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Tarifrunde: IG Metall will fünf Prozent mehr Geld

Die Metall- und Elektroindustrie steuert auf einen erbitterten Tarifstreit zu. Die IG Metall geht mit der Forderung nach Einkommenserhöhungen von fünf Prozent für zwölf Monate in die kommende Tarifrunde.

Frankfurt/Main - Die IG Metall forderte am Freitag für die kommende Tarifrunde eine kräftige Anhebung der Löhne und Gehälter um fünf Prozent für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche, um damit die Binnennachfrage zu stärken. Die Arbeitgeber wiesen diese Forderung umgehend als zu hoch zurück. Ein Abschluss in dieser Höhe würde die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe treffen und weitere Arbeitsplätze aus dem Land treiben, erklärte Gesamtmetall.

«Die deutsche Wirtschaft muss sich vom Damoklesschwert der Exportabhängigkeit befreien», forderte IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Die Menschen müssten wieder konsumieren können. Die Tarifpolitik der IG Metall wolle einen Beitrag zur Stärkung der Kaufkraft leisten. Immer weniger Reallohn habe nicht zu mehr Arbeitsplätzen geführt. Diese Theorie der Arbeitgeber habe sich als Sackgasse erwiesen. «Sie sollen aufhören, die Menschen in diesem Land ständig mit Arbeitsplatzverlagerung zu bedrohen», sagte Peters.

Die Metall-Arbeitgeber verwiesen auf die Arbeitskosten, die von allen Wettbewerbern am höchsten seien. Die Lohnkosten, die in Teilbereichen bis zu 60 Prozent der gesamten Produktionskosten ausmachten, seien einer der wichtigsten Faktoren bei Standortentscheidungen, hieß es in einer Erklärung von Gesamtmetall. Für die Arbeitgeber stehe die Sicherung der Arbeitsplätze im Mittelpunkt der Tarifrunde. Dazu seien vor allem eine «kostenneutrale Tarifentwicklung» und mehr betriebliche Öffnungen notwendig. Gesamtmetall hatte zuvor als Obergrenze eine Erhöhung von 1,2 Prozent genannt.

Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) warnte davor, dass jeder Prozentpunkt mehr Lohn zu einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen führen werde. «Die Forderung der IG Metall ist nicht nur völlig überzogen, sondern wegen der andauernden Massenarbeitslosigkeit geradezu verantwortungslos.» Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft sprach von «verheerenden Auswirkungen» der Tarifforderung auf die Beschäftigung und befürchtet einen «Exodus deutscher Arbeitsplätze im großen Stil». Nur ein moderater Abschluss sichere Arbeitsplätze. «Mehr Menschen in Lohn und Brot bedeutet auch gleichzeitig mehr Konsum», sagte Verbandspräsident Mario Ohoven.

Die Lage in der Metall- und Elektroindustrie ist nach Darstellung der IG Metall insgesamt gut. 2006 werde die Branche bei einer Produktivitätssteigerung von etwa fünf Prozent und erhöhten Absatzpreisen von rund einem Prozent «glänzende Ertragsaussichten» haben. Der Lohnanteil am Umsatz liege bei nur noch 17,4 Prozent. «Es ist deshalb nicht nur heuchlerisch, sondern peinlich, wenn die Arbeitgeber auch in dieser Tarifrunde das Klagelied über die hohen Lohnkosten anstimmen», sagte Peters. Eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um fünf Prozent bedeute eine Kostensteigerung für die Unternehmen von etwa 0,88 Prozent.

Die IG Metall will außer Lohnerhöhungen für 12 Monate auch einen Tarifvertrag zur besseren Qualifizierung der Mitarbeiter und mehr Innovation abschließen. Zudem soll die Zahlung vermögenswirksamer Leistungen verlängert werden. «Unsere Forderungen sind sozial gerecht, sie sind ökonomisch geboten und sie dienen der Zukunftssicherung der Arbeitsplätze und der Standorte», sagte Peters.

Die Verhandlungen, die regional geführt werden, beginnen am 8. Februar in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die Lohn- und Gehaltstarifverträge laufen Ende Februar aus. Die Friedenspflicht endet vier Wochen später in der Nacht zum 29. März. Von diesem Zeitpunkt an kann die IG Metall zu Warnstreiks aufrufen.

In der Tarifrunde 2004 für die Metall- und Elektroindustrie hatten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf stufenweise Entgelterhöhungen im Volumen von 2,2 und 2,7 Prozent für 26 Monate geeinigt. Die IG Metall war mit einer Forderung von 4,0 Prozent in die Verhandlungen gegangen. Zudem vereinbarten Gewerkschaft und Arbeitgeber erstmals eine Öffnung des Flächentarifs. Das Pforzheimer Abkommen sieht vor, dass Betriebe zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen die Arbeitszeit auch ohne Bezahlung erhöhen oder Sonderzahlungen kürzen können.

(tso/dpa)

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