Dopingskandal : Staatsanwaltschaft: Johannes Dürr soll bis zuletzt gedopt haben

Die des Dopings überführten Langläufer Hauke und Baldauf haben Dürr in einem Interview schwer belastet. Den "Idioten" drohen nun sogar Haftstrafen.

Falschaussage? Johannes Dürr soll bis zuletzt gedopt haben.
Falschaussage? Johannes Dürr soll bis zuletzt gedopt haben.Foto: Imago

Der Ski-Langläufer Johannes Dürr hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Innsbruck zugegeben, bis zuletzt Eigenblutdoping betrieben zu haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Gegen den Österreicher bestehe der Verdacht des Sportbetruges. Der 31-Jährige soll andere Sportler an den Erfurter Sportmediziner S. vermittelt haben. Dürr bestreitet diesen Vorwurf laut Staatsanwaltschaft.

Der Sportler hat zur Finanzierung seines Comebacks laut Staatsanwaltschaft ein Crowdfunding betrieben. Dass er sich dabei durch das Eigenblutdoping unrechtmäßig bereichert hätte, bestritt er, weil er für finanzielle Unterstützungen auch jeweils entsprechende Leistungen erbracht hätte. Dürr war am Dienstag festgenommen worden, am späten Dienstagabend kam er wieder auf freien Fuß. Sein Anwalt Michael Lehner bestätigte dies und sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Über den Grund der Festnahme darf ich keine Auskunft geben.“

Hauke und Baldauf erklären sich ausführlich

Die Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf, die bei der Doping-Razzia im Umfeld der Nordischen Ski-WM in Seefeld festgenommen wurde und später Eigenblutdoping gestanden, belasten Dürr namentlich in einem Interview. Baldauf erklärte, er habe Dürr 2016 erstmals seit dem Skandal um ihn getroffen, beide arbeiteten demnach beim Zoll in Wien. „Dürr erklärte mir, dass es ohne Doping nicht möglich sei, an die Spitze zu kommen“, sagte Baldauf. Im Sommer 2018 hätten sie sich Blut abnehmen lassen, vor den Wettkämpfen im Winter wurde es wieder injiziert. „Unsere Trainer und Kollegen ahnten nichts. Wir haben es irgendwie geschafft, ein Doppelleben zu führen“, sagte Hauke.

Derweil sehen die beiden des Dopings überführten österreichischen Langläufer für sich keine Zukunft mehr im Leistungssport. „Das Kapitel Leistungssport ist für uns beide beendet“, sagte Hauke in einem gemeinsamen Interview mit Baldauf der österreichischen „Kronen-Zeitung“. „In unserem Leben hat ein Cut stattgefunden, wir müssen völlig neu beginnen.“ Hauke erklärte in dem Interview, dass er Medizin studieren wolle. Baldauf hofft darauf, dass er weiterhin die Polizeischule besuchen darf. „Mein Traum ist es nämlich, Kriminalbeamter zu werden, große Fälle aufzuklären, Rätsel zu lösen.“

Nach Einschätzung von Österreichs Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) drohen den mutmaßlichen österreichischen Dopingsündern Haftstrafen. Er gehe davon aus, dass die Richter das Delikt sehr konsequent ahnden würden, sagte Strache am Mittwoch in Wien. „Da geht es um sauberen Sport, da geht es wahrscheinlich um eine Präventivwirkung für die Zukunft.“ Die Alpenrepublik habe in Sachen Doping das schärfste Gesetz weltweit. Für Sportbetrug sehe es Haftstrafen von bis zu drei Jahren, in schweren Fällen sogar von bis zu zehn Jahren vor. Viele Sportler seien sich gar nicht bewusst über diesen möglichen Strafrahmen, meinte Strache weiter.

Arnd Peiffer ist erschüttert über Dopingskandal

Biathlon-Olympiasieger Arnd Peiffer hat die zuletzt aufgeflogenen Doper kurz vor dem Start der Biathlon-WM in Östersund als „Idioten“ bezeichnet. „Ich war erschüttert, dass so etwas wieder vorkommt. Vor allem bei den Österreichern. Da denke ich mir, die müssen auch langsam mal gelernt haben. Nach Turin 2006, Johannes Dürr 2014 und Harald Wurm 2016 nun das. Da frage ich mich, was da los ist“, sagte Peiffer dem Magazin „Sport Bild“ und ergänzte: „Das sind für mich Idioten, die unseren ganzen Sport in Verruf bringen.“

Mächtig sauer. Biathlet Arnd Peiffer ist scharfer Kritiker der gedopten Sportler.
Mächtig sauer. Biathlet Arnd Peiffer ist scharfer Kritiker der gedopten Sportler.Foto: Sven Hoppe/dpa

Selbst will sich Biathlet Arnd Peiffer kurz vor dem Start der Biathlon-WM nicht vom Dopingskandal rund um den nordischen Skisport ablenken lassen. „Für mich zählen jetzt nur die Wettkämpfe bei der WM. Alles andere kann ich ja nicht beeinflussen“, sagte Peiffer. Nach den Doping-Razzien bei der Nordischen Ski-WM in der Vorwoche in Seefeld gab es zuletzt auch Gerüchte, dass es ähnliche Maßnahmen bei den Skijägern in Schweden geben könnte. Konkrete Belege dafür gibt es bislang aber nicht. Der Saison-Höhepunkt der Biathleten beginnt am Donnerstag (16.15 Uhr/ARD und Eurosport) mit der Mixedstaffel. (Tsp/dpa)

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