Förderung mit Stipendien ist in der Wissenschaft das Instrument schlechthin.

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POSITION : Lehrjahre im Labor
Peter Gruss
MPG-Präsident Peter Gruss
MPG-Präsident Peter GrussFoto: Promo

Das gilt übrigens auch für die jährlich 4000 Promovierenden in Deutschland, die ein Stipendium von einem der zwölf Begabtenförderwerke erhalten. Gesucht werden hier nicht nur „helle Köpfe“, die überdurchschnittliche Leistungen in Schule und Studium erbracht haben, hier wird auch nach gesellschaftlichem Engagement gefragt. Weniger als 20 Prozent der Bewerber schaffen den Sprung in die Förderung.

Sie sind zu Recht stolz auf ihr Stipendium, denn es zeichnet sie als hoch motivierte, qualifizierte und auch außerfachlich engagierte Promovierende aus. Insofern greift der Vorwurf einer Zweiklassengesellschaft in der Promotionsförderung einfach zu kurz – Deutschlands gesamte Begabtenförderung fußt auf Stipendien!

Die Doktoranden fordern auch gar nicht die Abschaffung der Stipendien – hier führt die Schlagzeile des Onlineartikels in die Irre. Das PhDnet, die Interessenvertretung der Doktoranden in der Max-Planck-Gesellschaft, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem dafür eingesetzt, dass – unabhängig vom Finanzierungsmodell – die Doktoranden an unseren Instituten eine finanziell vergleichbare Förderung erhalten.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat deshalb die Stipendien mit einem Krankenkassenzuschuss, einer attraktiven Kinderzulage sowie weiteren finanziellen Beiträgen für Familien entsprechend aufgewertet.

Viele unserer ausländischen Doktoranden schätzen ein Stipendium der Max-Planck-Gesellschaft als besondere Auszeichnung, die es ihnen ermöglicht, ihre Doktorarbeit frei und unabhängig in einer international anregenden Forschungsumgebung durchzuführen. Unsere jungen Nachwuchswissenschaftler kommen aus 100 Ländern dieser Erde zu uns. Sie können einen entscheidenden Abschnitt ihrer Karriere in einem kreativen Kosmos absolvieren, in dem interdisziplinäre und interkulturelle Ansichten und Denkweisen kluger Köpfe zum Tragen kommen.

Und damit sind wir wieder beim eigentlichen Wesen der Promotion: Die intensive Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist zuallererst eine intellektuelle und nicht eine finanzielle. Die Doktoranden schätzen die sehr gute Betreuung u. a. an unseren International Max Planck Research Schools, aber auch das Training von Soft Skills. Denn – und auch das müssen wir uns klar vor Augen führen – nur ein Teil von ihnen wird in der Wissenschaft bleiben.

Das ist kein Nachteil: Die erfolgreichste Form des Wissenstransfers ist die Ausbildung von hervorragend qualifizierten Nachwuchskräften, die leitende Funktionen eben nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen können.

Eine Förderung mit Stipendien ist in der Wissenschaft – und zwar nicht nur national, sondern auch international – das Instrument schlechthin; sie abzuschaffen, wäre grober Unfug und würde die gesamte Nachwuchsförderung beschädigen.

Der Autor ist Präsident der Max-Planck-Gesellschaft.

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