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Indiens Flug zum Mond : Kontakt zur Sonde „Vikram“ bei Landung abgerissen

Indien wollte in der Nacht auf Samstag zur vierten Nation werden, die ein Fluggerät auf den Mond bringt. Doch kurz vor der Landung kam es zu Problemen.

Diese Aufnahme zeigt den indischen Lander „Vikram“.
Diese Aufnahme zeigt den indischen Lander „Vikram“.Foto: Indian Space Research Organisation/AFP

Die indische Raumfahrtbehörde hat nach eigenen Angaben kurz vor ihrer ersten geplanten Mondlandung die Kommunikation zu ihrem Lander „Vikram“ verloren. Die Annäherung an den Mond sei bis auf 2,1 Kilometer über der Oberfläche normal gewesen, sagte der Chef der indischen Raumfahrtbehörde Isro, Kailasavadivoo Sivan, in der Nacht auf Samstag (Ortszeit). „Die Daten werden ausgewertet.“ Nach knapp sechswöchiger Reise hätte „Vikram“ zwischen 22 und 23 Uhr deutscher Zeit an seinem Ziel ankommen sollen.

Indien hatte versucht, das vierte Land zu werden, dem eine kontrollierte Landung auf dem Erdtrabanten gelingt - nach den USA, der Sowjetunion und China. Der frühere Chef der indischen Raumfahrtbehörde, Mylswamy Annadurai, hatte am Donnerstag dem Fernsehsender NDTV noch voller Zuversicht gesagt: „Wir geraten nicht ins Hintertreffen, wir gehen in Führung – weiter in die internationale Arena. Das ist ein wirklich befriedigender Moment.“

Regierungschef Narendra Modi hat bemannte Raummissionen bis zum Jahr 2022 als Ziel ausgegeben. „Wir werden unsere Reise fortsetzen“, kündigte Modi, der die Mission im Weltraumzentrum Bangalore verfolgte, nach dem Kontaktverlust an. „Unser ganzes Land ist stolz auf Sie“, sagte er an die beteiligten Wissenschaftler gerichtet. Er hoffe, dass sich der Kontakt zu „Vikram“ wieder herstellen lasse.

Die Landung am Südpol des Erdtrabanten war der schwierigste Teil der Mission „Chandrayaan-2“. Dort ist bisher noch niemand gelandet.
Der Name bedeutet auf Sanskrit „Mondfahrzeug“. Trotz der Probleme war ein Teil der 142 Millionen Dollar (rund 126 Millionen Euro) teuren unbemannten indischen „Chandrayaan-2“-Mission war den Wissenschaftlern zufolge erfolgreich. Der Orbiter fliege jetzt um den Mond und liefere Bilder. „Chandrayaan“ bedeutet auf Sanskrit „Mondfahrzeug“. Ziel war auch, die Oberfläche der Südpol-Region zu kartieren, den Boden zu analysieren und Wasser zu suchen.

Der Start der Sonde mit einer Trägerrakete.
Der Start der Sonde mit einer Trägerrakete.Foto: Indian Space Research Organization/AP/dpa

Für Indien ist es die zweite Mission zum Mond. Die erste Mondsonde „Chandrayaan-1“ war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen. Im Frühjahr stürzte bereits eine israelische Sonde beim Landeversuch auf dem Mond nach einem technischen Fehler ab.

Mit seiner Mondlandemission folgt Indien einem internationalen Trend. Die Weltraum-Supermacht USA will bis 2024 mit Astronauten auf den Mond zurückkehren. China hatte im Januar als erstes Land eine Sonde auf die erdabgewandte Seite des Mondes gebracht. Außerdem plant die Volksrepublik binnen eines Jahrzehnts bemannte Missionen auf den Mond sowie eine Raumstation auf dem Erdtrabanten.

Erst unlängst war weltweit an die erste Mondlandung vor 50 Jahren erinnert worden: Am 20. Juli 1969 hatte der US-Astronaut Neil Armstrong im Zuge des Nasa-Programms Apollo 11 als erster Mensch den Mond betreten. (dpa, AFP)

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