Lutz Hachmeister leitet das Kölner Fernseh- und Filmfest und ist Geschäftsführer der Medienagentur HMR International.Wahrscheinlich ist "Spiegel-reporter" eine lesenswerte Zeitschrift.
RAF
Der endgültige Niedergang des Fernsehens - ach was: unserer Gesellschaft - galt schon als ausgemachte Sache: "Big Brother" hier, Zlatko da: "Real Life-TV" als apokalyptische Zukunftsperspektive wurde im vergangenen Jahr unermüdlich prognostiziert. Nun ist aber im Windschatten des Containerfernsehens etwas geschehen, was selbst den missmutigsten Pessimisten an seinem Weltbild zweifeln lassen müsste: Die nominierten Fernsehproduktionen für den Adolf Grimme Preis waren seit langem nicht mehr von so hoher Qualität wie im "Big Brother"-Jahr 2000.
Die Illustrierte "Max" hat in ihrer aktuellen Ausgabe gleich zwei Themen, die für ordentlich Gesprächsstoff, PR und damit Auflage sorgen. Da ist zum einen die Fotostrecke mit der nackten Sabrina Setlur, die laut "Bild" (Seite 1 von gestern) angeblich eine Million Mark Schadenersatz will, weil auf den Nacktfotos völlig unerwartet ihre Brustwarzen zu sehen sind.
Große Ratlosigkeit beherrschte gestern eine Berliner Debatte um das von Bundesinnenminister Otto Schily angekündigte Aussteigerprogramm für Rechtsextremisten. Berlin wolle "mehr als nur symbolische Aktionen starten", sagte die neue Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, im Verfassungsschutzaussschuss des Abgeordnetenhauses.
Joschka Fischer ist wegen seiner Aussage vom 16. Januar im Opec-Prozess in Bedrängnis geraten.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft kündigte eine Erklärung für den kommenden Montag an. Fischer ließ über seinen Sprecher Andreas Michaelis mitteilen, auch "wir wollen ein solches Ermittlungsverfahren".
Außenminister Joschka Fischer (Grüne) kommt in der Debatte über seine militante Vergangenheit nicht zur Ruhe. Nach außen gibt er sich gelassen, doch die, die ihn aus der Nähe erleben, berichten, wie sehr die ganze Sache den Minister belastet.
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hält ein Ermittlungsverfahren gegen Außenminister Joschka Fischer für "unvermeidlich". Dabei geht es um den Verdacht einer uneidlichen Falschaussage des Vizekanzlers im Prozess gegen den früheren Terroristen Hans-Joachim Klein.
Es gibt einen Satz von Mao Tse-tung, der unwiderlegbar ist: Rebellion ist gerechtfertigt - an jedem Ort und zu jeder Zeit. Der Nachsatz stammt nicht von Mao, sondern von Albert Camus, dessen Buch "Der Mensch in der Revolte" den Umschlag von Befreiung in Unterdrückung thematisiert: Die Revolution verrät den kreativen Impuls der Revolte und münzt ihn in Gewalt und staatlichen Terror um.
"Die innere Sicherheit" ist ein Film über die Tochter eines Terroristenpaars. Was denken Sie über Bettina Röhl, die Tochter von Ulrike Meinhof, und ihren versuchten Rachefeldzug gegen Joschka Fischer?
"Wäre es möglich, dass wir erfahren, wer Herr Trittin ist und woher er kommt?", lautete eine Frage.
Wohl kein Artikel in der Geschichte der Bundesrepublik hatte ein heftigeres Echo als der so genannte Mescalero-Text. 1977 löste er eine Welle von Empörung aus.
Wissen Sie noch, wer bei Ihnen vor 28 Jahren zu Besuch war? Nein?
Claudia Roth (45) kandidiert mit breiter Unterstützung von Grünen-Spitzenpolitikern auf dem Parteitag im März in Stuttgart für den Vorsitz. Als neue Parteichefin im Doppel mit dem Realpolitiker Fritz Kuhn will sie für die alten Ideale der Grünen streiten: "Da gehöre ich wirklich zum Inventar.
