Sport : Sieben Wochen älter

Herthas Talent Kevin-Prince Boateng steigt an seinem Geburtstag wieder ins Training ein

Stefan Tillmann

Berlin - Wer anders sollte sich etwas Besonderes einfallen lassen zum Geburtstag von Kevin-Prince Boateng als – er selbst? Mit zwei funkelnden Ohrringen mit seiner Rückennummer 17 betrat er gestern an seinem 20. Geburtstag den Trainingsplatz. Sein Klub, der Fußball-Bundesligist Hertha BSC, schien da schlechter vorbereitet: Nach sieben Wochen Verletzungspause war die Trainingsjacke des selbst erkannten Jungstars noch in der Wäsche. Boateng spielte mit der Jacke des verletzten Routiniers Andreas Schmidt, der von Spielweise und Typus so ziemlich das Gegenteil von Boateng darstellt.

Herthas wohl größtes Talent ist wieder da – selbstbewusst wie gehabt. Nur um ihn herum hat sich etwas verändert. Nach einem Punkt in vier Spielen und dem Ausscheiden im DFB-Pokal müssen sich die jungen Spieler an eine neue Ernsthaftigkeit gewöhnen. Auch Boateng. Die Berliner plagen Verletzungssorgen, zudem sind Marko Pantelic, Malik Fathi und Josip Simunic gesperrt. Fathi und Simunic mussten gestern mitspielen, damit ein Trainingsspiel sechs gegen sechs überhaupt zustande kommen konnte.

Boateng will sich auch deswegen schnell wieder ins Team spielen. „Wenn man vorsichtig ist, ist das Verletzungsrisiko doch nur größer“, sagt er. Bereits gegen Borussia Mönchengladbach will er wieder spielen. Trainer Falko Götz hat er gefragt, ob er auch am heutigen Mittwoch in der zweiten Mannschaft gegen Wilhemshaven spielen könnte. Götz erwägt auch eine Einwechslung. Für die Profis ist der Trainer dagegen vorsichtiger: „Wir müssen die Woche abwarten, ob wir ihn nach Mönchengladbach mitnehmen.“ Gerade in der Kreativzentrale habe das Team Probleme, da dürfe man nichts riskieren.

Boateng wurde bereits zwei Mal am Knie operiert und verpasste im Sommer wie im Winter einen großen Teil der Vorbereitung. In der Hinrunde spielte er sich prompt in die Mannschaft. Als Ersatz für den Dauerverletzten Yildiray Bastürk in seiner Lieblingsrolle hinter den Spitzen behauptete er sich allerdings nicht. Das schaffte dafür Ashkan Dejagah, der in Mönchengladbach nach seiner Sperre wieder spielen darf. Auch Neuzugang Mineiro könnte eine Konkurrenz für Boateng sein, der in der Hinrunde insbesondere ältere Mitspieler mit seiner Exzentrik ärgerte.

Zumindest der Tonfall des 20 Jahre alten Jugendnationalspielers ist bescheidener geworden. „Wo ich spiele ist mir egal – notfalls als linker Verteidiger“, sagt er. Das werden Trainer und ältere Kollegen gerne hören. Im Gegensatz zum Jüngsten im Team, Boatengs jüngerem Bruder Jerome, der zuletzt dort spielte.

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