• Sieben Innenverteidiger für zwei Positionen: Der 1. FC Union baut auf seine defensive Stärke

Sieben Innenverteidiger für zwei Positionen : Der 1. FC Union baut auf seine defensive Stärke

In der Zweiten Liga überzeugten die Köpenicker mit einer starken Abwehr. Eine Klasse höher wird es wieder auf die Defensive ankommen.

Aus Erfahrung gut. Christian Gentner kam vom VfB Stuttgart zu Union.
Aus Erfahrung gut. Christian Gentner kam vom VfB Stuttgart zu Union.Foto: Matthias Koch/Imago

Die Zahl Sieben ist grundsätzlich eine schöne. Sie steht ein bisschen für das Zauberhafte im Fußball, als kleine Schwester der Zehn sozusagen, für Grazilität. Mehmet Scholl, der dribbelstarke Karlsruher, trug sie einst, Cristiano Ronaldo trägt sie immer noch. Beim 1. FC Union läuft aktuell kein Spieler mit dieser magischen Zahl auf, stattdessen verfügt der Klub über sieben Innenverteidiger. Es ist ein kleines Detail, aber doch eines, das zumindest ein bisschen darauf schließen lässt, worauf es Trainer Urs Fischer auch in der Bundesliga ankommt: auf eine stabile Defensive nämlich. Hätte jedenfalls der langjährige Schalke-Trainer Huub Stevens den Spruch von der Null, die hinten stehen müsse, nicht geprägt, wäre das Sätzchen wohl ein klassisches Fischer-Zitat. 14 Spiele überstand Union in der vergangenen Saison ohne Gegentor. Die 15. Partie, in der die Berliner konsequent dichtmachten, war das 0:0 im Rückspiel der Relegation gegen den VfB Stuttgart. Die eiserne Disziplin wurde mit dem Aufstieg belohnt.

Das Traumpärchen der vergangenen Saison, die Innenverteidiger Florian Hübner und Marvin Friedrich, erfolgreich erprobte Zweikämpfer, ist trotzdem nicht mehr gesetzt. Mit Neven Subotic, den die Berliner vom französischen Erstligisten AS St. Etienne zurück in die Bundesliga holten, und dem aus Freiburg ausgeliehenen Keven Schlotterbeck sind Hübner und Friedrich zwei starke Konkurrenten an die Seite gestellt worden. Die weiteren Kandidaten für die zentralen Abwehrpositionen heißen Michael Parensen, Nicolai Rapp und Lars Dietz. Letzterer könnte Union angesichts der großen Konkurrenz im üppig besetzten 34er-Kader erneut an einen anderen Verein ausleihen.

Während Subotic sich noch im Aufbautraining befindet (genauso wie Hübner übrigens), dürfte Schlotterbeck schon an diesem Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Viertligisten Germania Halberstadt (15.30 Uhr/live bei Sky) seine Pflichtspielpremiere für Union feiern. „Ich glaube, wir haben eine sehr ausgewogene Innenverteidigung. Da kann jeder sein Potenzial abrufen“, sagt Schlotterbeck. Als wahrscheinlich gilt, dass der 22-Jährige und Friedrich zu Saisonbeginn den zentralen Block stellen. Die Viererkette komplettieren wohl Linksverteidiger Christopher Lenz und Kapitän Christopher Trimmel auf rechts, die sich in erster Linie an das höhere Tempo in der Ersten Liga gewöhnen müssen.

Die Schaltstelle besetzen Gentner und Prömel

Dirigiert wird die Abwehrreihe von Torwart Rafal Gikiewicz, einem meinungs- und lautstarken Schlussmann, der die Mentalität des Klubs ganz gut widerspiegelt. Ein bisschen verrückt – im positiven Sinne –, sehr fleißig und erdverbunden wirkt Gikiewicz, der bei knappen Rückständen in der Schlussphase auch mal dazu neigt, den Ball selbst ins Tor zu befördern. So wie ihm das beim 1:1-Ausgleich gegen Heidenheim gelang. In jedem Training fordert der Torwart einen „100-prozentigen Fokus“. Mit weniger Einsatzbereitschaft werden die Köpenicker vermutlich Probleme bekommen, denn spielerisch sind die Mittel limitiert – trotz elf neuer Spieler, die das Niveau durchaus anheben.

Charakter- und Signalspieler sollen den einst von Schlossern geprägten Klub auch in der Bundesliga auszeichnen. Die Fans an der Alten Försterei erwarten keine Kunst, aber Kampf und (defensiven) Zusammenhalt. Dafür stehen unter anderem die neu hinzugeholten Kicker wie Subotic oder Christian Gentner. Beide gewannen je schon zwei Meistertitel. Der vom VfB Stuttgart verpflichtete Gentner dürfte mit Grischa Prömel die Doppel-Sechs bilden. Von dort, aus sicherer Kommandozentrale heraus, will Union den Ball möglichst schnell nach vorn tragen. In Fischers 4-2-3-1-System, mit einem echten Stürmer und einer möglicherweise hängenden Spitze, könnte entscheidend sein, wie gut Gentner und Prömel im Zentrum funktionieren.

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