Vergleich der Stiftung Warentest : Für Arme sind die Konten meist besonders teuer

Die Stiftung Warentest hat die Basiskonten von 124 Banken getestet. Besonders die Sparkassen halten für ihren Kunden häufig teure Angebote bereit.

Auch wer arm ist, hat Anspruch auf ein Girokonto. Doch die Preise sind laut Stiftung Warentest oft überdurchschnittlich hoch.
Auch wer arm ist, hat Anspruch auf ein Girokonto. Doch die Preise sind laut Stiftung Warentest oft überdurchschnittlich hoch.Foto: imago/epd

Berlin - Sie sollen den Ärmsten helfen, doch in vielen Fällen sind sie offenbar besonders teuer: Die Stiftung Warentest hat die gesetzlich vorgeschriebenen Basiskonten von 124 Banken getestet. Ernüchterndes Ergebnis: „Wer arm ist und kein regelmäßiges Einkommen hat, zahlt für ein Girokonto meist viel mehr als Gehalts- und Rentenempfänger.“ Nur 47 der getesteten Banken verlangten demnach weniger als 100 Euro im Jahr. Bei den teuersten Instituten kostete die Kontoführung jährlich mehr als 200 Euro.

Mit dem Basiskonto soll sichergestellt werden, dass alle Verbraucher Überweisungen abwickeln und bargeldlos wirtschaften können. Seit 2016 haben alle Personen, die sich rechtmäßig in der EU aufhalten, Anspruch darauf. Obdachlose und Flüchtlinge erhalten es ebenso wie Personen mit negativer Schufa-Auskunft. Das Konto wird meist auf Guthabenbasis geführt – kann also nicht überzogen werden. Der Bedarf für solche Angebote scheint groß: Nach Angaben der Finanzaufsicht Bafin gab es Mitte 2018 etwa 500 000 Anträge für Basiskonten in Deutschland.

Vor der Einführung hatten viele Sparkassen bereits sogenannte Bürgerkonten für jedermann angeboten. Privatbanken zögerten dagegen lange Zeit, allen Verbrauchern, unabhängig von deren Lebens- und Einkommenssituation, Konten anzubieten. Die Sparkassen kamen mit ihrem Angebot dem Bedarf vieler armer Menschen entgegen. Doch ausgerechnet sie verlangen jetzt im Vergleichstest oft besonders viel Geld. Sechs der zehn teuersten Angebote kommen nach Angaben der Stiftung Warentest von Sparkassen. In Städten wie Hamburg, Trier oder Aachen, aber auch in ländlichen Regionen wie Holstein lagen die Kosten für Filialkonten im Test bei über 180 Euro pro Jahr. Die Salzlandsparkasse in Sachsen-Anhalt war mit einem ermittelten Preis von 250,60 Euro neben der Targobank das teuerste Institut im Test.

In Berlin kostet dagegen das Filialangebot der Volksbank laut Stiftung Warentest am meisten: etwa 180 Euro pro Jahr. Die Berliner Sparkasse verlangt online und vor Ort in den Filialen 84 bis 143 Euro pro Jahr. In Frankfurt (Main) oder Leipzig ist es dagegen zum Teil deutlich günstiger. Der Verband der Deutschen Kreditwirtschaft, dem Sparkassen wie private Institute angehören, rechtfertigte die Unterschiede in einer Stellungnahme als ein „Zeichen für einen funktionierenden Wettbewerb“.

Eine Höchstgrenze für die Kosten gibt es bislang nicht. Das Zahlungskontengesetz verlangt lediglich ein „angemessenes Entgelt“, das „marktüblich“ sein soll. „Angesichts der Rolle von Sparkassen sind die hohen Preise irritierend und ärgerlich“, sagte Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: „Das Testergebnis lässt die Vermutung aufkommen, dass es sich auch um Abwehrpreise handelt.“ Die Verbraucherschützer fordern deshalb Nachbesserungen. Basiskonten dürften nicht teurer sein als normale Girokonten.

Wie viel im Einzelfall zu viel ist, hat das Oberlandesgericht Frankfurt bereits festgestellt: Es entschied, dass das Basiskonto der Deutschen Bank mit einem monatlichen Grundpreis von 8,99 Euro sowie 1,50 Euro pro Überweisung unangemessen hoch und damit unwirksam ist. Basiskonten müssten zwar nicht als günstigstes Kontomodell angeboten werden. Die Preise sollten aber das durchschnittliche Nutzerverhalten dieser Kontoinhaber angemessen widerspiegeln, heißt es in der Urteilsbegründung (Az. 19 U 104/18). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Dass es auch einfacher geht, zeigt das Basiskonto der Bremischen Volksbank. 2017 war sie in einem ersten Test noch der große Verlierer. Inzwischen hat die Bank auch ohne Urteil reagiert und den monatlichen Grundpreis von 8,90 Euro auf 3,90 Euro gesenkt. Noch deutlich günstiger sind die regionalen Angebote der PSD Bank Karlsruhe-Neustadt und der Sparda-Bank Baden-Württemberg. Bei beiden Instituten kostet das Guthaben-Basiskonto gar nichts.

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