• Extrem verjährtes Verbrechen: Tübinger Forscher weisen lang vergangene Gewalttat nach

Extrem verjährtes Verbrechen : Tübinger Forscher weisen lang vergangene Gewalttat nach

Der Schädel eines Steinzeitmannes weist Brüche auf. Forscher fanden nun heraus: Das war kein Unfall – und haben auch ein Tatwerkzeug in Verdacht.

Dieser versteinerte Schädel wurde ursprünglich in einer Höhle im südlichen Transsilvanien (Rumänien) freigelegt und soll etwa 33.000 Jahre alt sein.
Dieser versteinerte Schädel wurde ursprünglich in einer Höhle im südlichen Transsilvanien (Rumänien) freigelegt und soll etwa...Foto: Kranoti/dpa

Tötungsdelikt - es ist ein klares Urteil, wenn auch kein gerichtliches, sondern ein wissenschaftliches: Rund 33.000 Jahre nach dem Tod eines Mannes haben Forscher nachgewiesen, dass er wohl Opfer einer Gewalttat wurde. Auch die ersten modernen Europäer begingen also Mord und Totschlag, schließen die Wissenschaftler um Katerina Harvati von der Universität Tübingen. Oder, anders formuliert: Unsere Vorfahren haben sich, wie nicht anders zu erwarten, gegenseitig im Wortsinne die Schädel eingeschlagen.

Doppelter Hieb

Analysen des Schädels aus dem Jungpaläolithikum, dem jüngere Abschnitt der Altsteinzeit, ergaben jedenfalls, dass der Mann wahrscheinlich zwei Hiebe abbekam – womöglich von einem Linkshänder, wie das internationale Team aus Griechenland, Rumänien und Deutschland im Fachjournal "PLOS ONE" berichtet.

Doppelter Schädelbruch

Der versteinerte Schädel des erwachsenen Mannes war 1941 bei Bergbau-Arbeiten in der Höhle Pestera Cioclovina, in Süd-Siebenbürgen (Rumänien) entdeckt worden. In der transsilvanischen Höhle fand man zusätzlich noch Steinwerkzeuge und Höhlenbär-Fossilien. Der Schädel hat zwei Brüche, die die Forscher nun unter anderem im Computertomographen untersuchten. Außerdem testeten sie an künstlichen, kugelförmigen Knochenschalen unterschiedliche Szenarien wie einen Sturz oder herabfallende Steine, wie die Paläoanthropologin Harvati mitteilte.

Der restliche Körper bleibt verschollen

Die Forscher schlossen aus ihren Analysen, dass die Frakturen nicht von einem Unfall stammen, sondern dem Opfer wahrscheinlich von einem Mitmenschen zugefügt wurden. Demnach stand der Täter seinem Opfer wohl gegenüber und versetzte ihm – möglicherweise mit der linken Hand – zwei aufeinanderfolgende Hiebe mit einem Knüppel oder einem anderen schlägerförmigen Gegenstand.

Ob es diese beiden Schläge waren, die den Tod des Mannes zur Folge hatten, ist den Wissenschaftlern zufolge nicht sicher zu klären, weil nur der Schädel gefunden wurde. Der Rest des Körpers ist und bleibt ebenso unauffindbar wie Täter und Tatwaffe. Mögliche tödliche Verletzungen anderswo am Körper könnten also auch zum Tode geführt haben. Dass der Mann die Attacke als solche nicht überlebte, ist jedenfalls klar, denn verheilt sind die Schädelbrüche nicht. (dpa)

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