Weltrekordler zu Besuch in Berlin : Eliud Kipchoge erholt sich in Mitte

Marathon-Weltrekordler Eliud Kipchoge besucht Berlin – über seine weiteren Pläne hält er sich bedeckt.

Leonard Brandbeck
Gutes Pflaster: In Berlin lief Eliud Kipchoge zum Marathon-Weltrekord.
Gutes Pflaster: In Berlin lief Eliud Kipchoge zum Marathon-Weltrekord.Foto: promo

Eliud Kipchoge ist in der Stadt. Am vergangenen Wochenende hat der 34-jährige Marathon-Weltrekordler noch in London gesiegt, jetzt hat ihn sein Ausrüster nach Berlin eingeflogen, damit er dort mit seinem Trainer und ein paar Experten auf einer Podiumsdiskussion über die „Zukunft des Performance Runnings“ sprechen kann. Also über die Zukunft des Laufsports für diejenigen, die sich dabei richtig was vorgenommen haben.

Und so drängen sich am Donnerstagvormittag schon vor der Veranstaltung viele dünne Beine in vielen engen Laufhosen und -schuhen vor einem Studiokomplex in Berlin-Mitte. Zu den Beinen und Hosen und Schuhen gehören vor allem viele junge Leute aus der Berliner Laufszene, die exklusiv zur Veranstaltung eingeladen worden sind. Die Stimmung ist entsprechend freudig aufgeregt, ein bisschen wie vor dem Abschlussball.

Patrick Sang, Kipchoges Trainer, sitzt schon vor Beginn der Veranstaltung auf einem der 70 transparenten Plastikstühle, am Eingang werden die neuen Schuhe des Ausrüsters wie Trophäen präsentiert. Das neue Modell ist wie Aufdrucke und Beleuchtung im Raum neongrün und in der Laufwelt derzeit in aller Munde: Unabhängige Laborversuche aus den USA haben gezeigt, dass sich mit dem Vorgängermodell eine Leistungssteigerung um bis zu vier Prozent erzielen lässt. Eine Untersuchung der „New York Times“ hat anhand der Daten von knapp 500 000 absolvierten Langstreckenläufen von Sportlern verschiedenster Leistungsniveaus erwiesen, dass das auch in der Praxis der Fall ist.

Eine Stimmung wie vor dem Abschlussball

Kein Wunder, dass da die Smartphones gezückt werden und die Kameras durch den Raum kreisen, um den neuen Wunderschuh in Szene zu setzen, mit dem Kipchoge in London sehr schnell gelaufen ist (2:02:37 Stunden), aber nicht ganz so schnell wie mit dem alten Modell in Berlin. In London seien die Bedingungen schwieriger gewesen als beim Weltrekord in Berlin im Vorjahr (2:01:39 Stunden), findet Kipchoges Trainer dann bei der Podiumsdiskussion. „Nach seinem Weltrekord war Eliud die große Zielscheibe“, sagt er. „Aber er hat es gut gemacht.“ Kipchoge schlug den britischen Superstar Mo Farah und lief die zweitschnellste jemals bei einem Marathon gemessene Zeit. Jetzt erzählt der Kenianer, dass es für ihn nun erst einmal um eine „vollständige Erholung“ gehe.

Neben Kipchoge und seinem Trainer kommt auch ein Experte für Leistungsdiagnostik von der Charité zu Wort. Ein Designer von Nike darf genauso wie ein Ernährungsspezialist aus Kipchoges Team seine Produkte anpreisen, der Moderator animiert immer wieder das Publikum. Kipchoge und sein Coach sitzen dabei ein bisschen schüchtern auf der mittleren der drei weißen Couches und nicken freundlich.

Nach der Podiumsdiskussion ist Selfie-Zeit angesagt, Kipchoge posiert mit den Fans, unterhält sich ein wenig mit ihnen und verteilt Armbändchen. Es wird ein kleiner Lunch gereicht, man schlürft ein wenig Limonade, gratuliert sich gegenseitig zur neuen Bestzeit beim letzten Lauf und inspiziert noch einmal die Schuhe – dann geht es für die Teilnehmer weiter zum nächsten Termin: Es steht noch eine Trainingssession mit dem neuen Schuhmodell an.

"Bald läuft ein Mensch unter zwei Stunden"

Der Trubel legt sich, Kipchoge hat noch Zeit für ein paar Interviews. Da erzählt er unter anderem, dass er noch gar nicht genau weiß, ob er auch im Herbst wieder zum Marathon in Berlin antreten wird. Erst in der kommenden Woche soll es dazu Neuigkeiten geben. „Ich reise jetzt zurück nach Kenia, aber konzentriere mich erst mal nur auf die Erholung, bevor ich zurück ins Training gehe“, sagt er. Viel mehr kann oder mag er nicht über seine weiteren Pläne verraten. Nur Olympia 2020 in Tokio habe er bereits im Kopf. Und die Jagd nach immer neuen Rekorden auf der Marathonstrecke? Kipchoge ist sich sicher: „Wir werden schon bald einen Menschen sehen, der unter zwei Stunden läuft.“ Gut möglich, dass dieser Mensch Eliud Kipchoge heißt.

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