Einmal hingeschaut : "Game over" - per Telefon oder Mail

Kommunikation ist schwierig. Auch, weil man auf andere angewiesen ist. Ahmet Refii Dener weiß davon ein Lied zu singen. Eine Kolumne.

Ahmet Refii Dener
In der Telefonzentral wird mehr entschieden, als der Anrufer manchmal möchte.
In der Telefonzentral wird mehr entschieden, als der Anrufer manchmal möchte.Foto: stock.adobe.com

Unterschiedliche Verhaltensmuster, aber das gleiche Ergebnis. Wer in der Türkei ein Geschäft angeht ruft den potenziellen Kunden oder Anbieter an. Die Telefonistin reagiert blitzartig und zwar so schnell, dass es nicht mehr feierlich ist. Ich sage: „Ich hätte gerne E...“, schon bin ich mit der Exportabteilung verbunden. Dabei wollte ich sagen, dass ich „Herrn Erken“ sprechen möchte. Danach versucht man mich hin und her zu verbinden, bis dann die Leitung zusammenbricht: „Game over!“

Also wieder von vorn. Bin ich dann am Ende bei der richtigen Person angelangt ist das Spiel spätestens dort beendet. Die Person meldet sich nicht mehr zurück. Wenn ich mich auf versandte E-Mails beziehe, sagt sie mir, die seien nicht angekommen. Schon wieder muss der Briefträger versagt haben.

Rufen Sie aus dem Ausland an, dann haben Sie noch weniger Chancen. Wer soll sich trauen mit Ihnen zu reden, wo Sie doch irgendeine ausländische Sprache sprechen, sei es auch nur eine Weltsprache wie Englisch. Die türkischen Unternehmen – die meisten zumindest – machen Zufallsgeschäfte. Am ehesten klappt es, wenn der potenzielle Geschäftspartner bei ihnen persönlich erscheint.

Dieser Tage bin ich damit befasst, ein Startup-Unternehmen aus Deutschland in Deutschland erfolgreich an den Start zu bringen. Es ist nicht irgendein Startup-Projekt, es wird die Branche revolutionieren und einen Win-Win-Effekt auslösen. Natürlich fängt alles mit einem Anruf in der Zentrale des potenziellen Kunden an. Und siehe da, die deutschen Zentralen sind keinen Deut besser als die Türkischen. Nur anders.

„Guten Tag, ich möchte den Zuständigen für … sprechen!“ „Worum geht es?“, fragt mich die Dame. Ich nenne die Überschrift. „Können Sie uns bitte zuerst eine E-Mail schicken, an sekretariat@...“. Gesagt, getan. Und jetzt?

Ich hake nach, warum ich denn keine Antwort erhalten habe. Die Antwort ist so einleuchtend wie schwachsinnig: „Wenn wir uns nicht gemeldet haben, wird keine Interesse bestehen.“ Dabei gibt es einen Katalog von Möglichkeiten, was passiert sein könnte, zum Beispiel dass der Falsche meine E-Mail bekommen hat oder dass sie im Spam landete.

„Made in Germany“ zwingt Geschäftsleute zu Hartnäckigkeit, wenn es um Geschäfte mit deutschen Unternehmen geht. In der Türkei hingegen hängt der Erfolg unter anderem von den Telefonistinnen ab. Und da kein Grund besteht, hartnäckig dran zu bleiben, lässt man es besser sein.

Ahmet Refii Dener arbeitet seit 1987 als Türkei-Berater. Im Jahr 2017 ist ARDner, wie sich der Blogger nennt (go2tr.de), nach Berlin gezogen. Sonntags wirft er einen Blick auf die Türkei, Deutschland und die Türkei und Deutschland.

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