Die RAF-Terroristin Margrit Schiller hat nach eigenen Angaben im April 1973 für einige Tage in der Frankfurter Wohnung von Joschka Fischer gewohnt. Dies berichtet "Focus" unter Hinweis auf Schillers 1999 erschienene Autobiografie.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat seinem wegen seiner gewalttätigen Vergangenheit in massive Kritik geratenen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) demonstrativ den Rücken gestärkt. "Joschka Fischer hat durch seine Arbeit bewiesen, dass er für unsere Außenpolitik ein wirklich guter Vertreter ist", sagte Schröder am Montag in Hannover.
Der Deutsche Richterbund hat eindringlich vor neuen Gesetzen gegen rechte Terroristen gewarnt. "Die geltenden Gesetze reichen aus", sagte der Vorsitzende, Rainer Voss, der "Tribüne-Zeitschrift zum Verständnis des Judentums".
Es scheint, als wollte die Staatsmacht noch einmal ihr ganzes Sicherungspotenzial präsentieren in diesem späten RAF-Prozess. Personenschleusen, Leibesvisitationen: Die zwei Dutzend Besucher, die am Dienstag dem Verhandlungsauftakt gegen Andrea Klump folgten, mussten viel ertragen.
Ein Mensch ist in Guben 1999 nach einer Verfolgungsjagd verblutet. Die Verfolger erreichten ihn nicht, deshalb hieß die Anklage nur "fahrlässige Tötung".
Reich, Nation, Nationalstaat, Identität, Einheit. Bedeutungsschwere Begriffe, zumal wenn Deutsche über sie debattieren.
Nach einem klaren Votum der Innenminister drängt auch eine breite Mehrheit der Regierungschefs der Länder auf ein NPD-Verbot. Die ablehnende Haltung der Länder Hessen und Saarland wurde bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Schwerin mit Enttäuschung aufgenommen.
Das Potsdamer Innenministerium geht nicht davon aus, dass es im Land Brandenburg zur Bildung rechtsextremistischer Terrorgruppen kommt. "Brandenburg ist ein Flächenland, bietet dadurch denkbar schlechte Voraussetzungen für den terroristischen Untergrund", sagte Heiko Homburg, Sprecher des Innenministeriums, gestern dem Tagesspiegel.
Als 1989 in Deutschland die Mauern fielen, bedeutete das für ein knappes Dutzend Menschen den Anfang vom Ende ihrer - begrenzten - Freiheit. Diese Menschen, viele von ihnen Frauen, waren ehemalige Kämpfer der RAF, die sich aus der Aussichtslosigkeit ihrer Lage nach dem Deutschen Herbst 1977 abgesetzt hatten.
Die RAF rappt. Trommeln schlagen, die Sprecher formen ihren Text zu einer Kammermusik des Bürgerkriegs.
Die als mutmaßliche RAF-Terroristin angeklagte Andrea Klump bestreitet eine Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung. In einer am Montag veröffentlichten Mitteilung ihrer Frankfurter Anwälte heißt es, den deutschen Strafverfolgungsbehörden sei dies seit Jahren bekannt.
Die Strafen: für den Anführer lebenslänglich, für die beiden anderen lange Jahre Haft. Das Urteil zeigtDer Rechtsstaat ist handlungsfähig.
Wenn die Bundesregierung tatsächlich einen Verbotsantrag gegen die rechtsextremistische NPD stellen und ihn vor dem Bundesverfassungsgericht durchsetzen sollte, hätte dies kaum mehr als symbolische Bedeutung. Zerschlagen kann man eine Organisationsstruktur, nicht aber die Ideologie, die sie trägt.
Darf man das? Die "taz" hat auf der Titelseite 22 Rechtsextremisten abgebildet.
