Affäre um versäumte Tests : Nada-Geschäftsführer geht

Geschäftsführer Roland Augustin hat auf einer Sitzung des Nada-Kuratoriums seinen Rücktritt erklärt. Übergangsweise soll Armin Baumert sein Amt übernehmen.

Berlin - Der Geschäftsführer geht, doch der kriselnden Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) stehen nach dem Abschied von Roland Augustin möglicherweise noch einschneidende Strukturänderungen bevor. In der Affäre um 201 versäumte Tests muss Augustin allerdings wie erwartet die Konsequenzen tragen. Nach einer Sitzung des Nada-Kuratoriums teilte der Vorsitzende Michael Hölz mit, dass Augustin im gegenseitigen Einvernehmen zum 30. April beurlaubt wird und nach viereinhalb Jahren als Geschäftsführer offiziell am 30. Juni ausscheidet.

An Stelle des 44-Jährigen soll der erst seit Mitte Januar als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender amtierende Armin Baumert stärker eingebunden werden. Der langjährige Leistungssportdirektor des Deutschen Sportbundes will jedoch keine langfristige Doppelbelastung in der Nada. "Mit Sicherheit nicht. Meine Strategie ist von der Familie geprägt", sagte Baumert. Der 63-Jährige verwies auf die anstehende Einschulung seiner Tochter im August.

Hölz beklagt "unerträgliche" Spekulationen

Aus dem siebenköpfigen Vorstand ist bereits am 18. Februar der für Wirtschaft zuständige Hans-Hubertus Schröder ausgeschieden. Hölz nannte dafür persönliche Gründe. Über die Zukunft von drei weiteren Vorstandsmitgliedern soll auf einer Sondersitzung des Kuratoriums an diesem Samstag in Frankfurt/Main gesprochen werden. Hölz war jedoch wenig erfreut über jüngste öffentliche Äußerungen: "Diese Statements werden wir am Samstag noch einmal würdigen. Die Spekulationen schießen in einer Form ins Kraut, die unerträglich sind." Dagegen verkündete er, dass die Sportjournalistin Ulrike Spitz ab dem 1. Mai für die Öffentlichkeitsarbeit der Nada zuständig sein wird. Spitz leitete bisher die Sportredaktion der "Frankfurter Rundschau".

Nicht gesprochen wurde in Berlin über 40 der 201 versäumten Tests, die von den Fachverbänden weiter verfolgt werden sollen, nachdem die Nada sie über die so genannten "missed tests" nicht informiert hatte. Stattdessen standen Struktur und Finanzierung im Mittelpunkt. "Wir müssen uns mittelfristig unterhalten, ob die Nada das geeignete Instrumentarium zur Verfügung hat", sagte Peter Danckert, der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses. Der SPD-Politiker verwies auf Australien, wo die Ermittlungsbehörden eng mit den Doping-Kontrolleuren zusammen arbeiten.

Danckert: Sponsoren sollen Teil ihrer Budgets zur Verfügung stellen

Außerdem forderte Danckert mit Nachdruck mehr Geld für die Nada und brachte erneut eine entsprechende Abgabe ins Gespräch. Sportsponsoren könnten ein Prozent ihres Budgets an die Agentur abgeben statt zusätzliche Mittel bereitzustellen. Außerdem könnten die Bundesländer in die Pflicht genommen werden, weil der Bund die unabhängige Stiftung Nada bereits erheblich unterstütze.

Eine externe Evaluierung der Nada nach den Vorfällen des vergangenen Jahres werde es nicht geben, erklärte Hölz. Er betonte, Thomas Bach habe als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) keinen Einfluss auf die Agentur genommen. Hölz widersprach damit indirekt Mutmaßungen, Augustin gehe auch, weil er in der Frage der Strafbarkeit des Besitzes von Dopingmitteln eine härtere gesetzliche Linie verlangt habe als Bach. Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch einen Gesetzentwurf verabschiedet, der nur eine eingeschränkte Besitzstrafbarkeit vorsieht.

In den Hintergrund traten am Donnerstag die Zahlen. Die Nada führte im vorigen Jahr 4517 Trainingskontrollen durch und damit 35 mehr als 2005. Die Zahl der Dopingkontrollen bei Wettkämpfen ging von 3839 auf 3679 zurück. Auf das Blutdopingmittel Epo wurde 898 nach zuvor 800 Mal getestet. Im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur gab es 219 nach zuvor 197 Kontrollen. Die Zahl positiver Analysen und weiterer relevanter Vergehen sank von 67 auf 62. (Von Robert Semmler, dpa)

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