Boxen : Mutter hilft bei Alibi

Ermyas-Prozess: Der Angeklagte Björn L. soll in der Tatnacht zu Hause geschlafen haben

Frank Jansen

Potsdam - Im so genannten Ermyas-Prozess hat die Mutter des Angeklagten Björn L. ihrem Sohn ein weitgehendes, aber kein komplettes Alibi für die Tatnacht verschafft. Nachdem sie mit ihrem Lebensgefährten am späten Abend des 15. April 2006 nach Hause gekommen sei, habe sie Björn in seinem Zimmer angesprochen, sagte die Mutter gestern im Potsdamer Landgericht. Sie sei dann schlafen gegangen und gegen sieben Uhr wieder aufgestanden. Kurz vor neun habe sie ihren Sohn geweckt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Björn L. vor, er und der zweite Angeklagte, Thomas M., hätten in der Nacht zum 16. April gegen vier Uhr in Potsdam den Deutschäthiopier Ermyas M. mit Worten wie „Nigger“ beleidigt. Kurz darauf soll Ermyas M. versucht haben, Björn L. zu treten. Der Angeklagte habe dann laut Staatsanwaltschaft dem Deutschafrikaner einen Faustschlag gegen den Kopf versetzt. Björn L. bestreitet, am Tatort gewesen zu sein. Ermyas M. erlitt in der Nacht eine lebensgefährliche Kopfverletzung.

Die Mutter von Björn L. hält es für unwahrscheinlich, dass ihr Sohn in der Nacht noch aufgestanden und von ihrem Haus in Wilhelmshorst nach Potsdam gefahren ist. Wenn doch, hätten die beiden Dobermänner im Keller mit ihren Schwänzen laut gegen die Tür geschlagen. Davon wäre sie wach geworden, da sie einen leichten Schlaf habe, sagte die Mutter. Sie korrigierte allerdings eine frühere Aussage bei der Polizei. Das Auto ihres Sohnes habe am Abend des 15. April doch nicht vor dem Haus gestanden, sagte die Mutter gestern. Da habe sie sich damals getäuscht. „Es gibt ja noch mehr silberne Autos, man guckt nicht so genau hin“, sagte die Frau. Sie bestätigte zudem Aussagen anderer Zeugen, wonach Björn L. um Ostern herum eine krächzende Stimme hatte. Als Ermyas M. in der Tatnacht vergeblich seine Frau angerufen hatte, nahm ihre Mobilbox einen Teil der verbalen Auseinandersetzung auf, darunter „Nigger“-Sprüche einer hohen Männerstimme.

Ein ehemaliger Mithäftling von Björn L. schwächte gestern eine frühere Aussage ab, die den Angeklagten belastet hatte. Der Mann wusste nicht mehr genau, ob ihm in der JVA Wulkow ein Kumpel erzählte, Björn L. habe dort in der U-Haft geäußert, „hätte ich den Neger mal richtig weggetreten, hätte ich die ganze Scheiße hier nicht“.

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