Wasserball-Weltcup in Berlin : Fernziel Gwangju

Beim Wasserball-Weltcup in Berlin kann sich die deutsche Mannschaft für die WM qualifizieren.

Chef im Wasser. Julian Real, der Dirigent der deutschen Abwehr. Foto: Friso Gentsch/dpa
Chef im Wasser. Julian Real, der Dirigent der deutschen Abwehr. Foto: Friso Gentsch/dpaFoto: picture alliance / dpa

Vor ein paar Wochen gastierte die deutsche Wasserball-Nationalmannschaft bei einem Trainingslager in Ungarn. Das ist so ungewöhnlich nicht – wohl aber, dass die Deutschen gemeinsam mit ihrem Gastgeber trainierten und dabei Überzahl- und Unterzahlvarianten einstudierten. Der deutsche Angriff gegen die ungarische Verteidigung auf der einen Seite des Beckens und umgekehrt auf der anderen Seite. Schwer vorstellbar etwa im Fußball, wo sich die Mannschaften gern hinter hohen Zäunen verschanzen, auf dass nicht mal die Farbe der Trainingsleibchen nach draußen dringt.

Deutschland gegen Ungarn, das ist ein bisschen, wie es 1954 im Fußball war. Die Ungarn sind wolkenkratzerhoher Favorit, aber an guten Tagen kann auch was für den Außenseiter gehen. Wie im Juli bei der Europameisterschaft in Barcelona. Drittes Vorrundenspiel, die Deutschen lagen bis tief ins letzte Viertel hinein 4:3 vorn und hätten zweimal bei Überzahl ein fünftes Tor nachlegen können. „Dann hätten wir das Spiel nach Hause geschaukelt“, glaubt der Bundestrainer Hagen Stamm. Es gab schließlich ein 4:4 gegen den WM- und Weltliga-Zweiten, „die größte Sensation des Turniers“, sagt Stamm. Für seine Mannschaft reichte es am Ende zu Platz neun.

Es geht um einiges in diesen sechs Tagen von Berlin

Am Dienstagabend um 20.30 Uhr im Europasportpark an der Landsberger Allee treffen sich beide Mannschaften in Berlin. Am ersten Spieltag des Weltcups, einer Art Confed-Cup des Wasserballs mit den Champions von Welt- und Kontinentalmeisterschaften, dem Olympiasieger und diesmal auch mit Gastgeber Deutschland. Acht Mannschaften in zwei Gruppen, alle qualifizierten sich für die von Freitag an ausgespielten Play-offs. In der Vorrunde treffen die Deutschen nach den Ungarn noch auf Japan (Mittwoch) und Australien (Donnerstag). Auch mit den Australiern haben sie schon zusammen geübt, am Donnerstag in der Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg. „Sicherlich nicht optimal“, sagt Stamm, „aber das hatten wir schon vor der Auslosung vereinbart“, und die Deutschen konnten ihren Gästen schlecht zumuten, die langfristig gebuchten Flüge nach Berlin zu stornieren.

Es geht um einiges in diesen sechs Tagen von Berlin. Die vier Halbfinalisten qualifizieren sich für die WM im kommenden Jahr im südkoreanischen Gwangju. Da die Ungarn als Zweiter der Weltliga schon dabei sind, könnte den Deutschen schon ein fünfter Platz reichen – wenn denn die Ungarn ins Halbfinale kommen. Anders als bei der Europameisterschaft kann Hagen Stamm in Berlin den Spandauer Mateo Cuk aufbieten, dafür fehlt Reiko Zech, ein gebürtiger Berliner, der gerade vom OSC Potsdam zum Deutschen Meister Waspo Hannover gewechselt ist. Im deutschen Aufgebot stehen sechs Spandauer und vier Hannoveraner, unter ihnen Julian Real, der zurzeit beste deutsche Wasserballspieler. „Ein überragender Mann“, schwärmt Hagen Stamm. „Wenn Julian die Abwehr dirigiert, hat es jeder Gegner schwer“, auch wenn er über so viel Qualität verfügt wie die Ungarn.

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