Biathlon in Oberhof : Schmerz lass nach

Ohne den verletzten Weltmeister Simon Schempp können die deutschen Biathleten in Oberhof nicht viel ausrichten. Ist nun sogar Olympia in Gefahr?

Simon Schempp musste nach dem Sprint vorzeitig aus Oberhof abreisen.
Simon Schempp musste nach dem Sprint vorzeitig aus Oberhof abreisen.Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Als in Oberhof der dichte Nebel einfloss, war Simon Schempp schon abgereist. Der Biathlet lag längst auf dem heimischen Sofa, als sich seine Kollegen auf Skiern im Thüringer Schnee an der Staffel versuchten. Anhaltende Rückenschmerzen hatten den Uhinger außer Gefecht gesetzt. „Das ist momentan nicht das, was sich Simon bei seinen Ansprüchen vorstellt“, sagte Bundestrainer Mark Kirchner. Der vorzeitige Abzug aus Oberhof erfolgte als Vorsichtsmaßnahme – Schempp soll sich schonen für die bevorstehenden Aufgaben. In kaum fünf Wochen beginnen im koreanischen Pyeongchang die Winterspiele. Schon am Mittwoch startet Schempps Heim- Weltcup in Ruhpolding. Ob er bis dahin fit wird, ist mehr als fraglich.

Im Sprint am Freitag war der gebürtige Schwabe, eigentlich die Nummer eins im Team, als schlechtester Deutscher nur 34. geworden – mit 1:50 Minute Rückstand auf den Sieger Martin Fourcade, dem er sonst in den letzten Wintern mitunter als Einziger ebenbürtig gewesen war. „Läuferisch fühle ich mich momentan überhaupt nicht gut“, sagte Schempp denn auch vor der Abreise frustriert. Wie ernst es ihm mit den Schmerzen war, hatte zuvor niemand ahnen können. Sie strahlten vom Rücken auf die Beine, und damit auch auf die Leistung in der Loipe.

Die Beschwerden beschäftigten Schempp trotz Behandlung wohl schon seit Mitte Dezember. Auch über den Jahreswechsel hatten sie sich hartnäckig gehalten. Schempps Verletzung kommt für die Männer von Deutschen Skiverband (DSV) zur Unzeit. Gerade jetzt könnte das Team einen wie ihn gebrauchen, an dem es sich aufrichtet. Als ehrgeiziger Arbeiter, zudem mit zwölf Weltcup-Siegen und zuletzt auch dem Massenstart-Weltmeistertitel 2017, ist er eigentlich der, der vorangeht im deutschen Team. Sonst in geschlossener Mannschaftsstärke immer für Medaillen gut, stach in diesem Winter nur Erik Lesser mit zwei dritten Plätzen hervor. Der Rest lief und schoss stets hinterher. Auch beim Heim-Weltcup in Oberhof belegten andere die vorderen Plätze. Benedikt Dolls neunter Platz in der Verfolgung am Samstag war noch das beste Einzelresulat. Schempp selbst verfehlte vorm Jahreswechsel in Hochfilzen und Annecy jeweils als Vierter die Podestränge.

Fourcade ärgern zurzeit nur die Norweger

Eigentlich findet sich Schempp seit 2014 konstant in der Weltspitze. Einstmals als ärgster Konkurrent, lieferte er sich mit Ausnahmekönner Martin Fourcade manches packende Duell bis zur Ziellinie. Auch vor diesem Winter war schon wieder der Zweikampf ausgerufen worden. Doch der Franzose ärgert sich aktuell nur mit den Norwegern, allen voran den Bö-Brüdern, herum.

Zwangspausen sind Schempp nicht neu. Er hat selten eine Saison ohne erlebt. Mal war es Erschöpfung, mal eine Erkältung, die ihn aufhielt. Auch nur deshalb gereichte es im Gesamt-Weltcup bislang nicht zu mehr als dem vierten Platz. Sonst ist Schempp nämlich in seinem eigenwilligen Rhythmus ein sicherer Schütze, auch auf der Strecke bewegt er sich mit seinen vergleichsweise kompakten 1,79 Metern leichtfüßig.

Dass der Körper nun so hartnäckig streikt, ist neu für ihn. Ist der Olympia-Start in Gefahr? Es wären womöglich die letzten Spiele. Schempp ist auch schon 29. Eine Einzelmedaille bei Olympischen Spielen fehlt ihm noch. Wenn's drauf ankommt, werden sie ihn beim DSV wohl schonen. Mit den Alpinen Felix Neureuther und Stefan Luitz sowie Skispringer Severin Freund fehlen dem Verband verletzt schon drei quasi einkalkulierte Medaillensammler. Auf einen wie Schempp kann das Team in Pyeongchang nicht verzichten. Eigentlich allgemein. Das sah man auch am Sonntag in der Staffel wieder, in der zu allem Überdruss auch noch Lokalmatador Lesser infektgeschwächt fehlte. Im Oberhofer Nebel mit teils irregulären Bedingungen gereichte es den deutschen Männern beim Sieg von Schweden nur zum sechsten Platz. Die Frauen um Schempps Freundin Franziska Preuß hatten zuvor bei besseren Bedingungen mit Rang zwei hinter Frankreich die einzige deutsche Podestplatzierung des Wochenendes geholt.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!