Glyphosat-Verfahren : Klagewelle belastet Bayer

Inzwischen gibt es mehr als 11.000 Klagen gegen Glyphosat in den USA. Der Gewinn bricht ein, doch Konzernchef Baumann gibt sich gelassen.

Bayer strukturiert um. Das betrifft auch Jobs in Berlin.
Bayer strukturiert um. Das betrifft auch Jobs in Berlin.Foto: Oliver Berg/dpa

Der von Bayer übernommene US-Saatgutkonzern Monsanto entwickelt sich für den deutschen Konzern zum Wachstumstreiber, aber auch zum juristischen Sorgenfall. Die Zahl der Kläger, die in den USA Schadensersatz wegen der angeblichen Krebsgefahr durch Glyphosat einfordern, stieg binnen drei Monaten um knapp 2000 auf etwa 11.200, wie Bayer am Mittwoch in Leverkusen mitteilte. Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht einem ersten Kläger Schadensersatz zugesprochen, danach brach die Aktie ein. Am Montag startete ein zweites Verfahren, weitere sind absehbar. Bayer weist die Vorwürfe zurück. „Glyphosat ist ein sicheres Produkt“, sagte Konzernchef Werner Baumann am Mittwoch. Man werde sich „in allen weiteren Verfahren entschieden zur Wehr setzen“.

Trotz der Tausenden Kläger in den USA sieht Bayer keinen Grund, für mögliche Schadensersatzzahlungen Vorsorge zu leisten. Der Streit um Glyphosat kostet aber bereits viel Geld: Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen 2018 um rund 660 Millionen Euro. „Wir stellen hier im Wesentlichen für drei Jahre Verteidigungskosten zurück“, erklärte Finanzvorstand Wolfgang Nickl.

Ungetrübter Grund zur Freude war die Bilanz 2018 nicht

Den juristischen Risiken stehen aber auch steigende Umsätze in der Agrarchemie-Sparte – und damit auch bei der früheren Monsanto – gegenüber: Der Umsatz der Sparte „Crop Science“ lag bei 14,3 Milliarden Euro. Wenn Monsanto nicht erst seit 2018, sondern schon 2017 Konzernteil geworden wäre, wäre dies im Jahresvergleich ein Plus von 3,1 Prozent. Ohne den theoretischen Vergleichswert und damit getrieben von der Integration Monsantos in den Bayer-Konzern schnellte der Umsatz der Agrarchemie-Sparte um 49 Prozent nach oben.

Ungetrübter Grund zur Freude war die Bilanz 2018 aber nicht. Denn Bayer musste einen Gewinneinbruch hinnehmen, der Überschuss sackte um drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro ab. Das lag an Kosten im Zusammenhang mit dem rund 63 Milliarden Dollar schweren Monsanto-Deal, aber auch an hohen Vergleichswerten von 2017, als Bayer kräftige Einnahmen beim Verkauf der Kunststoff-Tochter Covestro einsacken konnte. Der Konzernumsatz inklusive der Sparten Pharmazie, rezeptfreie Arzneimittel und Tiergesundheit lag 2018 bei 39,6 Milliarden Euro, Währungseffekte und Übernahmen herausgerechnet ein Plus von 4,5 Prozent. Im November hatte Bayer eine Umstrukturierung verkündet, auch weil das Geschäft mit rezeptfreien Arzneien schwächelte. Bis Ende 2021 sollen 12000 der weltweit 120 000 Stellen abgebaut werden, auch in Berlin. Wie viele genau, ist unklar – die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite laufen. Es dauere noch, bis die genauen Stellenkürzungen verkündet werden, so Baumann. (dpa)

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