Trainingslager des Bundesligisten : Der Versuch einer Variante beim 1. FC Union

Der 1. FC Union bleibt in Österreich ungeschlagen. Die Umsetzung einer neuen Taktik schlägt jedoch fehl.

Müde Männer munter. Unions Trainer Urs Fischer versuchte seine Spieler Michael Parensen (links) und Christopher Trimmel im letzten Testspiel des Trainingslagers noch einmal zu motivieren.
Müde Männer munter. Unions Trainer Urs Fischer versuchte seine Spieler Michael Parensen (links) und Christopher Trimmel im letzten...Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa

Es ist natürlich etwas Besonderes, dass der 1. FC Union nun bald in der Bundesliga mitmischen wird. Aber wer vorher noch einmal eine Dosis ursprünglichen und traditionellen Fußballs haben wollte, war am Mittwochabend zum Testspiel bei First Vienna FC bestens aufgehoben. Der 4:1-Erfolg für die Berliner, den zwei Treffer von Marius Bülter sowie Tore von Sebastian Polter und Anthony Ujah sicherten, hatte sportlich wenig Wert. Viel mehr konnten sich Fußball-Romantiker in Wien an einer Atmosphäre erfreuen, die es im Profifußball so nicht mehr gibt.

4100 Zuschauer, darunter auch rund 300 Union-Fans, wohnten dem Jubiläumsspiel anlässlich des 125. Vereinsgeburtstages der Vienna bei. Der 1894 gegründete Klub ist der älteste Fußballverein in Österreich. Der sechsmalige Meister spielt heute in der Wiener Stadtliga, der vierthöchsten Spielklasse.

Die Anhänger halten ihrer Vienna dennoch die Treue. Die Haupttribüne mit ihren Sitzplätzen war voll. Der Stehplatzbereich ist stimmgewaltig und beflaggt. „Es ist etwas Traditionelles. Für einen Viertligisten steckte eine ganz schöne Fanbasis dahinter. Es ist eine runde Sache, dass wir als Bundesligist den Geburtstag mitfeiern durften“, sagte Unions Mittelfeldmann Christian Gentner. „Die Wiener haben ihr Tor gemacht. Das war nicht so geplant von uns, dass wir das zulassen.“

Es lag aber nicht daran, dass sich die Spieler vom Blick auf den Hang der Gegengerade der Naturarena Hohe Warte beeindrucken ließen, auf der hunderte Fans im Gras lümmelten. Union war am vorletzten Tag des Aufenthalts in Österreich einfach platt. Und eine dreistündige Anreise am Spieltag aus Windischgarsten, wo die 33 Spieler zuvor zehn Tage lang in einem Vier-Sterne-Hotel residierten, ist vielleicht auch nicht mehr jeder Profi gewöhnt. Zudem hatte sich Trainer Urs Fischer für dieses Folklorespiel noch einen überraschenden Taktik-Wechsel ausgedacht. Das in den bisherigen Vorbereitungsspielen in Berlin gegen Bröndby (2:1) sowie in Österreich gegen die Zweitligisten Ried (3:0) und Linz (3:0) praktizierte 4-2-3-1-System änderte Fischer am Mittwoch.

Fischer lässt seinen Spielern keine Atempause

In Wien schickte er seine beiden Mannschaften, die zur Pause komplett ausgetauscht wurden, in einer Formation mit einer Abwehr-Dreierkette, Doppelsechs und zwei Spitzen auf den Rasen. „Ich habe mich geäußert, dass wir ein bisschen variabler werden wollen. Das war jetzt mal ein Versuch, ohne es groß vorher zu trainieren“, sagte Fischer. „Das werde ich mit den Jungs besprechen. Sie müssen sich wohl fühlen. Es gilt das anzuschauen. Dann werden wir sehen.“

Fischer hatte sich extra den bislang unterklassigsten Kontrahenten der Sommervorbereitung für dieses Experiment ausgesucht. Dennoch funktionierte es nicht wirklich. Fischer machte aus, dass es an einer Mischung aus Müdigkeit und der Systemveränderung gelegen haben könne.

Die Aktiven zogen den letzten sportlichen Akt vor der Heimreise nach Berlin am Donnerstagvormittag so gut es ging durch. „Es war nicht so, dass wir das vorbereitet hätten. Der Trainer wollte bei 20 Feldspielern mal jeweils eine Halbzeit sehen, wem das liegt und das wir das als Variante im Kopf haben“, sagte der Ex-Stuttgarter Gentner. „Damit wir in der schwierigen Liga eventuell mal flexibel agieren können. Das muss natürlich trainiert werden, wenn es eine Option sein soll. Es kann nur positiv sein.“

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Eine Atempause lässt Fischer seinen Spielern nicht. Am heutigen Freitag wird schon wieder in Berlin trainiert. Am Sonnabend (16 Uhr) tritt Union beim Zweiligisten Erzgebirge Aue an, der am Mittwoch Hertha BSC mit 4:1 deutlich in die Schranken wies. Ob dann Neuzugang Neven Subotic, Offensivmann Suleiman Abdullahi (beide Trainingsrückstand) und Angreifer Sebastian Andersson (Knieprobleme) mitwirken können, ist noch offen.

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