Otto Schily malt ein düsteres Bild an die Wand. Vor dem neuen Holocaust-Denkmal in Berlin, das bald in der Nähe des Brandenburger Tores stehen wird, marschiert die rechtsextreme NPD auf und verhöhnt den millionenfachen Tod von Menschen unter der Gewaltherrschaft der Nazis.
Die Jugendlichen ahnen sofort, dass sie keine Silversterartikel entdeckt haben: Gepresste, längliche Dynamitstangen mit Zündschnur lagern gewöhnlich nicht in einem normalen Keller. Die beiden Schüler geraten im Dunkeln in Panik.
Der Vertreter des Kapitalismus erscheint im dunkelblauen Anzug mit feinen Streifen und in makellos schwarzen Schuhen. Sein schärfster Kritiker im Saal trägt ein rosa Hemd und hellblaue Socken in Sandalen.
So hatte sich Conny Heidrich diesen Abend nicht vorgestellt. Die Sprecherin des Jugendbündnisses gegen Rechts wollte eigentlich mit Gleichgesinnten im Köpenicker Rathaus über Ausländerfeindlichkeit diskutieren.
Darf man es jemandem vorwerfen, wenn er sich und seine Meinung immer wieder ändert? Nein, sagt der Innenminister.
Die Leinwandhelden der 50. Berliner Filmfestspiele misstrauen ihrer IdentitätChristiane Peitz Tom Ripley nähert sich seinem schlafenden Freund und betrachtet die Szene im Zugfenster.
Der Verlag der ehemaligen RAF-Terroristin Inge Viett will den Filmregisseur Volker Schlöndorff wegen der Verletzung von Urheberrechten verklagen. Schlöndorffs Berlinale-Beitrag "Die Stille nach dem Schuss" über eine in der DDR untergetauchte Terroristin stütze sich zu großen Teilen auf Vietts Autobiografie "Nie war ich furchtloser", sagte der Verleger Lutz Schulenburg von der Hamburger Edition Nautilus am Dienstag in Berlin.
Der Mythos lebt - offenbar nicht nur in den Köpfen der ehemaligen Terroristen, die vor 25 Jahren den Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz entführten. Kaum haben Ralf Reinders und Ronald Fritzsch am Dienstagabend den Sitzungssaal im Rathaus Schöneberg betreten, werden die verurteilten Menschenräuber von Journalisten umzingelt - wie Popstars, die ihr heiß erwartetes Comeback-Album vorstellen wollen.
Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe will an diesem Freitag darüber entscheiden, ob die Verurteilung der früheren RAF-Sympathisantin Monika Haas (51) wegen Verfahrensfehlern aufgehoben werden muss oder die Angeklagte rechtskräftig fünf Jahre Freiheitsstrafe wegen Beteiligung an der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" im Jahr 1977 erhält. Einen Erfolg hat Monika Haas bereits errungen: Der BGH verhandelte den Fall am gestrigen Mittwoch.
Der Streit um den Tod des mutmaßlichen RAF-Terroristen Wolfgang Grams, der am 27. Juni 1993 bei einer Polizeiaktion in Bad Kleinen an Schussverletzungen starb, ist juristisch abgeschlossen.
Die Ermittler stehen nun mit leeren Händen da - Kronzeuge offenbar nicht glaubwürdigukn Rund zehn Jahre nach der Ermordung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, durch die Rote Armee Fraktion (RAF) gibt es keine konkrete Spur zu den Tätern. Die Aussage des umstrittenen Kronzeugen Siegfried Nonne, der 1992 Andrea Klump und Christoph Seidler schwer belastete, wird vom Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) offensichtlich nicht für glaubwürdig gehalten.
Die "Rote Zora" war früher bundesweit unterwegs. Die jüngste bekannte Aktion traf im Juli 1995 die Lürssen-Werft in Lemwerder an der Weser-Mündung, wo eine Bombe in einer Werkshalle detonierte: Weil hier Schiffe für die türkische Marine gebaut würden, "mit denen KurdInnen angegriffen werden".