Softskills : Einer für alle

Für den Jobeinstieg brauchen Studierende neben Fachwissen auch Schlüsselqualifikationen. Welches Know-how für wen sinnvoll ist.

Maximilian Konrad
Gemeinsam voran. In vielen Berufen läuft nichts ohne die Zusammenarbeit mit den Kollegen.
Gemeinsam voran. In vielen Berufen läuft nichts ohne die Zusammenarbeit mit den Kollegen.Foto: Robert Kneschke Fotolia

Genderkompetenz, nonverbale Kommunikation, Business-Etikette, Projektmanagement, Excel oder SAP – die Liste der Schlüsselqualifikationen, die Studierende an der Hochschule für den Beruf erlernen können, ist meistens so vielfältig wie lang. Doch wie wählt man aus dieser Fülle aus, und was bringen diese Kurse eigentlich?

Der Arbeits- und Bildungsforscher Dieter Mertens brachte den Begriff in den 70er Jahren ins Spiel: Als Schlüsselqualifikationen definierte er alle Kenntnisse und Fähigkeiten, die keinen direkten Bezug zu konkreten praktischen Tätigkeiten im Beruf besitzen, in verschiedenen Situationen aber flexibel zum Einsatz kommen.

Mittlerweile sind diese Fähigkeiten für Arbeitgeber essenziell. „Fachwissen, IT-Wissen sowie soziale und personale Kompetenzen bilden den neuen Bildungskanon für die digitale Arbeitswelt“, sagt Elke Eller, Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM) über die Ergebnisse einer Umfrage, die der BPM gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) unter Personalmanagern durchgeführt hat.

IT- und Führungswissen

Um auf dem Bewerbermarkt zu überzeugen, lohnt es sich für Hochschulabsolventen, das eigene Profil zu erweitern: „Im Studium geht es in erster Linie um das Erlernen von Spezialwissen, IT-Kenntnisse setzen dann einige noch oben drauf, aber die gezielte Ausbildung sozialer Fähigkeiten, wie zum Beispiel Führungswissen, kommt eindeutig zu kurz“, findet Elke Eller.

Genau da kommen die Kurse für Schlüsselqualifikationen ins Spiel, die nahezu jede Hochschule kostenlos anbietet. Und die zunehmend an Bedeutung gewinnen: „In manchen Bundesländern erfolgt die Genehmigung von Bachelorstudiengängen nur, wenn die Vermittlung überfachlicher (Schlüssel-) Qualifikationen in eigenen Lehrveranstaltungen zu den strukturbildenden curricularen Elementen gehört“, erläutert Dorothee Fricke, Referentin im Projekt Nexus der Hochschulrektorenkonferenz. Schwerpunkt des Projektes ist es, Studierende beim Übergang in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

An der Humboldt-Universität (HU) in Berlin beispielsweise bietet das Career Center für Studierende zahlreiche Kurse zur Kompetenzentwicklung in Bereichen wie Sozial- und Methodenkompetenz oder Organisations- und Managementkompetenz an. „Das größte Interesse haben Studierende an Kursen zum Projektmanagement, zum Fundraising, aber auch Angebote zur gelungenen Selbstpräsentation oder auch Datenanalyse sind gut besucht“, berichtet Rosmarie Schwartz-Jaroß, Leiterin des Referats Beruf und Wissenschaft an der HU.

Nicht zu nah am eigenen Fach

Wichtig sei es, über den Tellerrand zu schauen und keine Kurse auszuwählen, die zu nahe am eigenen Studienfach liegen. „Es ist beispielsweise nie verkehrt, ein Zertifikat für die IT- und Medienkompetenz zu haben – das ist häufig gefragt“, sagt Schwartz-Jaroß.

Ob Career Center oder Career Service: Damit sich Studierende einen guten Überblick über das Angebot ihrer jeweiligen Universität verschaffen, besuchen sie idealerweise die Internetseiten der Weiterbildungsstätten oder nutzen das Beratungsangebot ihrer Hochschule. An der Humboldt-Universität wird jedes Semester ein neues Kurs-Programm erstellt, das verschiedene Interessen bedient. Neben der wissenschaftlichen Ausbildung steht das praktische Handwerkszeug im Fokus.

Für Geisteswissenschaftler lohnen sich vor allem Kurse zu Management- und Organisationskompetenz oder Informations- und Medienkompetenz, da diese Studiengänge meist eher theoretisch geprägt sind. „Jeder sollte ein grundlegendes Verständnis von digitalen Zusammenhängen haben, dazu gehört auch der verantwortungsvolle Umgang mit Daten“, meint Elke Eller. Als Faustregel gilt: Je spezialisierter der Studiengang, desto wichtiger seien die sozialen und personalen Kompetenzen, wie beispielsweise Arbeiten im Team, Stressresistenz oder interkulturelle Kommunikation. Die Studiengänge der Naturwissenschaftler dagegen sind berufsorientierter angelegt. Hier erweitern eher Kurse zur Sozialkompetenz die Bandbreite. „Grundsätzlich sollte jeder Studierende versuchen, möglichst breit aufgestellt zu sein. Für einen Historiker ist es beispielsweise nicht verkehrt, EDV- oder BWL-Kurse zu besuchen“, sagt Schwartz-Jaroß.

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Nach Abschluss eines Seminars stellt sich für Studierende dann unter Umständen die Frage: Hat das jetzt tatsächlich was gebracht oder war es nur gut für den Lebenslauf? Dazu hat Dorothee Fricke eine passende Antwort: „Bei der Bewerbung mag ein Nachweis oder eine Bescheinigung, diesen oder jenen Kurs belegt zu haben, ein Mosaiksteinchen sein, das das Profil vervollständigt.“ Was zähle, sei jedoch immer das Gesamtprofil und dass Absolventen die angegebenen Qualifikationen auch unter Beweis stellen können. dpa

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