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Selbstkritik liegt Mesut Özil nicht fern.

© dpa

Mesut Özil: Mit Magie gegen den Barrikadenfußball?

Schlecht war er nicht, aber die Magie hat gefehlt. Mesut Özil kann mehr, als er bei dieser EM bislang gezeigt hat. Bundestrainer Löw verspricht eine Explosion seines Spielmachers.

Mesut Özil schlenderte kürzlich über die berühmte Seebrücke von Sopot. In Zivil, mit Handy und Sonnenbrille. Joachim Löw hatte seinen Nationalspielern nach dem Erreichen der K.o.-Runde bei dieser EM einen freien Nachmittag gegönnt, „um den Kopf mal frei zu kriegen“. Er hätte auch sagen können, um mal über den einen oder anderen Pass- und Laufweg nachzudenken. Denn trotz dreier verdienter Siege fehlen dem Spiel der Deutschen Brillanz und Leichtigkeit, die magischen Momente also. Das sagen die Spieler sogar selbst, Sami Khedira etwa.

Der defensive zentrale Spieler von Real Madrid hat dabei vor allem an seinen Mitspieler und Kumpel Mesut Özil gedacht. Der hätte zwar noch nicht die Aktionen gehabt, die zu Toren führten, aber genau das werde noch kommen. Vielleicht schon heute im Viertelfinale gegen Griechenland.

Ein bisschen Magie gegen den antiken Barrikadenfußball der säulenhaften Hellenen kann nicht schaden. Deren physisch starke Defensive wird stets versuchen, das Tempo aus den Angriffen der Deutschen zu nehmen. Dabei sind die Griechen gar nicht so sehr auf Ballgewinne aus, sondern auf das Verhindern von Abschlüssen aus gefährlichen Positionen.

Genau solche Positionen durchschleicht Mesut Özil. Um das griechische Bollwerk zu knacken, muss die deutsche Elf ein gewisses Risiko gehen. Den Russen, im Hurra-Stil in die EM gestartet, war gegen die robusten Griechen nicht viel eingefallen. Hier wird es auf schlaue und lückenreißende Laufwege der offensiven Spieler genauso ankommen wie auf entwaffnende Pässe Özils. Und ja, diese Spielzüge müssen mit Raffinesse und in hohem Tempo vorgetragen werden, so dass die Griechen keinen Zugriff bekommen.

Video: Löw fordert "Killerinstinkt":

Joachim Löw hat sich prophetisch gegeben, als er davon sprach, dass die „große Explosion Özils“ nun anstehe. Der Bundestrainer hatte zur Unterstützung seiner Einlassung an die WM vor zwei Jahren erinnert, als die deutsche Elf nach einer gequälten Vorrunde dann mit einem „überragenden“ Özil über England und Argentinien hinweggefegt war. So soll es kommen, und so werde es werden. „Ich spüre es“, sagte Joachim Löw. Ob Mesut Özil es auch spürt?

Der 23 Jahre alte Kreativchef ist wenig magisch ins Turnier gekommen. Als er nach dem Auftaktsieg gegen Portugal zum „Spieler des Spiels“ ausgerufen wurde, war es ihm fast peinlich. „Ich fühle mich geehrt“, hatte Özil höflich gesagt, als er vom früheren Weltklassestürmer Allan Simonsen die zapfhahnähnliche Trophäe überreicht bekam. Als die kleine Zeremonie beendet war, sagte Özil leise: „Ganz ehrlich, ich habe schon bessere Spiele gemacht.“

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Die Offenheit und Selbstkritik sprechen für ihn. Er muss zulegen, will er den großen Erwartungen gerecht werden. Für die breite Öffentlichkeit hat er das Zeug, zum EM-Star aufzusteigen. Und auch im Konzept des Bundestrainers ist er der Schlüsselspieler der Offensive. „Mesut gehört zu den Besten der Welt“, hatte Löw kurz vor dem Turnier über seinen virtuosen Spielmacher gesagt. Daran aber auch die Erwartung geknüpft, dies gerade bei großen Turnieren unter Beweis zu stellen. „Es ist einfach so: Er ist ein genialer Spieler, der Dinge macht, die außergewöhnlich sind“, hatte Löw gesagt. Nur sehen möchte man es. Denn auch Löw ist aufgefallen, dass Özils Spiel noch nicht das Hohe C ist. Trotzdem bleibt er gelassen. Als Trainer habe man eine andere Sichtweise als die Öffentlichkeit. Ihm gehe es um das „Gesamtwerk Özil“, wie er sich ausdrückte. „Was ihm noch fehlt, sind gute Anspielmöglichkeiten.“ Für Löw bestimmt der Laufweg den Pass und nicht umgekehrt.

Ein mitspielender, kombinationssicherer Mittelstürmer wie Miroslav Klose würde Özils Spielweise eher entgegenkommen als der reine Abschlussspezialist Mario Gomez. Gegen die Griechen brauche die deutsche Elf „Geduld und Bewegung“, hat Sami Khedira gesagt. „Wenn man statisch steht, wird es sehr schwierig. Wir haben sehr gute Lösungen.“ Welche Lösungen das sein mögen, mochte Khedira allerdings nicht verraten, aber er war ja neulich auch auf der Brücke, schlendern mit Mesut Özil.

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