Trainer Lucien Favre ratlos : Bei Borussia Dortmund hakt es derzeit überall

Nicht abgezockt genug, zu anfällig in der Defensive, zu einfache Gegentore - Dortmund könnte erneut im Februar alles verspielen.

Einfach frustrierend: Raphael Guerreiro, Mats Hummels und Axel Witsel nach dem Schlusspfiff in Leverkusen.
Einfach frustrierend: Raphael Guerreiro, Mats Hummels und Axel Witsel nach dem Schlusspfiff in Leverkusen.Foto: imago images/RHR-Foto

Borussia Dortmunds Erling Haaland hatte gerade mit eisiger Miene einige sehr knappe Sätze zur 3:4-Niederlage in einem grandiosen Spiel bei Bayer Leverkusen formuliert, als einer seiner Offensivpartner um die Ecke humpelte. Im Schneckentempo bewegte sich Julian Brandt Richtung Ausgang und deutete mit einem gequälten Lächeln auf sein lädiertes Sprunggelenk.

„Der Knöchel ist ziemlich dick“, berichtete der 23-Jährige über seine Blessur, die er sich gleich zu Beginn der Partie in einem Zweikampf mit Lars Bender eingehandelt hatte.

Zur Pause blieb Brandt, in den letzten Wochen stets einer der auffälligsten Dortmunder, in der Kabine. Nach Kapitän Marco Reus, der wegen einer Muskelverletzung etwa vier Wochen pausieren muss, droht dem BVB also ein weiterer, besonders schmerzhafter Ausfall. Für die Partie in der Fußball-Bundesliga am Freitag gegen Eintracht Frankfurt, womöglich aber auch noch für das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League am 18. Februar gegen Paris Saint-Germain.

Schon im vergangenen Jahr kassierte das Team von Lucien Favre im Februar mit nur einem Sieg in sechs Spielen die entscheidenden Rückschläge in Pokal, Meisterschaft und Champions League. Nun droht eine Wiederholung der dunklen Story. Erst das Pokal-Aus in Bremen, jetzt die Pleite in Leverkusen, die sich für die Schwarz-Gelben nach mehr als nur einer Niederlage anfühlte.

„Das war ein Rückschlag“, sagte Emre Can. Der von Juventus Turin zunächst ausgeliehene Mittelfeldspieler fiel bei seinem ersten Bundesligaspiel seit fünfeinhalb Jahren gleich durch enorme Präsenz und mit einem Traumtor zum zwischenzeitlichen 2:1 für den BVB auf, allerdings auch durch ein unglückliches Anspiel auf Bayers Leon Bailey vor dem 3:3.

Emre Can benennt die Probleme

„Blöd gelaufen“, kommentierte Can, der auch gleich einen scharfen Abriss der Dortmunder Hauptprobleme präsentierte: fehlende Abgezocktheit in entscheidenden Spielphasen sowie immer wiederkehrende Nachlässigkeiten in der Defensive.

„Die Mannschaft hat extrem viel Potenzial, muss aber eines lernen: Wenn man in Führung geht, muss man dreckiger sein. Manchmal ein Foul spielen, besser verteidigen“, monierte Can angesichts von 32 Gegentoren in 21 Spielen und betonte: „Ich meine damit die gesamte Mannschaft, von vorne bis hinten.“

Besonders nachdenklich machte die Borussen ihr passives Verhalten in der Phase nach Raphael Guerreiros Treffer zum 3:2 nach gut einer Stunde. „Wir können eine internationale Top-Mannschaft sein. Aber das sind wir nicht, wenn wir dem Gegner während einer Partie jedes Mal wieder das Spiel überlassen“, kritisierte Abwehrchef Mats Hummels: „Irgendwann kam der Moment, in dem wir gehofft haben, dass das Spiel gleich vorbei ist. Wenn man das hofft, dann geht’s schief.“

Nach dem fabelhaften Start in die Rückrunde mit 15 Toren in den ersten drei Ligaspielen droht die Stimmung beim BVB nun zu kippen. „Wir waren als Team nicht gut genug. Wir müssen mehr und härter arbeiten“, kommentierte Mittelstürmer Haaland. Und Sportdirektor Michael Zorc zürnte: „Es ist eklatant, wie einfach wir es dem Gegner machen, Tore gegen uns zu erzielen. Wir machen keinen Druck auf den Flankengeber – oder auf den, der den Ball führt. Und rund um den Strafraum sind wir nicht konsequent bei den Leuten. Das Thema begleitet uns schon ein bisschen länger.“

Für Trainer Favre war die Niederlage in der BayArena daher auch „sehr schwer zu verdauen“. Dass der Schweizer dabei die Schwächen seines Teams bei der Balleroberung und fehlende Geduld bemängelte, deutete auf einen erkannten Rückschritt hin. Dieser kommt in einem besonders unpassenden Moment. Bei Sport1 sagte Favre sogar: „Ich probiere mein Bestes, um die richtigen Dinge zu korrigieren. Aber ich hatte, seitdem ich Trainer bin, selten eine Mannschaft, die solche Schwierigkeiten hat.“

Zorc ärgerte sich besonders über die vertane Chance: .„Man braucht nur einen Blick auf die Tabelle zu werfen, um zu wissen, dass wir heute ein wichtiges Spiel verloren haben. Im Kampf um die Champions-League-Plätze – aber auch, um ganz nach oben zu schauen.“

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