Auslaufen mit Lüdecke : Gelb und Rot bald auch für Zuschauer?!

Vorsicht, neue Regeln! Erstmals sieht ein Trainer in der Bundesliga die Gelbe Karte. Was folgt als nächstes? Eine Glosse.

Frank Lüdecke
Paderborns Trainer Steffen Baumgart sieht kurz mal Rot. Und kassiert von Schiedsrichter Tobias Welz daraufhin die Gelbe Karte.
Paderborns Trainer Steffen Baumgart sieht kurz mal Rot. Und kassiert von Schiedsrichter Tobias Welz daraufhin die Gelbe Karte.Foto: imago images / DeFodi

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke ist Chef der „Stachelschweine“ und schreibt jeden Montag in seiner Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“ über die Bundesliga. Am 31. August ist er mit seinem aktuellen Programm im Schlosspark-Theater zu sehen.
Wer sich im Fußball ein wenig auskennt, weiß, dass Diskussionen mit dem Schiedsrichter oft nicht mit den Vorstellungen Freiherr Adolph Knigges übereinstimmen. In seiner 1788 erschienenen Schrift „Über den Umgang mit Menschen“ suchen wir Sätze wie „Was pfeifst du denn da, du Blindschleiche?!“ vergeblich. Aber auch Geprächsangebote wie „Das war kein Foul, du schwule Schwuchtel!“ werden zunehmend kritisch eingeschätzt.

Das International Football Association Board (IFAB), das allein berechtigt ist, Regeländerungen vorzunehmen, ist zunehmend bestrebt, den Fußball fairer zu machen. Deswegen gibt es in dieser Saison unter anderem eine Regeländerung, die es ermöglicht, auch Trainer mit Gelben oder Roten Karten zu bedenken.

Paderborns Trainer Steffen Baumgart ist der erste, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. Während des Spiels gegen Freiburg war er über einen zurückgepfiffenen Vorteil derart erbost, dass er seine Mütze zu Boden warf. Für diesen rhetorisch komplett harmlosen, dafür aber emotionalen Ausbruch erhielt er Gelb. Als er in der Pause auf den Platz eilen wollte, um sich mit dem Referee zu unterhalten, wurde ihm das untersagt, denn auch das sei ein Vergehen und mit Gelb zu bestrafen.

„Langsam werden wir schwachsinnig“

Paderborns Trainer analysierte diese für alle Beteiligten neue Situation und kam zu folgender Analyse: „Langsam werden wir schwachsinnig.“ Nach dem Spiel legte er sogar noch einmal nach: „Sagen wir mal so – ich äußere mich selten zu Schiedsrichtern, aber heute war es scheiße“. Dieses Kommunikationsangebot des Trainers bemühte sich erfrischend um Unmissverständlichkeit. Die Wahl des Adjektivs allerdings erscheint Außenstehenden auch gelbwürdig. Aber es blieb letztlich bei der einen Karte.

Im selben Spiel trug Freiburgs Trainer Streich zwar keine Mütze, die er hätte zu Boden werfen können, beschwerte sich aber lautstark, dass ein Bierbecher auf ihn geworfen wurde. Der werfende Zuschauer blieb unbehelligt, weil das IFAB derzeit noch nicht vorsieht, dass auch Zuschauer verwarnt werden können.

Dennoch bleiben genug neue Regeln, an die wir uns gewöhnen müssen. Eine Änderung besagt etwa, dass Tore nicht mehr zählen dürfen, wenn der Ball zuvor – absichtlich oder nicht – mit der Hand oder dem Arm berührt wurde. Die Unparteiischen sind extrem gefordert. Im Spiel Schalke gegen Bayern übersah der Schiedsrichter gleich zwei klare Handspiele im Strafraum, diese Blindschleiche.

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