• Spitzenspiel beim FC St. Pauli: Urs Fischer setzt auf Sieg – und Sebastian Andersson

Spitzenspiel beim FC St. Pauli : Urs Fischer setzt auf Sieg – und Sebastian Andersson

Der 1. FC Union will am Hamburger Millerntor seinen Status als drittstärkste Zweitliga-Mannschaft festigen - trotz diverser Ausfälle wie Stürmer Polter.

Wiederholung erwünscht. Im Hinspiel jubelte Sebastian Andersson über zwei Tore gegen den FC St. Pauli, die Berliner gewannen 4:1.
Wiederholung erwünscht. Im Hinspiel jubelte Sebastian Andersson über zwei Tore gegen den FC St. Pauli, die Berliner gewannen 4:1.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Der an Erfolgen reiche Fußballtrainer Louis van Gaal galt schon immer als meinungsstark, zum Beispiel, wenn er über die Bayern redete: „Solange Uli Hoeneß im Klub ist, würde ich dort nicht nochmal arbeiten.“ Oder wenn er über den BVB sprach: „Als Trainer bekommt man heute nicht mehr die Zeit, um aus einem kleinen Klub einen großen Klub zu machen. Borussia Dortmund ist nicht mit Bayern München zu vergleichen.“ Oder über andere Dinge: „Ich habe einen Körper wie ein Gott, aber nicht wie Mario Gomez.“

Wenn an diesem Montag der 1. FC Union zum Zweitliga-Spitzenspiel beim FC St. Pauli antritt (20.30 Uhr, live bei Sky), wird van Gaal seine Meinung dazu aber eher nicht kundtun. Er hat das schon vor viereinhalb Jahren getan: „Ich sage schon seit zehn Jahren: Man sollte dieses Spiel um Platz drei abschaffen.“ Zwei nicht ganz unbegabte Fußballer, die van Gaal einst trainierte, denken ähnlich. „Der dritte Platz kann mir gestohlen bleiben“, sagte der eine, ein gewisser Arjen Robben. Der andere meinte: „Auf das Spiel um Platz drei habe ich überhaupt keine Lust.“ Das war Philipp Lahm.

Urs Fischer, der Trainer des 1. FC Union, ist anderer Auffassung. Vor dem Duell am Hamburger Millerntor sagte er: „Das ist ein tolles Stadion mit einer tollen Atmosphäre. Es freut sich jeder Fußballer darauf, dort aufzulaufen, da wird Stimmung sein.“ Fairerweise muss man sagen, dass der dritte Platz in Liga zwei deutlich heller strahlt, als jene WM-Medaillen, die die Niederländer van Gaal und Robben sowie der Deutsche Philipp Lahm schon in Empfang nahmen. Wenn die Berliner in Hamburg antreten, geht es um weit mehr als die bronzene Ananas. Es geht um die Frage, welches Team die dritte Kraft im Unterhaus ist, nach den nominell stärker besetzten Kölnern und dem HSV.

Andersson ersetzt Polter im Sturm

Die Rheinländer hat Union zwar erst 2:0 geschlagen, trotzdem betont Fischer fortwährend deren Ausnahmestellung. St. Paulis Coach Markus Kauczinski indes fand: „Union ist aufgetreten wie eine Spitzenmannschaft.“ Kauczinskis Elf hat zwar wie Union bislang 34 Punkte gesammelt, allerdings starteten die Gastgeber mit wesentlich weniger Wucht ins neue Jahr als Union - sie verloren 1:2 in Darmstadt. Dessen ungeachtet fordert Urs Fischer: „Unsere Aufgabe ist es, den Auftritt vom Donnerstag zu bestätigen.“ Wie sich Fischer das vorstellt, unterlegte er mit ein paar kräftigen Schlagworten: „Einstellung, Teamgeist, Laufbereitschaft.“

Während die Berliner an den Grundtugenden nichts ändern wollen, dürfte die Taktik im Hamburger Stadtteil kaum dieselbe bleiben wie zuletzt im Heimspiel. „Wir hätten gegen Köln gern mehr den Ball gehabt“, sagt Fischer, dessen Team zuhause auf lediglich 35 Prozent Ballbesitz kam. St. Pauli ist nicht so ballsicher und spielstark wie der FC, weshalb Fischer schlussfolgert: „In Hamburg werden wir mehr Ballbesitz haben.“ Das könnte insofern von Vorteil sein, weil Sebastian Andersson anstelle des verletzten Sebastian Polter stürmen muss. Andersson bringt seinen Körper weniger intensiv ein wie Polter und konnte gegen Köln kaum für Entlastung sorgen. Wie er sich bewegen muss, um in geeignete Schusspositionen zu kommen, weiß er indes schon. Sechs Saisontore, zwei davon im Hinspiel gegen St. Pauli, zeugen davon.

So lange Polter ausfällt wird Fischer auf Andersson setzen. „Sebastian ist bereit. Er hat genügend Erfahrung und weiß, was es braucht“, urteilt der Trainer. Auch die beiden Außenverteidiger Ken Reichel und Kapitän Christopher Trimmel fallen jeweils wegen einer Sperre aus. Christopher Lenz und Julian Ryerson dürften sie vertreten. Sie wollen dabei helfen, Fischers Zielvorgabe zu erfüllen: „Wir fahren nach Pauli, um das Spiel zu gewinnen.“ Das dürfte auch van Gaal plausibel erscheinen, zumal Union mit einem Sieg sogar auf Platz zwei vorrücken könnte. Und eine silberne Ananas wäre wirklich sehr viel wert.

So könnte Union spielen: Gikiewicz – Ryerson, Friedrich, Hübner, Lenz – Prömel, Schmiedebach - Abdullahi, Kroos, Hartel – Andersson.

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