Sport in der Coronazeit : Boxnacht vor Geisterkulisse in den Havelstudios

Nach der Coronapause wird in Berlin am Freitag wieder geboxt - an einem historischen Datum und ohne Zuschauer. Die Boxteams halten sich an strenge Hygienemaßnahmen.

Wird am Freitag boxen: Der Berliner Jack Culcay.
Wird am Freitag boxen: Der Berliner Jack Culcay.Foto: Christoph Schmidt/dpa

Den Veranstaltern war es gar nicht klar, dass sie für ihre Boxveranstaltung ein historisches Datum belegten. Wenn an diesem Freitagabend die erste Boxnacht seit dem Coronavirus-Stillstand in den Berliner Havelstudios angegongt wird, wird es auf den Tag genau 90 Jahre her sein, dass Max Schmeling Weltmeister im Schwergewicht wurde. Der damals 24-jährige Deutsche boxte vor 80.000 Zuschauern im Yankee Stadium von New York gegen Jack Sharkey. 

Letzterer wurde wegen eines Tiefschlags in der vierten Runde disqualifiziert und Schmeling zum ersten europäischen Weltmeister in der wichtigsten Gewichtsklasse ernannt. Erst als Schmeling, der 2005 verstarb, seinen Titel ein Jahr später gegen Young Stribling erfolgreich verteidigte, galt er als wahrer Champion.
„Das ist purer Zufall, das Schmeling-Datum hatten wir nicht auf der Uhr“, sagt Hagen Doering, der Matchmaker des ausrichtenden Berliner Boxstalls Agon. 

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„Wir wollten so schnell wie möglich einen Wettkampf organisieren, wir haben die Genehmigung für diesen Freitag erhalten.“ Damit endet für die deutschen Profiboxer eine mehrmonatige Wettkampf-Auszeit. Es werden sieben Kämpfe stattfinden vor einer Geisterkulisse. Der Hauptkampf ist das Duell des ehemaligen Weltmeisters Jack Culcay aus Berlin gegen den Franzosen Howard Cospolite. Culcay verteidigt seinen internationalen WBO-Titel im Halbmittelgewicht.

Ein Kampf wurde wegen eines Trauerfalls abgesagt

Kurzfristig abgesagt werden musste der geplante Kampf von Fabian Thiemke wegen eines Trauerfalls in der Familie des Berliners. Auf Grund der strengen Hygieneregelungen konnte kein Ersatzmann nachgemeldet werden, sagte Doering. Zutritt zur Halle werden insgesamt nur 90 Personen haben; die Boxer, Trainer, Ärzte, Manager, Kampfrichter, Security und Kamerateams. Alle Teilnehmer sind in einem Hotel in Mitte und einigen Wohnungen in Charlottenburg in knapp einwöchiger Quarantäne untergebracht. Am vergangenen Montag erfolgte für alle ein erster Corona-Test, alle Tests waren negativ. Am Donnerstag, 24 Stunden vor den Kämpfen, wurde erneut getestet.

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„Personen, die mit den Boxern in Kontakt kommen, werden Einmal-Handschuhe und Nasen-Mund-Schutz tragen“, sagte Agons Teammanager Horst-Peter Strickrodt am Montag. Weil der Ringrichter Kommandos geben muss, ist ihm das Tragen einer Maske freigestellt. Neben einer Veranstaltung in Polen, die zeitgleich stattfinden wird, besteht großes internationales Interesse an der Berliner Veranstaltung. 

Der Ausrichter Agon hat TV-Lizenzen an die Ukraine, Slowenien und nach Lateinamerika verkauft. Per Livestream werden die Kämpfe im Internet übertragen (17.30 Uhr Agon-Kanal von Youtube). „Die Veranstaltung ist dennoch defizitär. Ticketeinnahmen fallen komplett weg“, sagte Strickrodt. „Da müssen wir sehen, wie wir das im Zuge der Lockerungsmaßnahmen aufholen können.“ Der nächste Kampfabend ist in Planung. „Anfang September wollen wir wieder veranstalten“, sagt Doering.

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