Studie "Wissenschaft weltoffen 2018" : Mehr internationale Studierende in Deutschland

Internationale Studierende und Forscher zieht es immer häufiger an Hochschulen in Deutschland. Vom wissenschaftlichen Austausch profitieren alle Länder.

Mitsuo Martin Iwamoto
Bunt gemischt. Die Unis werden schneller internationalisiert als gedacht.
Bunt gemischt. Die Unis werden schneller internationalisiert als gedacht.Foto: Patrick Pleul/dpa

Immer mehr internationale Studierende und Forscher kommen nach Deutschland. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Studierenden von deutschen Hochschulen groß, die es für ein oder mehrere Semester ins Ausland zieht. Das zeigt die neue Ausgabe der Studie „Wissenschaft weltoffen“, mit der der Deutsche Akademischen Austauschdienst (DAAD) und das Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) jährlich den Stand der Internationalisierung an deutschen Hochschulen analysieren.

Rekord: 359 000 internationale Studierende

So gingen erneut über 137 000 deutsche Studierende an ausländische Hochschulen. Der Wert des Vorjahres wurde wieder erreicht, obwohl die politische Großwetterlage das nicht immer fördert, man denke an die Ereignisse in der Türkei oder den Brexit. Umgekehrt studierten im Jahr 2017 bereits 359 000 internationale Studierende an deutschen Hochschulen. Damit wurde das für 2020 ausgegebene Ziel von 350 000 internationalen Studierenden bereits drei Jahre früher als geplant erreicht.

Jeder Studierende und Forscher soll sich in Deutschland sicher fühlen können

Nicht immer präsentiert sich Deutschland als so weltoffen. Ein trauriges Beispiel vom vergangenen Wochenende: Ein Kippa tragender israelischer Professor wurde in Bonn von einem 20-jährigen Deutschen mit palästinensischen Wurzeln antisemitisch beschimpft. Als die Polizei hinzukam, kam es zu einem folgenschweren Fehler – die Polizei hielt den Professor für den Aggressor. Einer der Polizisten schlug ihm sogar ins Gesicht. Ein Vorfall, der Fragen aufwirft.

Die Wissenschaftspolitik reagiert eindeutig darauf. „Jeder, der in unser Land kommt, soll, nein, muss sich von unseren Behörden geschützt fühlen können“, sagte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei der Präsentation der Studie. „Das ist ein ganz schlimmer Vorfall und für unsere Bemühungen ein Rückschlag“, ergänzte Margret Wintermantel, Präsidentin des DAAD.

"Brain Circulation" - wissenschaftlicher Austausch, von dem alle profitieren

Dennoch: Die Internationalisierung des deutschen Wissenschaftssystems halten sie für eine Erfolgsgeschichte. Die Ergebnisse der Untersuchung stimmen auch mit dem Fazit einer Studie des Studentenwerks und des Bildungsministeriums überein. Diese konstatierte vor drei Wochen, dass sich internationale Studierende in Deutschland wohl und willkommen fühlen.

Die internationale Vernetzung wird auch dadurch verdeutlicht, dass mittlerweile 58 Prozent der Publikationen an deutschen Hochschulen in Kooperation mit internationalen Wissenschaftlern entstehen. Für Wintermantel ist das ein „erfreuliches Zeichen“. Auch die Sorge vor einem möglichen „brain drain“ sei unbegründet. Angesichts eines Verhältnisses von 51 zu 49 bei ausreisenden und ainreisenden Forschern sei es angemessener, von „brain circulation“ zu sprechen – wissenschaftlichem Austausch, von dem alle profitieren.

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