Medizintechnik : Herzschrittmacher und Insulinpumpen können gehackt werden

Datenaustausch und Steuerbarkeit von außen hat Implantate deutlich komfortabler gemacht. Doch es besteht die Gefahr lebensgefährlichen Missbrauchs.

Lebensrettend, aber angreifbar: Herzschrittmacher.
Lebensrettend, aber angreifbar: Herzschrittmacher.Foto: UPV/EHU

Nicht nur medizinische Großgeräte, auch individuelle Hilfsmittel können prinzipiell von Hackern angegriffen werden. So senden etwa Herzschrittmacher zahlreiche Informationen per Funk oder Mobilfunknetz auf den Bildschirm des Arztes. Auch Diabetiker profitieren von der drahtlosen Datenübertragung zwischen Blutzuckermessgerät und Insulinpumpe.

Komfortabel und gefährlich

Für die Patienten ist das oftmals sehr komfortabel, erläutert IT-Sicherheitsexperte Wolfgang Hommel von der Universität der Bundeswehr München. «Aber dass man damit, wenn es ganz blöd läuft, auch um die Ecke gebracht werden kann, ist den meisten nicht bewusst.»

Bislang ist zwar noch kein einziger konkreter Fall bekannt. Doch es gibt viele Beispielhacks mit konkreten Medizinprodukten, bei denen Experten etwa Herzschrittmacher starke Stromimpulse abgeben oder Insulinpumpen hohe Dosen spritzen ließen.

"Rückruf" von fast 500.000 Geräten 2017

Der Medizingerätehersteller Abbot rief 2017 aufgrund von Hacking-Gefahr 465.00 bereits ausgelieferte und großteils schon implantierte Schrittmacher zurück. Die Geräte wurden allerdings nicht entfernt, sondern mit einem von außen aufspielbaren Software-Update versehen. Der frühere US-Vizepräsident Dick Cheney sah sich früh selbst als bedroht an: Er ließ sich aus Angst vor einem Anschlag schon vor vielen Jahren die Fernsteuerungsfunktion an seinem Herzschrittmacher deaktivieren.

Andere Medizingeräte, die bereits von Hackerangriffen betroffen waren sind unter anderem Magnetresonanztomographen, Herzmonitoren und ganze Klinik-Netzwerke. (rif/dpa)

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