Woran Techniker derzeit basteln

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Die Technik holt auf : Wie Roboter die Wirtschaft verändern
Ein Roboter als Paketbote? Noch ist so ein Service Zukunftsvision. Allerdings könnte daraus schon bald Realität werden.
Ein Roboter als Paketbote? Noch ist so ein Service Zukunftsvision. Allerdings könnte daraus schon bald Realität werden.Foto: julien tromeur Fotolia

Der Arzt kommt gerade zurück aus den USA, wo er zusammen mit dem Marketingchef des Berliner Medizintechnikunternehmens „World of Medicine“ (WOM) Stefan Kürbis in San Francisco den amerikanischen Chirurgen-Kongress (ACS) besucht hat. „In den vergangenen drei Jahren galt Robotik in unserem Bereich eher als experimentell“, sagt Krüger. „In diesem Jahr war das Thema bei Vorlesungen und Workshops fester Bestandteil.“ Obwohl auch in seiner Branche immer mehr künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, ist er sich sicher, dass sie den Menschen im Operationssaal niemals vollständig ersetzen, sondern nur ergänzen wird.

Für WOM-Marketing-Chef Kürbis ging es in San Francisco darum, wie sich die Operationsgeräte, die sein Unternehmen anbietet, künftig in Roboter wie „DaVinci®“ integrieren lassen. In Berlin unterhält das international tätige Unternehmen am Salzufer einen Forschungs- und Entwicklungsbereich mit derzeit 59 Mitarbeitern. Zwei Jahre, schätzt Kürbis, werde eine entsprechende Weiterentwicklung der Maschine dauern.

Die Japaner arbeiten an einem Roboter, der Zeichensprache beherrscht

In Japan optimieren Ingenieure des Technikkonzerns Toshiba derzeit den Prototyp eines Roboters, der wie ein Mensch aussieht, sprechen kann, Hände und Arme bewegt und eine japanische Zeichensprache beherrscht. Der Humanoide in Gestalt einer jungen Frau soll bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio unter anderem für die Betreuung von Besuchern eingesetzt werden. Später soll der Roboter auch in der Kranken- und Altenpflege seinen Dienst tun.

Ebenfalls in Japan will der Schweizer Lebensmittelkonzern „Nestlé“ ab Dezember 1000 Roboter Kaffeemaschinen verkaufen lassen. Die „Pepper“ sollen in großen Supermärkten zum Einsatz kommen, interaktiv mit Kunden kommunizieren und sich auch untereinander austauschen können.

Auch das Kinderzimmer könnte bald ein Roboter aufräumen

Ob es „Squirrel“ jemals in die Elektronikabteilungen der Einzelhändler schafft, steht dagegen noch in den Sternen. Die Entwicklung des Aufräum- und Sortierroboters ist eines von zahlreichen Forschungsprojekten am Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA). Der ebenfalls menschlich anmutende „Squirrel“ soll eines Tages in der Lage sein, unaufgeräumte Kinderzimmer und ähnlich chaotische Örtlichkeiten selbstständig in einen Hort der Ordnung zu verwandeln.

Was der erwachsene Mensch ohne großes Nachdenken bewerkstelligen könne, stelle Serviceroboter wie Squirrel mithin vor schwierige Aufgaben, sagt Ingenieur Jens Lambrecht von der Technischen Universität (TU) Berlin. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachbereich Industrielle Automatisierungstechnik erforscht unter anderem, wie menschliche Bewegungsabläufe und Gesten auf Roboter übertragen werden können. „In der Industrie erledigen Maschinen klar definierte Aufgaben immer nach demselben Muster in einer unveränderlichen Umgebung“, erläutert der Wissenschaftler. Ein Haushalt dagegen sei mit all seinen Hindernissen und möglichen Veränderungen ein sehr komplexes System, das enorm hohe Anforderungen an künstliche Intelligenz stelle. Wenngleich Roboter heutzutage schon einiges könnten, was noch vor Jahren unvorstellbar war, dämpft Lambrecht allzu hohe Erwartungen an die Roboter von morgen. „An die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, seine Fähigkeit zur Abstraktion und an die feine Sensorik seiner Nervenzellen wird eine Maschine niemals heranreichen“, ist sich der Wissenschaftler sicher.

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