Black Friday 2018 : Die Woche der Schnäppchenjäger beginnt

Der "Black Friday" ist nur der Höhepunkt: Eine Woche lang locken Händler mit Schnäppchen. Dabei hat das Ganze auch eine Schattenseite.

Der Trend kommt aus den USA, wo am Freitag nach Thanksgiving die Amerikaner die Geschäfte stürmen.
Der Trend kommt aus den USA, wo am Freitag nach Thanksgiving die Amerikaner die Geschäfte stürmen.Foto: REUTERS

Schnäppchenjäger haben sich den Tag im Kalender angestrichen. Am Freitag veranstalten zahlreiche Händler wieder die größte Rabattschlacht des Jahres. Es ist „Black Friday“. Vor allem die großen Onlinehändler winken mit ordentlichen Preisnachlässen. Und viele dürften wieder zuschlagen.

Durchschnittlich rund 40 Prozent können Käufer in diesem Jahr sparen. Das will das Online-Portal Mydealz ausgerechnet haben. 2017 lag die Ersparnis im Mittel noch bei rund 32 Prozent. Die größten Rabatte dürfte es wohl wieder bei Computersoftware und Lebensmitteln geben. Im vergangenen Jahr boten Händler vor allem Kaffee, Süßigkeiten und vereinzelt auch Delikatessen mit einem Rabatt von bis zu 50 Prozent an. Und auch wer bei der Urlaubsplanung bis zum Black Friday wartet, kann überdurchschnittlich viel sparen. Reisen waren bislang teils über 40 Prozent günstiger.

Bei manchen Angeboten wird getrickst

Bei all den Angeboten kann so manch ein Schnäppchenjäger schnell den Überblick verlieren. Der „Black Friday“ ist bei einigen Händlern nämlich nur das Highlight einer ganzen Angebotswoche. Die beginnt an diesem Montag (19. November) und endet mit dem sogenannten „Cyber Monday“, dem Montag nach dem „Black Friday“. Bedenkenlos zuschlagen sollte man allerdings nicht. Das Preisportal Guenstiger.de hatte im vergangenen Jahr jeweils 20 Stichproben von zwölf verschiedenen Shops untersucht. Im Ergebnis war jedes zweite als Angebot deklarierte Produkt anderswo noch günstiger. Ein beliebter Trick der Händler: Sie bemessen den Rabatt an der unverbindlichen Preisempfehlung. Dabei sind die marktüblichen Preise teils schon deutlich niedriger. Am schlechtesten erwiesen sich die Black-Friday-Angebote von Karstadt. Dort zahlten Kunden im Vergleich zum niedrigsten Händlerpreis im Schnitt 35 Prozent mehr. Die günstigsten Deals bekamen Käufer bei Amazon.

Kritik kommt von Wettbewerbsexperten

Beim größten Onlinehändler sind nicht nur die Eigenmarken und Produkte der großen Firmen stark heruntergesetzt. Auch die kleinen und mittelgroßen Amazon-Partner, die sogenannten Marketplace-Händler, bieten Rabatte an. Im vergangenen Jahr verkauften diese hierzulande während der „Cyber-Monday-Woche“ mehrere zehn Millionen Artikel. Bei Wettbewerbsexperten ist das Amazon-Geschäftsmodell allerdings schon länger umstritten. Der Konzern ist nämlich Verkäufer und Plattformbetreiber für externe Händler zugleich – sozusagen ein Hybrid mit großer Marktmacht. „Bei solchen Plattformen besteht immer ein gewisses Potenzial der Wettbewerbsbehinderung der freien Händler“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. „Wir wollen uns diesen Teil des E-Commerce noch genauer ansehen.“

Vor einigen Jahren war Amazon schon einmal mit dem Bundeskartellamt aneinandergeraten, weil es seinen Händlern Preisvorgaben gemacht hatte. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt, da Amazon einen Passus in seinen Geschäftsbedingungen vorher gestrichen hatte. Auf die Frage, ob sich Marketplace-Händler in diesem Jahr während der Angebotstage an Vorgaben oder Richtlinien halten müssen, antwortet Amazon kryptisch: „Um sich als Angebot des Tages oder Blitzangebot zu qualifizieren, müssen Deals, wie sie während der Cyber-Monday-Woche angeboten werden, hohe Anforderungen erfüllen.“

Auch der stationäre Handel macht mit

Die Angebotswoche ist nicht nur für den Online-Handel zur umsatzstarken Extra-Saison geworden. Auch der stationäre Handel nutze den Werbewert zunehmend, heißt es vom Handelsverband Deutschland (HDE). Ohnehin würden beide Verkaufsebenen mehr und mehr verschmelzen. „Viele stationäre Händler sind auch online für ihre Kunden da“, erklärt HDE-Sprecher Stefan Hertel. Gleichzeitig würden auch bisher reine Online-Händler stationäre Läden aufbauen. Zuletzt hatte Amazon angekündigt, auf dem Berliner Kurfürstendamm einen Pop-up-Store zu eröffnen.

Nicht nur auf Online-Seiten, sondern auch in den Schaufenstern prangern also Rabattschilder zum Black Friday. Der Aktionstag hat sich mittlerweile als Marke etabliert. Ein findiges Unternehmen aus Hong Kong hatte sich vor zwei Jahren wohl auch deshalb den Ausdruck „Black Friday“ als Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) gesichert. Seither beklagen Händler, die mit dem Black Friday werben, regelmäßig Abmahnschreiben zu bekommen. Der Mittelstandsverbund rät sogar dazu, vor einer Marketingaktion besser mit einem Fachanwalt zu sprechen. Nach zahlreichen Beschwerden hatte die Behörde im März zwar beschlossen, den „Black Friday“ aus seinem Schutzregister zu streichen. Doch der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig. Wer mit „Black Friday“ wirbt, muss also gegebenenfalls zahlen.

Die Umwelt leidet

Neben abgemahnten Händlern gibt es noch einen weiteren Leidtragenden der Schnäppchenjagd: die Umwelt. Das Verpacken der Waren verschlingt Ressourcen, beim Transport wird Unmengen CO2 ausgestoßen. Im deutschen Handel wurden im gesamten Jahr 2017 rund 3,3 Milliarden Pakete verschickt. „Der Black Friday ist ein schwarzer Tag für die Umwelt“, sagt Greenpeace-Sprecherin Viola Wohlgemuth. „Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass jedes einzelne Paket Folgen hat.“ Das Problem: Wer viel bestellt, schickt auch viel zurück. Bei den unter 30-Jährigen gehen von zehn Bestellungen durchschnittlich 2,5 als Retour zum Händler. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage von Greenpeace. Und fast jeder Zweite denkt schon beim Bestellen hin und wieder daran, dass er das Paket doch eigentlich zurückschicken will.

Gleichzeitig wissen wohl die wenigsten, dass Retouren häufig gar nicht weiterverkauft werden. Gut die Hälfte der im Online-Handel bestellten und zurückgeschickten Artikel werden Greenpeace zufolge recycelt und entsorgt. Der Grund: Sichten und Neuverpacken der Schnäppchen ist den meisten Händlern schlicht zu arbeitsintensiv – und damit zu teuer.

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