"Ich konnte mit Nationalgedanken nie viel anfangen"

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Interview mit dem Davis-Cup-Teamchef : Carsten Arriens: "Am Ende entscheide ich"

Ein Streitpunkt war stets die späte Nominierung fürs Team. Wie werden Sie das handhaben?

Ich habe mich entschieden, einige Wochen früher zu nominieren. Vermutlich noch in diesem Jahr. Über das Wunschteam muss man ja nicht lange herumreden, es wären Kohlschreiber, Mayer, Haas und Petzschner. Normalerweise würde ich mich etwas bedeckt halten, aber in diesem Fall ist es so klar. Drei davon sind fest dabei, ich hoffe, dass Haas dazu kommt. Bei ihm liegt es mit seinen 35 Jahren einfach an seinem Körper.

Es spielt also keine Rolle, wer bei den Australian Open sonst gut abschneidet?

Wenn einer völlig überraschend das Turnier gewinnt, hätte sicher keiner etwas dagegen, ihn nachzunominieren. Aber ich glaube, so fahren wir am besten. Die Spieler haben etwas früher Klarheit, können besser planen. Das war ihr Wunsch, und das haben wir gemeinsam jetzt so festgelegt.

Sie wollen die Spieler also zu mündigen Partnern machen?

Mündig gefällt mir. Die sind alle Ende 20, Anfang 30, die sollen ihren Mund aufmachen. Dafür habe ich die Gespräche jetzt auch geführt. Ich will ihre Kommentare nicht in einem halben Jahr oder Jahr hören, sondern jetzt. Da durften sie deutlich sagen, was sie wollten. Und ich nehme sie in die Verantwortung. Sie fanden das klasse und hatten das Gefühl, ernst genommen zu werden. Bei so erfahrenen Spielern muss man auch ein bisschen gemeinsam gestalten. Sie wissen aber: Am Ende entscheide ich.

Sie haben bei Ihrer Vorstellung gesagt, dass Sie die deutsche Hymne nicht mitsingen wollen. Warum?

Ich habe nichts dagegen, wenn jemand inbrünstig die Hymne mitsingt. Ich konnte nur mit dem Nationalgedanken nie wirklich viel anfangen. Ich finde es einfach im Jahr 2012 nicht mehr so zeitgemäß – alles wächst zusammen, wir reden ständig über Europa. Ich muss nicht auf der Brust tragen, dass ich stolz bin, Deutscher zu sein. Es ist auch keine Leistung, in einem Land geboren worden zu sein. Es ist ein Glück, auch, dass es mir so gut geht. Ich habe mich in den letzten zehn Jahren eben viel mit Meditation und existenziellen Fragen beschäftigt, das war immer mein Thema. Ich würde aber niemandem den Nationalstolz wegnehmen. Nur habe ich dieses Gefühl nicht.

Sie würden sich aber trotzdem freuen, für Deutschland den Davis Cup zu gewinnen?

Es geht mir mehr um den Teamgedanken: Gemeinsam zu gewinnen und das noch mal auszuweiten auf alle anderen, die anwesend sind. Ohne Zuschauer geht es nicht, es ist ein Zusammenschluss. Eine Interaktion. Diese Energie zu spüren, in Verbindung mit allen zu sein, die Emotionen, die Stresssituation und dann die Glücksgefühle. Das ist das Besondere.

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