Nächste englische Woche : Bei Hertha BSC ist die gute Laune zurück

Die Berliner gehen nach dem Sieg gegen den Hamburger SV mit neuer Zuversicht in die Spiele gegen Luhansk und in Wolfsburg. Pal Dardai feiert ein Jubiläum.

Pal Dardai ist seit 1000 Tagen Cheftrainer bei Hertha BSC.
Pal Dardai ist seit 1000 Tagen Cheftrainer bei Hertha BSC.Foto: dpa

Ein bisschen war es, als habe am Montag die Spielzeit für Hertha BSC noch einmal neu angefangen. 29 Spieler fanden sich bei Sonnenschein und frischen acht Grad auf dem Trainingsgelände ein, so viele, wie sonst nur ganz selten. 25 Feldspieler und vier Torhüter hatten Pal Dardai und sein Trainerteam um sich versammelt. Lediglich die angeschlagenen Spieler Vladimir Darida, Julian Schieber und Mathew Leckie fehlten zum Start in die nächste englische Woche mit Spielen am Donnerstag gegen Sorja Luhansk und Sonntag beim VfL Wolfsburg.

„Vladi braucht sicherlich noch einige Zeit, bei Leckie hoffe ich, dass er uns nach der Länderspielpause zur Verfügung steht“, sagte Dardai. Nach dem Spiel in Wolfsburg schließt sich eine Länderspielpause an, für Mathew Leckie, mit vier Treffern immer noch Herthas erfolgreichster Torschütze, geht es mit Australien in den Play-offs gegen Honduras um die Teilnahme bei der WM 2018. „Bestimmt muss er hingehen. Ich hoffe, dass die Menschen dort vernünftige Entscheidungen treffen. Ich kann da nicht reinreden. Mein Wunsch ist, dass er gesund ist, wenn er zurückkehrt“, sagte Dardai nach der Einheit, die nach Lauf- und Passübungen mit einem Spiel auf verkleinertem Feld endete. „Wir waren schon lange nicht mehr mit so vielen Spielern zusammen, dass wollen wir nutzen“, sagte Herthas Trainer.

Das Erfolgserlebnis vom Wochenende, der erste Sieg nach sieben sieglosen Spielen, tat ein Übriges. Alle Spieler waren engagiert bei der Sache. Auch Dardai selbst, der Fans und Medien beschuldigt hatte, eine Krise in den Verein getragen zu haben, war gut gelaunt. „Ich war nicht sauer, sondern habe nur meine Meinung gesagt“, sagte der 41-Jährige. Das sei wie bei einem Kartenspiel, wo immer ein anderer den Schwarzen Peter zugeschoben bekomme. Ohnehin habe er gute Laune, da er gerade seinen ältesten Freund und deren Familie zu Besuch habe. Die sind allerdings nicht wegen seines kleinen Dienstjubiläums angereist. Am Dienstag ist Dardai 1000 Tage als Cheftrainer im Amt sein. „Oh, ich habe viel gelernt in dieser Zeit, davor war ich schon für Ungarn Trainer, aber am meisten gelernt habe ich als Jugendtrainer“, sagte Dardai.

Am Dienstag ist Pal Dardai 1000 Tage als Cheftrainer im Amt sein

Wie auch sonst, bezieht Herthas Trainerteam beide Spiele der Woche in die Trainingssteuerung mit ein. Vor allem gehe es darum, das Spiel im Ballbesitz zu verbessern. Die Berliner sind die Mannschaft, die sich in der Bundesliga die wenigsten Torchancen erspielt, ein echtes Manko. Unabhängig davon wird Dardai auch gegen Luhansk in der Europa League rotieren, „denn wir wollen auch in Wolfsburg etwas holen. Auswärts haben wir schon lange nicht mehr gewonnen.“
Für das Spiel gegen die Ukrainer wird Kapitän Vedad Ibisevic passen müssen. Herthas Mittelstürmer hatte sich beim 1:2 im Hinspiel seine dritte Gelbe Karte abgeholt und ist deshalb für das Rückspiel gesperrt. Ihn dürfte Davie Selke im Sturmzentrum ersetzen, der im Hinspiel das zwischenzeitliche 1:1 erzielt hatte. „Er braucht noch etwas Zeit, sich an unsere Spielart zu gewöhnen, aber er kämpft gut und hat einen guten Charakter“, sagte Dardai.

„Wenn wir gut arbeiten und eine gute Passschärfe haben, gewinnen wir das Spiel“, sagte Herthas Trainer. Die Generalprobe für das Spiel am Donnerstag im Olympiastadion (21.05 Uhr) hat Luhansk verpatzt. Gegen den FC Olexandrija verspielte Sorja eine 2:0-Pausenführung und mussten sich mit einem 2:2 zufrieden geben. Mit drei Siegen in den noch drei ausstehenden Spielen könnten die Berliner in der Europa League sogar noch das Weiterkommen schaffen. „Das wäre wunderbar, wird aber schwierig“, sagte Dardai, „erst mal wollen wir Donnerstag gewinnen und dann wird wichtig, was in Wolfsburg passiert. Gewinnen wir auch dort, haben wir ein großes Selbstvertrauen.“

Also etwas, was Herthas Mannschaft irgendwie in der Sommerpause abhandengekommen sein muss und sie bis jetzt nicht wiedergefunden hat. Vielleicht hat der Sieg über Hamburg den Anfang gemacht.

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