„Meine Landsleute wollen Weltrekorde erleben und eine Show sehen“

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Superstar Usain Bolt : „Ich will eine Legende werden“

Die 100 Meter von London – sie sollen einer der größten Momente in seiner Karriere werden. So hat er es schon vor zwei Jahren prophezeit, als er seine Autobiografie „My Story“ vorstellte. Er weiß, dass es im multikulturellen London, dem New York Europas, auch eine große Gemeinde an Jamaikanern gibt. „Meine Landsleute wollen Weltrekorde erleben und eine Show sehen“, sagte Bolt schon im Herbst 2010. Seitdem schon scheinen ihn die Spiele von London zu beschäftigen. Im Wege kann ihn allerdings sein Konkurrent Blake stehen, und vielleicht Tyson Gay aus den USA.

Als Idol seines Landes trug Usain Bolt selbstverständlich auch die Fahne Jamaikas bei der Eröffnungszeremonie.
Als Idol seines Landes trug Usain Bolt selbstverständlich auch die Fahne Jamaikas bei der Eröffnungszeremonie.Foto: dpa

Bolt laufen zu sehen mit seinen raumgreifenden Federschritten ist ein ästhetischer Genuss – und doch kann es einem Zuschauer passieren, dass das Hirn die Augen fragt, ob das nicht übermenschlich ist. In Peking noch hatte sich Bolt kurz vor dem Ziel nach seinen Gegnern umgeschaut, die ihm mit einem sichtbar großen Abstand hinterherliefen. Irgendwie lenkte er mit dieser Geste auch davon ab, wie phantastisch seine Zeit war, als die Uhr stoppte: 9,69 Sekunden. Inzwischen liegt sie noch einmal fabelhaft niedriger: 9,58.

Bildergalerie: Usain Bolt, der Star der Olympischen Spiele

Usain Bolt - eine unglaubliche Läuferkarriere
Weit voraus. Usain Bolt dominiert die Konkurrenz von London im olympischen Endlauf über 100 Meter fast nach Belieben. Diesmal rennt er bis zum Ende mit voller Kraft durch.Weitere Bilder anzeigen
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10.08.2012 21:29Weit voraus. Usain Bolt dominiert die Konkurrenz von London im olympischen Endlauf über 100 Meter fast nach Belieben. Diesmal...

Bolt sagte in diesen Tagen in London, dass es ihm nur um Titel gehe. Und der ganze Rummel um ihn und seine Fabelzeiten setzt ihm ein bisschen zu. In der Mensa des olympischen Dorfs von London wurde er so lange von anderen Sportlern belagert, die ein Foto mit ihm haben wollten, eine Unterschrift oder einfach etwas von seiner Aura, dass er sich zu einer Schutzmaßnahme in eigener Sache entschied. Er berief einfach drei seiner Teamkameraden zu Leibwächtern. Diskuswerfer Jason Morgan, Kugelstoßer Dorian Scott und Sprinter Kemar Bailey-Cole. So viele Muskeln auf einmal geben ihm etwas mehr Ruhe.

Bolt betont, er sei lediglich ein talentierter Mensch; geboren, um den Sport zu verändern. Er hat das schon getan. Der Sprintsport, lange von Dopingskandalen geprägt, ist auch in den Augen des Publikums wieder die Königsdisziplin der Leichtathletik, 100 Meter sind die Strecke der Könige. Das Besondere an Usain Bolt ist, dass er sich wie ein Herrscher (und Beherrscher seiner Gegner) inszeniert. So könnte es sein, dass er heute wieder mit Tanzschritten ins Olympiastadion spaziert. Und nach dem Kampf geht die Show weiter.
Und irgendwann, ganz gemächlich sicherlich, geht auch ein Usain Bolt ins Bett. Er sagt: „Wenn es eine Sache gibt, die ich nach einem Lauf besonders gut kann, dann ist es Schlafen.“

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