Sport : Das Gen ist zurück

Schweinsteiger und Podolski zeigen, dass der FC Bayern wieder an sich glaubt

Klaus Raab[München]

Im Januar hat der Trainer des FC Bayern München ein Versprechen abgegeben, und es lautete: „Wir werden in der Rückrunde an Bastian Schweinsteiger noch viel Spaß haben.“ Der Trainer hieß damals Felix Magath, und für eine Zeit lang danach wirkte die Vorhersage noch wie reine Spekulation. Seit Sonntag aber kann man sagen, dass Magath recht hatte: Die Bayern hatten beim 1:1 gegen Werder Bremen viel Spaß an Bastian Schweinsteiger. Erstmals wieder.

Allerdings wird eher Ottmar Hitzfelds als Magaths Arbeit dafür verantwortlich gemacht. Hitzfelds Name fällt in diesen Tagen beim FC Bayern nicht, ohne dass eine Lobhudelei folgt. Den „richtigen Mann am richtigen Ort“, nannte ihn Karl-Heinz Rummenigge und fügte hinzu: Wenn Hitzfeld sich entschlösse, doch Trainer bleiben zu wollen, „werden wir die Letzten sein, die das verhindern“. Denn nach dem Sieg gegen Real Madrid und dem stellenweise fulminanten Auftritt gegen Bremen ist klar: Die Bayern haben zu alter Stärke zurückgefunden, und Hasan Salihamidzic, ebenfalls wieder erstarkt, gab der Veränderung einen Namen: „Der Ottmar ist wieder da. Wir haben uns das Gen zurückgeholt.“

Die Rede vom Gen mag wissenschaftlich nicht ganz korrekt sein, doch was er meinte, ist der Glaube an eigene Fähigkeiten, der ihnen vor drei Wochen noch abgegangen war. Bastian Schweinsteiger ist das jüngste Beispiel für die Rückkehr dieser Qualität. In Berlin als Folge von Hitzfelds Rotationsprinzip noch auf der Bank, erklärte er gegen Bremen die Rotation zum eigenen Prinzip. Er spielte in der ersten Halbzeit wie ein Brummkreisel und wuselte sich zwar gelegentlich in stochernden Bremer Beinen fest, meist aber waren seine Aktionen von Sinn geprägt. „Mir hat gefallen, dass er wieder entschlossener in die Zweikämpfe geht, dass er wieder die Zuspiele in die Spitze sucht und dass er wieder mit mehr Risiko spielt“, sagte Ottmar Hitzfeld.

In der siebten Minute bereitete Schweinsteiger mit einem Steilpass auf Mark van Bommel das Tor vor, das dann Lukas Podolski erzielte; es war dessen drittes Tor im dritten Bundesligaspiel in Folge. Immer wieder versuchten Schweinsteiger und Podolski in der Folge das Zusammenspiel, und wenn auch nicht immer ausgegoren, so war es doch von einer Idee getragen: jener, die Deckung mit steilen schnellen Pässen zu durchlöchern. Als Schweinsteiger nach 20 Minuten mit einem Flugkopfball den Pfosten und keine zehn Minuten später mit einem Freistoß die Latte traf und Podolski in der zweiten Halbzeit zweimal frei vor dem Bremer Tor auftauchte, hätte das Duo das Spiel entscheiden können, Podolski sogar müssen.

Dabei waren gerade sie bis vor wenigen Wochen außer Form gewesen. Die Weltmeisterschaft war stets als Ursache benannt worden, doch Hitzfeld nannte nun eine andere: Die Leistung der beiden hänge, wie die aller, „mit dem Selbstbewusstsein der Mannschaft zusammen“. Dank neuer Trainingsmethoden, taktischer Schulungen und vieler Gespräche greifen die Räder wieder ineinander beim FC Bayern; Hitzfeld nennt das „Automatismen“. Die Folge ist besagtes kollektives Selbstbewusstsein. Dass Schweinsteiger statt auf einer Art Spielmacherposition wieder über links ins Getriebe eingreift, während die zentrale Achse van Bommel und Hargreaves heißt, ist zudem ein leistungsförderndes Element. „Wir haben entscheidende Fortschritte gemacht“, sagte Hitzfeld und meinte auch Schweinsteiger damit. Das Saisonziel – die Champions-League-Qualifikation – revidierte er nicht. Denn nach dem Unentschieden an einem Spieltag, an dem keine der acht die Tabelle anführenden Mannschaften gewonnen hat, bleibt Bayern Vierter. Während Bastian Schweinsteiger draußen die Gratulation eines jungen Fans entgegennahm, sagte Hasan Salihamidzic drinnen aber: „Ich würde lieber auf Platz eins stehen, klar. Aber das ist nicht weit weg.“ Selbstbewusst betrachtet scheint er sogar nah zu sein.

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