Mehr als eine E-Mail-Adresse haben die wenigsten in der Hand

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Unseriöse Angebote : „Ich interessiere mich für Ihre Wohnung“
Alena Hecker
Auf den ersten Blick ist nicht immer ersichtlich, ob ein Angebot seriös ist oder nicht. Betreiber von Internetportalen müssen tagtäglich gegen eine Flut von fragwürdigen Anzeigen kämpfen.
Auf den ersten Blick ist nicht immer ersichtlich, ob ein Angebot seriös ist oder nicht. Betreiber von Internetportalen müssen...Foto: imago/Peter Widmann

Wer erst einmal Geld überwiesen hat, kann kaum auf eine Entschädigung hoffen. Pro Monat behandelt die Berliner Polizei im Durchschnitt nicht mehr als zwanzig Fälle in Sachen Vorauszahlungsbetrug. „Die Aufklärungsquote ist gering, weil die Opfer kaum Angaben zu den Tätern machen können“, erklärt Sprecher Martin Dams. Mehr als eine E-Mail-Adresse des vermeintlichen Vermieters haben die wenigsten in der Hand.

Dams appelliert bei der Wohnungssuche an den gesunden Menschenverstand: „Sie würden auch kein neuwertiges Auto für 500 Euro kaufen.“

Interessenten rät er, sich einen Ausweis des Vermieters zeigen zu lassen und zu überprüfen, ob das Bild mit der Person übereinstimme und ob das Dokument noch gültig sei. „Wer rechtmäßig eine Wohnung vermieten will, der wird sich auch nicht scheuen, Informationen über sich preiszugeben.“ Bei einer Wohnungsbesichtigung empfiehlt er, zur Sicherheit immer eine zweite Person mitzunehmen, die notfalls als Zeuge auftreten kann. Und: „Sobald irgendwo rumgedruckst wird, sollten alle Warnsignale angehen.“

Bei wohnungsbetrug.blogspot.com gehen regelmäßig Beschwerden ein

In meinem Fall des Namensmissbrauchs kann mir die Polizei nicht weiterhelfen. Dass jemand meinen Namen für einen Betrug nutzt, könne ein Indiz dafür sein, dass man mir Böses wolle, vermutet Martin Dams. Strafrechtliches Handeln sei jedoch nicht erkennbar.

Wer der Ansicht ist, dass bei der Verarbeitung personenbezogener Daten gegen Datenschutzvorschriften verstoßen wurde, kann sich an den Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit wenden. Die Behörde prüft, ob die Wohnungsportale datenschutzrechtlich belangt werden können, weil dort jemand mit falscher Identität aufgetreten ist.

Auf der Seite wohnungsbetrug.blogspot.com gehen regelmäßig Beschwerden von Menschen ein, mit deren Namen betrogen wurde und die sich von der Webseite verleumdet fühlen. Ihnen entgegnet der Betreiber auf seinem Blog: „Jede Person, die im Internet erscheint, kann damit rechnen, dass ihr Name von den Betrügern verwendet wird. Die Verantwortlichen sind außer den Betrügern die jeweiligen Anzeigenportale, die den Betrug mit falschen Daten ermöglichen.“

Geschützt ist nur, wer im Internet möglichst wenig von sich preisgibt

Sonja May von Immobilienscout24 hält dagegen: „Aufgrund der enormen Anzahl von Immobilienangeboten auf unserem Portal können wir Inserate nicht einzeln vor der Einstellung und auch nicht die einzelnen Identitäten der Anbieter überprüfen.“ Der Gesetzgeber habe das erkannt und Onlinemarktplätze wie ImmobilienScout24 darum von Prüfungspflichten im Hinblick auf fremde Inhalte freigestellt.

Geschützt vor Identitätsmissbrauch ist somit nur, wer im Internet möglichst wenig von sich preisgibt. Wer bei Facebook sein Geburtsdatum angegeben hat, kann es vor Fremden verbergen. Das deutsche Recht erlaubt es zudem, in Foren und Netzwerken Pseudonyme statt Klarnamen zu benutzen.

Für mich als Journalistin ist das hingegen keine Option: Wer wie ich eine Webseite betreibt, muss wahre Angaben zu Namen und Adresse machen – so schreibt es die Impressumspflicht vor.

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