Champions League : Die neue Stärke des BVB

Borussia Dortmund spielt bei Atletico Madrid schon einmal im Finalstadion der Champions League vor. Die Chancen im Wanda Metropolitano stehen gut.

Ein Mann will nach oben. Axel Witsel ist der Chef der bisher so starken Dortmunder Mannschaft.
Ein Mann will nach oben. Axel Witsel ist der Chef der bisher so starken Dortmunder Mannschaft.Foto: Marius Becker/dpa

Der letzte Ausflug nach Madrid? Lieber nicht dran zurückdenken! Vor knapp einem Jahr gastierte Borussia Dortmund zum Abschluss der Champions-League-Vorrunde in der spanischen Hauptstadt. Im Estadio Santiago Bernabeu ging es um nichts mehr, da der BVB schon ausgeschieden und Real Madrid sicher im Achtelfinale war. Die Dortmunder holten sich für das Aufholen eines 0:2-Rückstandes ein Fleißkärtchen ab und flogen doch mit einer 2:3-Niederlage nach Haus. Ein paar Tage später trennten sie sich von ihrem Trainer Peter Bosz, dem Sinnbild der Dortmunder Krise, so etwas gab es ja auch mal.

Ein Jahr später ist der BVB als einzige Mannschaft im deutschen Profifußball noch ohne Niederlage, er thront in der Bundesliga auf Platz eins und hat alle drei Vorrundenspiele der Champions League gewonnen, zuletzt 4:0 gegen den Club Atletico de Madrid, der am Dienstag zur Revanche bittet. Gespielt wird im Estadio Wanda Metropolitano, draußen am Flughafen Barajas, wo die vermeintlich grüne Wiese nicht nur im Herbst lehmig braun daherkommt. Das Wanda Metropolitano wird wohl nie über die Aura des alten Estadio Vicente Calderon verfügen, aber es war der Uefa schick genug, um dort am 1. Juni das Champions-League-Finale auszurichten. So weit mögen die Dortmunder in diesen Tagen noch nicht denken, trotz der vielen und schönen Komplimente, die es für das 4:0 über Atletico gab. „Alles zu seiner Zeit“, sagt der Trainer Lucien Favre. Der Juni ist noch weit und das Gastspiel in Madrid nur eine Zwischenstation vor dem Bundesligagipfel am Samstag gegen den FC Bayern. Solche Sorgen hatten sie in Dortmund lange nicht.

Sehr klug verstärkt

„Das wird eine schöne und wichtige Woche für uns“, sagt der Mittelfeldspieler Thomas Delaney. „Wenn wir es gegen Atletico gut machen, wird es auch gegen die Bayern einfacher.“ Der Däne Delaney ist einer von denen, die für den neuen BVB stehen. Für diese Mischung aus Leidenschaft und Kontrolle, der die Konkurrenz in diesen Tagen so wenig entgegenzusetzen hat. Ja, natürlich ist da Lucien Favre mit seinen Ideen, die er seiner Mannschaft so überraschend schnell vermittelt hat. Aber Favre verfügt eben auch über eine ganz andere Mannschaft als Peter Bosz vor einem Jahr.

Borussia Dortmund hat sich im Sommer sehr gut und sehr klug verstärkt. Zum Beispiel Achraf Hakimi, für zwei Jahre von Real Madrid ausgeliehen. Der Marokkaner ist zurzeit der beste Außenverteidiger der Bundesliga. Im zentralen Mittelfeld strahlt der neue Anführer Axel Witsel, für 20 Millionen Euro aus China gekommen, im Verbund mit dem von Werder Bremen verpflichteten Delaney eine ganz neue Autorität aus. Dazu ist Marco Reus wieder fit und spielt mit dem gerade 18-jährigen Jadon Sancho beinahe jede Abwehr schwindlig. Und dann ist da noch Paco Alcacer, der Spanier, der so zuverlässig trifft, dass es schon mal auffällt, wenn er mal kein Tor schießt, so wie am Samstag beim 1:0 in Wolfsburg. Alcacer hatte zuletzt in Barcelona kaum gespielt, sein Trainingsrückstand ist beträchtlich. In Wolfsburg durfte er zum ersten Mal von Anfang an spielen. Gut möglich, dass es am Dienstag ein Da capo gibt. Im Wanda Metropolitano, wo Europa im kommenden Juni seinen Champion kürt.

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