Borussia Dortmund dankt krankem Spieler : Marco Reus ist kein Held

Nach seinem Siegtor gegen Gladbach feiert Borussia Dortmund Marco Reus - obwohl er mit einer Erkältung gespielt hat. Das ist bedenklich. Ein Kommentar.

Der erkältete Siegtorschütze Marco Reus.
Der erkältete Siegtorschütze Marco Reus.Foto: REUTERS

Das hat wahrscheinlich jeder schon einmal gemacht: Sich kränkelnd zur Arbeit geschleppt und schniefend geschuftet. Aus Pflichtgefühl. Aus Verantwortungsbewusstsein. Weil es halt nicht anders ging. Aber hat sich ein jeder danach auch für seinen heldenhaften Einsatz im Dienste der Gemeinschaft gefeiert? Wohl kaum, oder?

Der Arbeitgeber Borussia Dortmund hat genau diese Gepflogenheit jetzt eingeführt. Nach dem Erfolg am Samstagabend im Spitzenspiel gegen Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach jubilierte der Klub auf Twitter: „DANKE, CAPTAIN. Trotz eines grippalen Infekts hat sich unser Kapitän in den Dienst der Mannschaft gestellt und das 1:0-Siegtor erzielt.“

Wahrscheinlich haben die Dortmunder freudetrunken vor lauter Glück nicht weiter darüber nachgedacht, was sie da in die Öffentlichkeit posaunt haben, dennoch muss auch ihnen klar sein, dass es nicht besonders gesund war.

Denn natürlich ist Marco Reus kein Held der Arbeit. Er hat nicht nur Fußball, sondern auch mit seiner Gesundheit gespielt. Leistungssport ist nicht vergleichbar mit einem Bürojob, eine Erkältung kann für jeden Sportler gefährlich werden. So weit, so bedenklich. Dabei hätte es die Borussia belassen und schweigen können. Doch sie hat den Einsatz zur vermeintliche Heldentat verklärt. Auf dass sie sich in den sozialen Medien wie ein Virus verbreitet, der nicht mehr einzufangen ist.

Statt Reus zu feiern, hätte Dortmund ihn schützen müssen. Klar möchte ein Spieler unbedingt kicken. Pflichtbewusstsein, Verantwortungsgefühl und so. Wer soll denn sonst die Arbeit machen? Mal ganz abgesehen davon, dass beim BVB wahrscheinlich auch gesunde Spieler zur Verfügung gestanden hätten, man mag sich gar nicht ausdenken, wenn es schiefgelaufen wäre mit Marco Reus. Es wäre ja nicht das erste Mal.

Was wurde nicht alles geätzt, als der der damalige Bayern-Profi Mats Hummels vor einem Jahr seine schlechte Leistung gegen eben jene Borussia aus Dortmund mit einer Erkältung erklärte. Alles sei verschwommen im Kopf gewesen, sagte Hummels nach der 2:3-Niederlage. Wie konnte er überhaupt nur auflaufen? Die gleiche Frage darf jetzt an Marco Reus gehen - nachdem er sich anständig von seiner Erkältung erholt hat.

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