Über Grenzen hinweg : Austausch zwischen Oxford und Berlin

Digitales Auftakttreffen von Wissenschaftlern und Künstlern der University of Oxford und der UdK Berlin. Ein Grußwort.

Philip Bullock
Philip Bullock von der University of Oxford.
Philip Bullock von der University of Oxford.

Als Auftakt einer Kooperation zwischen der University of Oxford und der UdK Berlin haben sich im Mai Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen beider Hochschulen im digitalen Raum getroffen. Lesen Sie hier das Grußwort von Philip Bullock von der University of Oxford. Philip Bullock, D.Phil. ist Professor für russische Literatur und Musik an der University of Oxford und Direktor des TORCH | The Oxford Research Centre in the Humanities.

Zunächst möchte ich dem Präsidenten, Prof. Dr. Norbert Palz, und allen Mitarbeiter*innen der UdK Berlin dafür danken, dass sie die Idee zu dieser Zusammenarbeit hatten und unter schwierigen Umständen außerordentlich hart daran gearbeitet haben, sie auf diese neue Art und Weise zu verwirklichen.

TORCH (The Oxford Research Centre in the Humanities) besteht nicht als eigenständiges Forschungszentrum, sondern um Zusammenarbeit und Innovation zu ermöglichen – über akademische Disziplinen hinweg, zwischen Institutionen, mit externen Partnern und mit unseren internationalen Freunden und Kolleg*innen.

Ein Satz war in den letzten Wochen während der Corona-Krise häufig zu hören: „We are all in this together – wir sitzen alle im selben Boot“. Das trifft in vielerlei Hinsicht zu – wir können globale Probleme nicht lösen, indem wir Grenzen schließen und jeder für sich arbeitet.

Und das gilt auch in Bezug auf den akademischen Bereich: Die gegenwärtige Krise braucht in erster Linie eine wissenschaftliche Lösung, aber sie hat auch Auswirkungen auf die Sozialpolitik, die Stadtplanung, die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, die Kreativität, die Künste und so weiter.

„Die Krise trifft nicht alle gleich“

Aber auf einer anderen Ebene sitzen wir eben nicht alle im selben Boot. Verschiedene Menschen sind von der Krise auf sehr unterschiedliche Weise betroffen – je nach Gesellschaftsschicht, ethnischer Zugehörigkeit, Kultur, Alter, wirtschaftlicher Situation, Geschlecht, Sexualität und Gender – und wir müssen diese Unterschiede im Blick haben.

Interdisziplinarität, wie ich sie verstehe, bedeutet, verschiedene Ansätze zu kombinieren und das jeweils Beste aus ihnen zu machen, Brücken zu bauen sowie Begegnungen und Gespräche zu ermöglichen.

Bei dem Titel unseres gemeinsamen Projekts – „An Encounter Between Arts and Sciences“ – denken sicherlich viele an C. P. Snows Diagnose der „Zwei Kulturen“ aus dem Jahr 1959 – die Trennung in eine geisteswissenschaftlich-literarische und eine naturwissenschaftlich-technische Kultur, die nicht mehr miteinander ins Gespräch kommen können.

Ich denke, wir alle wollen diese Unterscheidung intellektuell oder konzeptionell infrage stellen, obwohl sie leider manchmal immer noch zutrifft, was die Realität, die Ausbildung und die Finanzierung betrifft.

„Seid umschlungen, Millionen!“

Es ist großartig, dies mit Kolleg*innen in Berlin zu tun, einer Stadt mit Erfahrung über Grenzen, Barrieren und die Auswirkungen der Teilung. Ein für mich eindrücklicher Besuch in Berlin war ein Rundgang durch die Charité, bei dem sich eine spannende Diskussion mit einem Charité-Mitarbeiter über die unterschiedliche Impfpolitik in der DDR und in West-Berlin ergab.

Dabei ging es nicht nur um unterschiedliche Wissenschaften, sondern auch um unterschiedliche kulturelle und politische Zugänge zur Wissenschaft. Berlin ist aber auch eine Stadt, in der die Künste eine starke Kraft für Zusammenarbeit und Kooperation sind, zuletzt bei der Integration von Flüchtlingen und Migrant*innen.

Wenn wir nun mit der Arbeit beginnen, möchte ich das letzte Wort Friedrich Schiller überlassen, in der Vertonung von Ludwig van Beethoven: „Seid umschlungen, Millionen!“ Lassen Sie uns einander umarmen, auch wenn wir noch voneinander getrennt sind.“

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