Wirecard und die Rolle der Bafin : Techkonzerne müssen wie Banken geprüft werden

Im Fall Wirecard hat die Aufsicht versagt, weil sie für Teile des Konzerns nicht zuständig war. Daraus müssen Politik und Bafin Lehren ziehen. Ein Kommentar

Wirecard musste nach dem Bilanzskandal Insolvenz anmelden.
Wirecard musste nach dem Bilanzskandal Insolvenz anmelden.Foto: AFP

Die schlechten Nachrichten zu Wirecard reißen nicht ab. Am Mittwoch gab es eine Razzia bei dem Finanzdienstleister. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun neben der Bilanzfälschung auch wegen Betrug. Und das bei einem Dax-Konzern. Dabei schadet jede neue Schlagzeile zu Wirecard dem deutschen Finanzstandort ein bisschen mehr. Für Politik und Aufsicht heißt das: Sie müssen alles daransetzen, damit so etwas nicht wieder vorkommt.

Das fängt schon bei den Zuständigkeiten an. Die Finanzaufsicht Bafin war auch deshalb so lange tatenlos, weil Wirecard offiziell kein Finanzkonzern ist, sondern ein Techunternehmen. Deshalb war statt der Bafin für einen Großteil des Wirecard-Konzerns der Regierungsbezirk Oberbayern zuständig. Die Bafin konnte nur die Wirecard-Bank überwachen. Die aber ist klein: Bei ihr arbeiten lediglich 200 der 5000 Wirecard-Beschäftigten. Einen Regierungsbezirk aber überwachen lassen, ob ein internationaler Finanzkonzern Geldwäsche-Regeln einhält, ist absurd.

Angeblich soll die Bafin versucht haben, Wirecard als Finanzholding einzustufen, um den Konzern besser kontrollieren zu können – soll damit aber wiederum an der europäischen Aufsicht durch die EZB gescheitert sein. Ein Versagen also auf allen Ebenen.

Gerät zunehmend unter Druck: Bafin-Chef Felix Hufeld.
Gerät zunehmend unter Druck: Bafin-Chef Felix Hufeld.Foto: Mike Wolff

Das zu erkennen, reicht allein aber noch lange nicht. Denn Wirecard ist nur eines von vielen Unternehmen, bei denen die Grenzen zwischen Bank und Techkonzern verschwimmen. Längst drängen auch Apple, Google und Amazon in den Finanzbereich vor, sie wickeln Zahlungen ab, geben Kunden teils sogar Kredit. Entsprechend wichtig ist es, dass sie in diesem Bereich genauso streng überwacht werden wie klassische Banken. Um dem Rechnung zu tragen, müssen Institutionen wie die Bafin aufrüsten, mehr Nerds und Techniker einstellen. Und sie müssen vermeintlich banalen Dienstleistungen wie der Zahlungsabwicklung mehr Bedeutung beimessen.

Gleichzeitig zeigt der Fall Wirecard aber auch, wie schnell eine rein nationale Finanzaufsicht in der heutigen Zeit an ihre Grenzen stößt. Zahlungen werden längst international abgewickelt – und zwar nicht nur von Großbanken, die etwa bereits auf europäischer Ebene überwacht werden. Deshalb müssen auch nationalen Aufsichtsbehörden global stärker zusammenarbeiten.

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