Wirtschaft : Bahn tritt in Berlin auf die Bremse

Das Schienennetz soll durch Milliardeninvestitionen besser werden. Erstmal werden die Züge langsamer

Bernd Hops

Berlin - Die Bahnkunden in der Region Berlin und Brandenburg müssen in diesem Jahr auf wichtigen Strecken teilweise mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Der Konzern stellte am Freitag seine Pläne für das Schienennetz in der Region vor. „Um die Leistungsfähigkeit von Hauptstrecken und Knoten zu erhalten und weiter zu fördern, werden wir gezielt Baumaßnahmen auf zentralen Strecken und in wichtigen Bahnknoten durchführen“ sagte Ingulf Leuschel, der Konzernbevollmächtigte für Berlin. Sein Kollege für Brandenburg, Joachim Trettin, sagte, rund 500 Millionen Euro würden in diesem Jahr in Erhalt und Modernisierung der Schieneninfrastruktur in der Region investiert, bis 2011 sollen es insgesamt 3,5 Milliarden Euro sein. Die Kunden würden durch spezielle Baufahrpläne über die Veränderungen bei Fahrzeiten und Verbindungen informiert.

Vor einer Woche hatte die Bahn ihr deutschlandweites Programm für das Schienennetz vorgestellt und bereits auf Einschränkungen im Zugverkehr hingewiesen. Zuvor hatte es Spekulationen darüber gegeben, dass das Netz so marode ist, dass es mit einem zusätzlichen Milliardenaufwand erneuert werden müsste. Die Investitionsplanungen entsprechen aber in etwa denen der vergangenen Jahre. Der Schwerpunkt hat sich aber verschoben hin zur Erneuerung des Gleisbetts.

In der Hauptstadtregion geht es neben dem seit längerem geplanten Ausbau auf den Verbindungen von Berlin nach Rostock beziehungsweise Frankfurt (Oder) auch um die Fernverkehrsstrecke nach Hamburg. An mehreren Tagen im April, Mai, Juli, September und Oktober fahren die ICEs in Hamburg drei Minuten früher ab oder kommen dort drei Minuten später an. Der Regionalexpress RE 6 („Prignitz Express“) fällt dann zwischen Hennigsdorf und Berlin aus, der RE 4 wird sich voraussichtlich teilweise verspäten. Auch für die ECs und ICs von Berlin nach Dresden wird es Verzögerungen geben. Ebenfalls betroffen sind Nahverkehrsstrecken in und um Berlin. Zum Beispiel ist der Bahnhof Bernau aufgrund einer Gleis- und Weichenerneuerung Ende Mai und Anfang Juni teilweise nur durch Umsteigen zu erreichen.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) reagierte zurückhaltend auf die Ankündigungen der Deutschen Bahn. Der Verbund ist für die Organisation des Nah- und Regionalverkehrs zuständig, der auch auf bestimmten Strecken von Bahnkonkurrenten durchgeführt wird. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Deutsche Bahn AG die Instandhaltungsrückstände erkennt und Handlungsbedarf sieht“, sagte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz. „Die heute vorgestellte Maßnahmenliste ist jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie muss dringend erweitert werden.“ Franz kritisierte, dass schon das heutige Netz buchstäblich aus den Fugen gerate, weil die vorhandenen Kapazitäten für den stark angestiegenen Güterverkehr nicht ausreichten. Es sei zu befürchten, dass das Wachstum beim Güterverkehr nun zulasten des Regionalverkehrs gehe, sagte Franz. Zudem hätten Rationalisierungen der letzten Jahre dazu geführt, dass die Kapazitäten des Netzes an wichtigen Stellen gesunken seien, sagte der VBB-Geschäftsführer.

Ein Bahnsprecher wies allerdings die Vorwürfe zurück. „Natürlich haben wir auch Stellen, wo wir was machen müssen“, sagte er dem Tagesspiegel auf Anfrage. „Es geht aber auch um Arbeiten im laufenden Betrieb.“ Langsamfahrstellen – Abschnitte, auf denen es Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt – würden abgearbeitet. „Das geht aber nicht auf einmal. Wir müssen aufpassen, dass wir unseren Fahrplan nicht ausbremsen“, sagte der Sprecher. Man wolle auch komplette Streckensperrungen vermeiden. „Die sind zwar am besten für die Bauarbeiten, aber am schlechtesten für die Kunden,“ Im Übrigen stehe die Bahn bei der Qualität des Netzes und des Fahrzeugparks in der Region „an einer guten Stelle“. In den 90er Jahren sei viel an Modernisierung erreicht worden.

Mehr Informationen im Internet:

http://www.bahn.de/bauarbeiten

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