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Bob-WM in Whistler : Hochriskant zur perfekten Saison: Francesco Friedrich holt Gold

Die Bob-Bahn im kanadischen Whistler ist berühmt berüchtigt. 2010 starb ein georgischer Rodler auf ihr. Den Deutschen brachte sie nun zwei Medaillen.

Hochriskant. Francesco Friedrich trotzt dem Kurs in Whistler und liegt auf Goldkurs.
Hochriskant. Francesco Friedrich trotzt dem Kurs in Whistler und liegt auf Goldkurs.Foto: Darryl Dyck/dpa

Wenn 16 Bobpiloten im Training stürzen und zwei deswegen sogar ihren WM-Start absagen, muss etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein – oder die Bob-Schlitten sind eben die Bahn im kanadischen Whistler hinabgesaust. Achtung, Spoiler: Letzteres ist der Fall. Der Hochgeschwindigkeitskanal, den die deutschen Piloten in diesen Tagen zum Ende einer beeindruckenden Saison mit ein paar Titeln verlassen wollen, gilt als hochriskanter Kurs. 2010 schleuderte es den georgischen Rodler Nodar Kumaritaschwili aus der Eisrinne, der Horrorunfall endete an einem Betonpfeiler und tödlich. Der Respekt der Piloten vor der Bahn ist seither immens.

„Jede Bahn hat Besonderheiten“, sagte Bundestrainer René Spies dem Tagesspiegel kurz vor den Titelkämpfen, „aber das ist eine besonders anspruchsvolle und gefährliche Bahn, sie ist wegen einer Fehlberechnung eigentlich zu schnell. Man muss von oben bis unten sauber und exakt fahren“.

Weltmeister Friedrich stellt Uralt-Rekord ein

Es galt deshalb keineswegs als abgemacht, dass Francesco Friedrich nach einer perfekten Saison auch in Whistler die Goldmedaillen abräumt wie von vielen Experten erwartet. Zu viele Fallen bietet die Bahn, die schon kleine Fahrfehler gnadenlos bestraft. Und trotzdem holte der Sachse Gold. Überlegen gewann er schon den Gesamtweltcup im Zweierbob, indem er einfach alle Einzelweltcups als Schnellster beendete. Im Vierer grüßte er im Gesamtklassement ebenfalls von oben.

In der Nacht zu Sonntag hat Friedrich nun mit seinem fünften Zweierbob-WM-Titel in Serie den 58 Jahre alten Rekord des legendären Italieners Eugenio Monti egalisiert. Dieser hatte von 1957 bis 1961 fünfmal hintereinander gewonnen. Er raste ausgerechnet auf der Heimbahn des in Pyeongchang noch zeitgleichen Olympiasiegers Justin Kripps in Whistler zum erneuten WM-Coup. Der Doppel-Olympiasieger aus Pirna hatte nach vier Läufen - davon drei Lauf- und vier Start-Bestzeiten - mit Anschieber Thorsten Margis 0,59 Sekunden Vorsprung vor Kripps, der mit Cameron Stones fuhr. Der Olympia-Zweite im Viererbob, Nico Walther, schaffte als Dritter mit Anschieber Paul Krenz erstmals in seiner Karriere mit dem kleinen Schlitten einen WM-Podiumsplatz. Viererbob-Weltmeister Johannes Lochner landete mit Christopher Weber an der Bremse auf Rang acht. (mit dpa)

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