

Angela Merkel dürfte sich auf dem Perleberger CDU-Landesparteitag an eine herbe Niederlage aus den Anfängen ihrer politischen Kariere erinnert haben: Vor zehn Jahren hatte Merkel im nahen Kyritz selbst einmal für den märkischen CDU-Landesvorsitz kandidiert - und war glatt durchgefallen. Obwohl die damalige Bundesfrauenministerin von Bundeskanzler Helmut Kohl favorisiert wurde, machte damals der aus dem Westen stammende Sozialpolitiker Ulf Fink das Rennen.

Von Thorsten Metzner

Sehr geehrter Herr Chefredakteur, es ist mir bei der Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit etwas zu Ohren gekommen, welches in mir starke Zweifel weckt, ob ich meine berufliche Tätigkeit noch weiterhin in der bisherigen Weise werde ausüben können.Im Spenden-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages hat dieser Tage die Zeugin Ingrid Ehlerding erläutert, warum sie und ihr Mann der CDU des Helmut Kohl kurz vor der Bundestagswahl 1998 fünf Millionen Mark gespendet haben.

Einer, der auch außerhalb der Wahlkampfzeiten viel durch das Land reist, um seinem Anspruch gerecht zu werden, weiß, wie es um die Befindlichkeit seiner Bürger bestellt ist. Und so lag der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) vor dieser Landtagswahl denn auch ganz richtig mit seiner Prognose, dass die Grundstimmung in Rheinland-Pfalz nicht auf Wechsel ausgerichtet sei.

Es hätte ein Wunder geschehen müssen. Aber Wunder sind selten in der Politik, und so bleibt in Rheinland-Pfalz nach der Wahl alles wie gehabt: SPD und FDP regieren gemeinsam in Mainz, die Grünen dürfen froh sein, im Landtag zu sitzen, und die CDU leckt wieder einmal ihre Wunden.

Von Robert Birnbaum

Es muss Rezzo Schlauch gefallen haben. Der Grünen-Parteitag in Stuttgart hatte die heikelsten Tagesordnungspunkte abgehakt, die mutmaßlich aufmüpfige Basis war in der Castor-Debatte besänftigt worden - und die alt gewordene grüne Prominenz konnte sich beim Parteiabend im Szeneclub "Zapata" ganz locker geben.

Von Matthias Meisner

Marianne Birthler geht im Streit um den Umgang mit Stasi-Abhörprotokollen auf Helmut Kohl zu. Die Akten-Hüterin schrieb einen Brief an den Altkanzler, in dem sie ihm die neuen Behörden-Richtlinien darlegt.

Das Auswärtige Amt wird 50, und schon geht die Suche los nach prägenden Figuren eines halben Jahrhunderts, entscheidenden Daten und Begriffen. Da ist es hilfreich, dass die gute alte deutsche Ostpolitik immerhin zu den Wörtern gehört, die Eingang gefunden haben in die englische Sprache - neben der Weltanschauung, dem Kindergarten und der Schadenfreude.

Von Albrecht Meier

Helmut Kohl drohte mit dem Gericht, Otto Schily mit einem neuen Gesetz. Die frisch gekürte Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, stand unter Dauerbeschuss, weil sie Stasi-Akten über den Altkanzler an Journalisten weitergeben wollte.

Von Robert Ide
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