• Jürgen Klinsmann treibt Hertha BSC an: Nun kommen Spieler von „internationalem Kaliber“

Jürgen Klinsmann treibt Hertha BSC an : Nun kommen Spieler von „internationalem Kaliber“

Jürgen Klinsmann sortiert den Kader bei Hertha neu. Mit Granit Xhaka und Santiago Ascacibar könnten schon zwei Neue im Trainingslager dabei sein.

Think big! Herthas Trainer Klinsmann am Montag bei seinen Ausführungen.
Think big! Herthas Trainer Klinsmann am Montag bei seinen Ausführungen.Foto: Imago/Matthias Koch

Jürgen Klinsmann trotzte den knackigen Temperaturen am Montagmorgen. Den Weg über den betonierten Geschäftsstellenhof vom Kabinentrakt zum Medienraum bewältigte Herthas Trainer im dünnen Pulli und wippenden Schrittes. „Morgen allseits, schön dass ihr so früh konntet“, sagte der 55-Jährige in die Runde.

Als eine der ersten Maßnahmen schickte er Rune Jarstein gleich wieder nach Hause. Aber anders als tags zuvor, als er den 34 Jahre alten Stürmer Salomon Kalou vom Dienst für den Bundesligisten völlig freistellte, damit dieser sich einen neuen Verein suchen könne, war der norwegische Torwart nur leicht grippal erkrankt. Er solle sich schonen, um dann am 2. Januar die Reise nach Florida ins einwöchige Trainingslager antreten zu können.

Bereits vor dem Ende der Hinrunde hatte Klinsmann durchgegriffen und den Weihnachtsurlaub der Profis um vier Tage gekürzt und den Trainingsauftakt zur Rückrundenvorbereitung nach vorn verlegt. „Auf Grund unserer Situation sind wir schon gezwungen, ein bisschen mehr zu machen“, wiederholte Klinsmann. Zwar habe man in den letzten vier Spielen, in denen die Mannschaft zweimal siegte und zweimal unentschieden spielte, ein paar Punkte gesammelt, aber „wir sind noch im Strudel mit drin“, sagte er.

Klinsmann verortet seine Mannschaft bei aller Entspannung zum Ende der Hinrunde mittendrin im Abstiegskampf. Platz zwölf zu Weihnachten habe die Situation etwas entschärft, aber trotzdem sind es nur vier Punkte nach unten zum Relegationsplatz. Zumal es gleich das erste Teilstück des Rückrundenprogramm in sich hat. Am 19. Januar kommt der FC Bayern ins Olympiastadion, dann geht es nach Wolfsburg, ehe am letzten Januartag der FC Schalke kommt.

Doch bis es so weit ist, sortiert Klinsmann den Kader neu. Durch ihn wird es bei Hertha härter. Fakt ist, dass der Trainer nur maximal 25 Profis inklusive Torwarte mit nach Orlando nehmen wird. Derzeit umfasst der Herthakader 34 Profis. Mal unabhängig davon, dass in Granit Xhaka (Arsenal) und Santiago Ascacibar (Stuttgart) zwei Mittelfeldspieler auf dem Sprung nach Berlin stehen, kommt auf der Abgabeseite Bewegung rein. Neben Kalou wird vermutlich auch Ondrej Duda den Verein verlassen, auch für Mathew Leckie und Alexander Esswein sind so gut wie außen vor. Auch Eduard Löwen, erst im Sommer für sieben Millionen Euro aus Nürnberg gekommen, sieht seine Felle schwinden. Der FC Augsburg hat Interesse signalisiert.

Man tue aber nur etwas, „was uns qualitativ nach vorne bringt“

„Es ist doch klar, dass wir am Arbeiten und Diskutieren sind, dafür ist das Januarfenster ja da“, sagte Klinsmann. Man tue aber nur etwas, „was uns qualitativ nach vorne bringt“. Soll heißen: Es werden vorrangig nur Spieler von „internationalem Kaliber“ geholt. Vielleicht habe man sich bei Hertha in der Vergangenheit etwas schwergetan, klare Ziele vorzugeben, aber spätestens mit dem Einstieg des neuen Investors habe sich die Situation verändert. „Wir können auf dem Transfermarkt international mitreden und bei Spielern anklopfen“, die früher nicht der Kragenweite Hertha entsprochen haben.

„Dieses Jahr bleibt das Ziel Klassenerhalt, aber dann wollen wir oben angreifen“, sagte Klinsmann. „Und das sage ich jetzt, obwohl wir im Abstiegskampf stecken.“ Das wichtigste Ziel sei es nun, so schnell wie möglich rauszukommen aus der gefährlichen Zone. Doch parallel dazu wird wieder größer gedacht. „Michael Preetz hat einen ganz anderen Spielraum. Wir schauen jetzt, was bei den Champions-League-Klubs so abläuft. Welcher Spieler ist dort vielleicht nicht so gut aufgehoben?“, sagte Klinsmann.

Natürlich werde man sich dabei den Blick in den eigenen Nachwuchs nicht verstellen lassen. Wo ist da einer, für den man oben bei den Profis einen Platz frei machen könne? „Das ist wichtig für unseren Verein mit unserer Tradition“, sagte Klinsmann.

Anschließend bat der Trainer seine Spieler nach der Winterpause erstmals wieder auf den Trainingsplatz. Zum Vorbereitungsauftakt am Sonntag mussten alle Spieler im rückwärtigen Bereich einen Leistungstest über sich ergehen lassen. „Sie ziehen alle gut mit, weil sie verstanden haben, dass wir alle mehr geben müssen“, sagte Klinsmann und verschwand.   

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