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Thyssenkrupp : Aufsichtsrat nimmt Rücktrittsgesuch von Vorstandschef Hiesinger an

Der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp stimmt dem Rücktrittsgesuch des Vorstandschefs zu - und lässt offen, wer den Mischkonzern führen soll. Zunächst soll der verbleibende Vorstand die Geschäfte führen.

Der ThyssenKrupp-Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger.
Der ThyssenKrupp-Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger.Foto: dpa/ Bernd Thissen

Nach dem Abgang von Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns Thyssenkrupp, bleibt die Nachfolge an der Spitze des Industriekonzerns offen. Einen Übergangschef, der Hiesingers Aufgaben übernimmt, soll es zunächst nicht geben. Der verbliebene Vorstand - bestehend aus Guido Kerkhoff, Oliver Burkhard und Donatus Kaufmann - soll das Unternehmen erst einmal ohne Vorsitzenden weiterführen, teilte der Dax-Konzern am Freitag mit. Die Suche nach einem Nachfolger Hiesingers solle in einem „strukturierten Prozess“ erfolgen.

Nach andauernden Querelen mit Großaktionären über den weiteren Konzernumbau hatte Hiesinger am Donnerstagabend überraschend den Aufsichtsrat um eine einvernehmliche Auflösung seines Mandats als Vorstandschef gebeten. Der Aufsichtsrat des Industriekonzerns stimmte dem Rücktrittsgesuch am Freitag nach Angaben des Unternehmens zu.

Die Ankündigung Hiesingers kam nur wenige Tage, nachdem der Manager nach langem Tauziehen die Fusion des Stahlgeschäfts mit dem Europa-Geschäft des indischen Konkurrenten Tata unter Dach und Fach gebracht hatte. Hiesinger hatte erklärt, er „gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von Thyssenkrupp zu ermöglichen“.

Hiesinger stand schon länger unter Druck

Eigentlich sollte Hiesinger kommende Woche seine neue Strategie für Thyssenkrupp vorstellen. Doch für die hat er im Aufsichtsrat offenbar keine Mehrheit gefunden. Der 58-Jährige stand seit 2011, also seit sieben Jahren an der Spitze von Thyssenkrupp, sein Vertrag wäre noch bis 2020 gelaufen.

Allerdings stand Hiesinger schon länger unter Druck. Großaktionär Cevian, der US-Hedgefonds Elliott und weitere Investoren hatten dem Manager vorgeworfen, den Umbau des Konzerns nur unzureichend voranzutreiben. Zwar hatte Hiesinger als Reaktion auf das weltweite Überangebot an Stahl einen Zusammenschluss der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem indischen Konkurrenten Tata eingefädelt. Doch anschließend zogen sich die Verhandlungen zweieinhalb Jahre hin. Erst am Wochenende sind schlussendlich die Verträge für das neue Gemeinschaftsunternehmen unterschrieben worden. Doch ausgerechnet jetzt, wo er sein Ziel erreicht hat, geht Hiesinger.

Aufsichtsratschef Ulrich Lehner, der bis zuletzt hinter ihm gestanden hat, lobte den Vorstandschef. Ohne ihn würde es Thyssenkrupp nicht mehr geben sagte Lehner. Unter Hiesingers Führung schaffte der Konzern es, nach dem milliardenschweren Desaster im amerikanischen Stahlgeschäft wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Als „klug, bescheiden, konsequent“ beschrieb Lehner Hiesingers Vorgehen. (mit Reuters)

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