Das Gefälle in Europa löst Wanderungsbewegungen aus

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Jugendarbeitslosigkeit : Europas verlorene Generation
D. Creutzburg H. Anger

Der neue Ilo-Report zeigt aber nicht nur Daten auf. Er liefert mit seinen Empfehlungen an die Politik außerdem Zündstoff für die aktuelle Auseinandersetzung um einen Kurswechsel in der Euro-Zone hin zu mehr staatlicher Wachstumsförderung. Anfang kommender Woche (28./ 29. Mai) befasst sich der Gipfel der EU- Staats- und Regierungschefs mit dieser Frage. Die Empfehlungen der Ilo zur Jugendarbeitslosigkeit sind deutlich: Das Thema habe zwar in vielen Ländern formal einen hohen Stellenwert. Doch fehle es an der Umsetzung konkreter Maßnahmen und einer ausreichenden Finanzierung dafür. „Der seit der Wirtschaftskrise eingeschlagene Sparkurs behindert eine rasche Erholung der Arbeitsmärkte für Jugendliche“, moniert der Report.

Die Ilo empfiehlt unter anderem einen Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik. So könnten Unternehmen durch Lohn- und Ausbildungszuschüsse oder entsprechende Steuervorteile angeregt werden, mehr junge Menschen einzustellen und damit das große „Überangebot an jungen Arbeitskräften“ besser aufzufangen.

Hierzulande bewertet die Opposition den Ilo-Bericht als klare Bestätigung ihrer Strategie zur Bekämpfung der Euro- Krise. SPD-Chef Sigmar Gabriel: „Der Bericht zeigt aber auch: Man kann gegensteuern – wenn man denn will“ , sagte er dem „Handelsblatt“. „Wir brauchen vor allem ein Sofortprogramm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Griechenland oder Spanien, wo inzwischen jeder zweite Jugendliche keine Arbeit hat.“ Insgesamt zeige der Bericht, „dass wir mit unserer Forderung, die Konsolidierungspolitik um einen Pakt für Wachstum und Beschäftigung zu ergänzen, richtig liegen“.

Zumindest einigen der Millionen perspektivlosen Jugendlichen kann aber auch Deutschland Mut machen. Denn hierzulande fehlen Lehrlinge und junge Fachkräfte. Vor diesem Hintergrund hat etwa die deutsch-spanische Außenhandelskammer in Madrid zu Jahresbeginn ein neues Programm gestartet, das spanischen Jugendlichen zu einer Perspektive in Deutschland verhelfen soll: Die Teilnehmer erhalten zunächst in ihrer Heimat einen Sprachkurs, dann ein drei- bis viermonatiges Praktikum bei einem Unternehmen in Deutschland, und wenn alles klappt, sind sie anschließend fit für einen regulären Ausbildungsplatz.

Wie viel Bewegung das Gefälle zwischen Deutschland und dem übrigen Europa auslöst, zeigt auch die jüngste Zuwanderungsstatistik. Danach wanderten 2011 so viele Menschen ein wie seit 15 Jahren nicht mehr. Die Gesamtzahl der Beschäftigten stieg hierzulande binnen Jahresfrist um 1,7 Prozent an. Die Zahl der Griechen, die hier arbeiten, erhöhte sich jedoch um 8,1 Prozent, die der Spanier um 9,4 Prozent. (HB)

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