Werbeaktion : Neun Kilo Zucker für einen WM-Ball

Bei der Weltmeisterschaft warb Süßigkeitenhersteller Ferrero mit einer Nutella-Sonderaktion. Dafür hagelt es heftige Kritik. Nun fordern die Grünen ein Werbeverbot.

Foto: Thilo Rückeis

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist vorüber und die deutschen Nationalkicker hatten mit deren Ausgang bekanntlich nichts zu tun. Man könnte daher annehmen, dass sich das Interesse an einem runden Leder mit deren Unterschriften in Grenzen hält. Für Renate Künast spielt das allerdings keine Rolle, ihr geht es ums Prinzip. Kinder zum übermäßigen Konsum von Zucker zu überreden, findet die Grünen-Bundestagsabgeordnete, das geht gar nicht. Und weil der Süßwarenhersteller Ferrero genau das tat, hat Künast jetzt Beschwerde beim Deutschen Werberat eingereicht.

Konkret geht es um „Nutella“ und die Weltmeisterschaftsaktion, bei der es Prämien fürs Nutella- Kaufen zu gewinnen gab. „Ein No-Go!“, begründet Künast ihre Beschwerde. Sportliche Großveranstaltungen wie die Fußball-WM dürften nicht für Kindermarketing genutzt werden. Um einen der von Ferrero avisierten Fußbälle zu ergattern, müssten 35 Gläser à 450 Gramm Nutella zum Preis von fast 100 Euro gekauft (und der süße Inhalt wohl auch gegessen werden), hat die Politikerin berechnet. Macht circa neun Kilogramm Zucker, fünf Kilogramm Fett und 85000 Kilokalorien für einen einzigen Ball. „Ein teurer und ungesunder Deal!“, findet Renate Künast und fordert den Werberat auf, derartige Werbung in Zukunft zu stoppen und Ferrero abzumahnen.

Ob es dazu kommt, ist jedoch alles andere als sicher. Denn solche Aktionen sind im Umfeld von sportlichen Großveranstaltungen keine Besonderheit und der Werberat ließ bisher keine Neigung erkennen, die Lebensmittelhersteller durch Rügen auf ihre Verantwortung hinzuweisen. Letztes Beispiel: Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft vor zwei Jahren hatte Coca-Cola die Bilder der Nationalspieler auf Cola-Dosen gedruckt und mit der Aktion „Hol Dir Deine Helden“ geworben.

Einer Beschwerde der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch und der Deutschen Diabetes Gesellschaft wegen des bekanntlich hohen Zuckergehaltes und der schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern wies der Werberat ab. Cola sei kein typisches Kindergetränk, lautete die Begründung der Werbe-Wächter.

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