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Vierschanzentournee : Ryoyu Kobayashi gewinnt auch in Innsbruck

Der Japaner ist auch beim dritten Springen eine Klasse für sich und baut seine Tournee-Führung aus. Markus Eisenbichler fällt deutlich zurück.

Lars Becker
Ryoyu Kobayashi ist bisher der überragende Springer des Winters - das zeigte er auch in Innsbruck.
Ryoyu Kobayashi ist bisher der überragende Springer des Winters - das zeigte er auch in Innsbruck.Foto: GEORG HOCHMUTH / APA / AFP

Wieder einmal sind die Träume der deutschen Skispringer vom Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee auf der Schicksalsschanze von Innsbruck geplatzt. Nachdem Severin Freund (2016) und Richard Freitag (2018) ihre Hoffnungen jeweils nach Stürzen begraben mussten, scheiterte ein schwächelnder Markus Eisenbichler am Freitagnachmittag an der Klasse von Überflieger Ryoyu Kobayashi. Der 22 Jahre junge Japaner feierte im dritten Springen bei der 67. Vierschanzentournee nicht nur seinen dritten Sieg, er deklassierte auch die komplette Weltelite.

„Kobayashi ist brutal. Bei mir war heute mehr drin, ich bin aber hier in Innsbruck einfach nicht so reingekommen“, sagte Eisenbichler und fügte hinzu: „Trotzdem bin ich nicht unglücklich, schließlich hatte ich davor zwei sensationelle Wettkämpfe und springe eine geile Tournee.“ Nach zwei zweiten Plätzen bei den deutschen Stationen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen landete der große deutsche Hoffnungsträger in Innsbruck nur auf Platz 13.

Damit bleibt der Mixed-Weltmeister zwar Zweiter in der Gesamtwertung, geht aber mit 45,5 Punkten Rückstand auf Kobayashi in das Tournee-Finalspringen am Sonntag in Bischofshofen. Das sind umgerechnet gut 25 Meter – ein Rückstand, der unter normalen Bedingungen bei der Ausnahmeform von Kobayashi nicht aufholbar ist. Schließlich hat der Japaner die Chance, als dritter Flieger nach dem letzten deutschen Gesamtsieger Sven Hannawald (2001/2002) und dem Polen Kamil Stoch (2017/2018) alle vier Springen bei einer Tournee zu gewinnen.

„Wir hatten uns bei Markus schon mehr Hoffnungen gemacht. Er hat zwar nicht so viel falsch gemacht, aber für Kobayashi war es definitiv zu wenig. Der Mann ist einfach in einer Überform“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Den Triumph in Innsbruck – bereits sein siebter Saisonsieg – verdiente sich Kobayashi mit einer Ausnahmeleistung. Eisenbichler hatte im ersten Durchgang bei besten Windbedingungen 129 Meter vorgelegt. Dann kam Kobayashi und segelte auf die unglaubliche Bestweite von 136,5 Metern. Damit hatte der Japaner seinem deutschen Erzrivalen in nur einem Sprung 22,8 Punkte abgenommen, nachdem er zuvor in zwei Springen nur 2,3 Zähler auf Eisenbichler gut gemacht hatte.

Schreckmoment für Kobayashi

Im zweiten Durchgang schwächelte Eisenbichler mit seinen 123,5 Meter erneut. Kobayashi sprang auf 131 Meter, obwohl sein Trainer Hideharu Miyahira sogar den Anlauf verkürzt hatte. Bei der Landung strauchelte Kobayashi im weichen Aufsprunghang kurz, doch überstand auch diesen Schreckmoment. Mit 12,8 Punkten Vorsprung gewann er in der Tageswertung vor Lokalmatador Stefan Kraft, der für Jubel bei den krisengeplagten Gastgebern sorgte. Zu den Gewinnern des Tages zählte auch der viertplatzierte Deutsche Stephan Leyhe, der in der Tournee-Gesamtwertung auf Rang fünf nach vorn sprang.

Richard Freitag freute sich ein Jahr nach seinem Sturz an gleicher Stelle über Platz acht – sein bislang bestes Saisonresultat. Olympiasieger Andreas Wellinger schaffte als 20. immerhin das erste Mal bei dieser Tournee den Sprung in den zweiten Durchgang, dagegen ging der Abwärtstrend des vor der Tournee als Mitfavorit gehandelten Karl Geiger mit einem 24. Platz weiter.

Wie schon in den Vorjahren gab es Kritik an der Organisation des traditionellen Bergiselspringens. Nach den Schneefällen war der Aufsprunghang vor allem im hohen Weitenbereich sehr weich und tief. Für ein weiteres ungewöhnliches Problem sorgte der Aufwind: Die Sprünge der Topflieger im Probedurchgang gingen zu weit, weil es keine Anlaufluken mehr auf dem Schanzenturm gab. Also wurde die Spurfräsmaschine in Position gebracht, um die Springer theoretisch von weiter unten mit weniger Anlaufgeschwindigkeit ablassen zu können.

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