Besitz belastet

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Arbeiten wo und wann man will : Leben als digitale Nomaden

Mit dem neuen Lebensstil verabschieden sich digitale Nomaden oft nicht nur vom festen Job und Wohnsitz. Viele leben deutlich minimalistischer als früher – allein schon deshalb, weil sie viel weniger verdienen. „Statussymbole wie Auto oder Flachbild-Fernseher sind mir nicht mehr wichtig“, sagt Marcus Meurer. Nach jeder seiner bisherigen Reisen hat er sein Hab und Gut reduziert. Mittlerweile passt es in drei Ikea-Tüten. Wenn er unterwegs ist, lagert er einen Teil ein – nimmt nur mit, was in einen 30-Liter-Rucksack passt.

Nicht jeder hat Verständnis für Meurers neuen Lebensstil. Seinen Eltern zu erklären, dass er jetzt digitaler Nomade sei, habe gedauert, sagt er. Auch Freunde fragten, ob er zu viel Geld habe. Ihnen musste Meurer erst einmal vermitteln, dass er unterwegs arbeite – und zwar nicht wenig.

Berlin nennt Meurer heute seine „Homebase“. Hier sind er und seine Freundin gemeldet, hier zahlen sie Steuern und hierhin kehren sie immer wieder zurück – schon deshalb, weil in der Stadt digitale Nomaden aus der ganzen Welt zusammenkommen. Zum Beispiel im Creative Loft, einem Gemeinschaftsbüro am Moritzplatz.

Dort trifft man in diesen Tagen auch Conni Biesalski. Die 30-Jährige lebt seit zweieinhalb Jahren als digitale Nomadin. Aufgewachsen ist sie in einer Kleinstadt in Bayern. „20 000 Einwohner, krasser Dialekt, viele Felder und mir war schon immer bocklangweilig dort.“ Nach dem Studium zog sie nach Berlin und fing in einer PR-Agentur an. „Das habe ich aber nur acht Monate ausgehalten“, sagt sie. „Ich habe dort für den Traum von anderen gearbeitet, nicht für meinen eigenen.“

Conni Biesalski lebt seit zweieinhalb Jahren als digitale Nomadin.
Conni Biesalski lebt seit zweieinhalb Jahren als digitale Nomadin.Foto: privat

Heute führt sie einen Blog im Netz, den jeden Monat 60 000 Menschen lesen. Und sie bringt anderen in Workshops und Online-Tutorials das Bloggen bei. „Ich mach einfach mein Ding“, sagt Biesalski. Seitdem sie digitale Nomadin sei, arbeite sie viel produktiver und habe mehr vom Leben. „Eigentlich passt das Wort Arbeit nicht mehr zu dem, was ich mache“, sagt sie, „aber einen neuen Begriff habe ich noch nicht gefunden.“

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